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Ratgeber für Norwegen-Auswanderer

Vom Leben mit Nachbarn in Norwegen

Die Fremden von nebenan werden Nachbarn genannt, auf Norwegisch nabo. Man muss sich nicht mit seinem nabo verstehen, aber angenehmer fürs alltägliche Leben wäre das schon. Um ein gutes nachbarschaftliches Miteinander zu ermöglichen, sollte man mehr tun, als nur den Rasen kurz zu halten. Es folgen ein paar Tipps zum positiven Umgang mit Nachbarn in Norwegen.

Dugnad

Dugnad
Nachbarn bei einem Dugnad in Kleppen, 1950er Jahre.
(Foto: Niels Fredrik Jørgensen, CC BY-SA 2.0)
Sie leben neuerdings in Norwegen? Kennen kaum jemanden, wollen aber Anschluss an die Einheimischen finden? Dann ist der dugnad genau richtig dafür. Dugnad gilt in Norwegen als typisch norwegisch. Wenn Sie daran teilnehmen, zeigt es Ihre Bereitschaft, auch ein stückweit norwegischer zu werden.

Was ist der Dugnad? Es ist eine freiwillig ausgeführte Arbeit zum Wohle der Gesellschaft, ehrenamtlich versteht sich. Dugnads werden oft in Wohnblocks oder Nachbarschaften veranstaltet, um die Gemeinschaftsbereiche zu säubern und zu pflegen. Bieten Sie Ihre Hilfe an, – möglicherweise werden Sie gebeten, zu streichen, Dachrinnen zu reinigen, Laub zu harken und Müll einzusammeln. Es machen alle Nachbarn mit. Zumindest alle, die auf eine gute Nachbarschaft Wert legen.

Sie müssen nicht daran teilnehmen, aber wenn Sie Ihre Nachbarn besser kennenlernen und mithelfen wollen, ist der Dugnad die perfekte Veranstaltung dafür.

Exkurs: Im Jahr 2004 wurde das Wort dugnad vom norwegischen Rundfunk NRK im Rahmen der Reihe Typisk norsk zum norwegischen Nationalwort gewählt. Dugnad gewann knapp vor jah (Geräusch beim Einatmen), matpakke (Lunchpaket), und koselig (gemütlich, nett). Parallelen zum Subbotnik zu ziehen, wie man diesen in der DDR kannte, ist durchaus richtig, man muss sich nur den ideologischen Überbau wegdenken.

Ruhe, bitte!

Ruhe, bitte!
Ruhe, bitte! (Symbolbild: DaMongMan, CC BY 2.0)
Die Norweger*innen machen viel Lärm um ihre Ruhe, so wichtig ist ihnen die Abwesenheit von störenden Geräuschen. Rücksichtsvoll und leise zu sein, ist im Grunde eine international geschätzte Regel, gute Nachbarn überall auf der Welt versuchen, diese zu befolgen.

Ein guter Nachbar in Norwegen zu sein, bedeutet, dass Sie zwischen 22 Uhr und 7 Uhr morgens besonders rücksichtsvoll sein sollten. Hämmern und bohren Sie nicht an Sonn- und Feiertagen. Und mähen Sie nicht den Rasen. Telefonieren Sie nicht laut auf dem Balkon, kärchern nicht die Hausfassade, üben Sie nicht die Trompete. Seien Sie einfach still. Einwanderer aus dem deutschsprachigen Raum kennen das von Zuhause.

Was Sie tun, wenn der Lärm sich nicht vermeiden lässt

Naboversal
Thomas und Karina auf einer Hausparty irgendwo in Norwegen. (Foto: trontnort, CC BY-NC 2.0)
Wenn bei Ihnen eine Party, eine Renovierung oder größere Bauarbeiten anstehen, warnen Sie Ihre Nachbarn mit einem nabovarsel, einer „Nachbarnankündigung“, vor. Bei langfristigeren Bauprojekten sind nabovarsel sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Sie wollen eine Party veranstalten, die wahrscheinlich bis spät in die Nacht dauern wird? Eine nabovarsel auf der Facebook-Seite, WhatsApp-Gruppe der Nachbarschaft oder ein Zettel mit einem Hinweis, der in einem Gemeinschaftsbereich ausgehängt wird, zeigt wie rücksichtsvoll Sie sind, Ihre Nachbarn werden das zu schätzen wissen.

Kennen Sie Ihre Grenzen

Genze
Die neuen Grenze bzw. Straßenkunst in Oslo. (Foto: Arild Storaas, CC BY-NC-ND 2.0)
Achtung, dies ist keine Metapher. Wir sprechen hier von Ihrer Grundstücksgrenze. Viele Grundstücke in Norwegen gehen nahtlos ineinander über, so dass das Ende Ihres Grundstücks und der Beginn des Nachbargrundstücks manchmal schwer zu unterscheiden sind. Um Konflikte zu vermeiden (oder Zeit beim Mähen eines fremden Rasens einzusparen), sollten Sie mit Ihrem Nachbarn darüber sprechen, wie die Grundstücksgrenzen verlaufen.

Klippe Sie Ihre Hekk

Hekkene må klippes hvert år. – Die jährliche Heckenpflege ist ein Muss.
(Foto: Åge Hojem, NTNU Vitenskapsmuseet, CC BY 2.0)
Apropos Grenzen. Um angespannte Momente mit Ihren Nachbarn zu vermeiden, stellen Sie sicher, dass Sie klippe hekk, dass Sie „die Hecken schneiden“. Lassen Sie Bäume oder Sträucher nicht auf das Grundstück Ihres Nachbarn ragen.

Obstbäume entlang Ihres Grundstücks machen die Sache für soziophobe Menschen besonders unangenhem. Sie müssen die Äpfel, die auf das Nachbargrundstück fallen, einsammeln. Aber dazu müssen Sie vorher mit Ihrem Nachbarn sprechen und ihn um Erlaubnis zum Betreten seines Grundstücks fragen. Jah (Geräusch beim Einatmen).

Viele Kommunikationswege führen zur guten Nachbarschaft

Kommunikation
„Nachbarschaftliche Kommunikationszentrale“. (Foto: Kari Bjørkli Thomassen, Finnmark fylkeskommune, CC BY-ND 2.0)
Von Einfamilienhäusern in Vorstädten bis hin zu Wohnungen im Zentrum der Hauptstadt haben viele Nachbarschaften Facebook-Gruppen oder andere Möglichkeiten geschaffen, um miterinander zu kommunizieren und auszutauschen. Es gibt Wohnungsbaugesellschaften, die Treffen für Bewohner veranstalten, an denen diese teilnehmen können. Wenn Sie also neu in der Gegend sind, finden Sie heraus, wie Sie am besten mit der Nachbarschaft in Verbindung bleiben.

Stehen Sie nicht mit leeren Händen da

Mitbringsel
Vorbildlich: Der ehemalige Präsident Kolumbiens, Juan Manuel Santos, hat beim Treffen mit Erna Solberg ein Mitbringsel dabei. (Foto: Ragnhild H. Simenstad, NorwayUN, CC BY-NC-ND 2.0)
Wenn Sie zu einer privaten Veranstaltung gehen, die von einem Ihrer Nachbarn ausgerichtet wird, dann erscheinen Sie dort nicht mit leeren Händen. Es muss keine große oder teure Gabe sein. Gastgeber freuen sich oft, wenn sie Blumen als Zeichen der Dankbarkeit geschenkt bekommen. Viele bringen Snacks oder Beilagen zum Teilen mit. Und fast jeder bringt seine eigenen alkoholischen Getränke mit. Wenn Sie nicht sicher sind, was Sie mitnehmen sollen, dann schreiben Sie Ihren Gastgeber an und fragen Sie ihn, was Sie am besten mitbringen sollten.

Seien Sie pünktlich bei Essenseinladungen

Nachbarschaft Essen
Alle Nachbarn sind pünktlich zum Essen erschienen, vielen Dank! – Ein Fest in Ulvik.
(Foto: J Donohoe, CC BY-NC 2.0)
Kulturell bedingt sind die Norweger bei entspannten gesellschaftlichen Anlässen nicht besonders pünktlich. Das klassische vorspiel – das ist Norwegisch für Vorglühen – und das nachspiel – Norwegisch für die Fortsetzung einer Feier an einem anderen Ort, zu Deutsch After-Party – finden nach dem Motto „Komm ich heut nicht, komm ich morgen“ statt.

Aber wenn Ihr Nachbar oder ein Bekannter Sie zu einem Abendessen oder einer Veranstaltung eingeladen hat, bei der sich alles ums Essen dreht, dann stellen Sie sicher, dass Sie zur angegebenen Zeit erscheinen, sonst werden das Essen und Ihr Verhältnis zum Nachbarn kalt.

Ziehen Sie Ihre Schuhe aus

Schuhe ausziehen
Hier ist eindeutig eine Party im Gange. (Foto: Lisa Risager)
In Nordeuropa ist es nicht üblich, im Haus Schuhe zu tragen. Sollten Sie in Norwegen jemals Ihren Fuß über die nachbarliche Türschwelle setzen, sollte dieser ohne Schuh sein. Ersparen Sie es Ihrem Nachbarn, Sie mit unangenehmen Blicken bestrafen zu müssen. Wenn Sie für Blicke, die töten könnten, nicht empfänglich sind, wird Ihr Nachbar vielleicht sogar eine verbale Aufforderung an Sie richten, endlich die verdammten Schuhe auszuziehen, Sie Schmutzfink.

Vom Winter verweht

Schnee schippen in Norwegen
Früh übt sich, wer ein guter Nachbar im winter sein will.
(Foto: Erik Aspden Schyberg, CC BY-NC 2.0)
Die langen kalten Winter in Norwegen erfordern eine Gewisse Abstimmung mit der Nachbarschaft. Wo sind die Schneeschaufeln im Haus? Erkundigen Sie sich, ob die Nachbarn selbst dafür zuständig sind, die Gemeinschaftswege schneefrei zu halten, oder ob ein externer Dienstleister damit beauftragt ist. Am besten bringen Sie dies in Erfahrung, indem Sie anbieten, den Schnee selbst zu schippen, sobald Sie die Zeit dazu haben.

Verreisen im Winter

Haus im Winter
Wenn man im Winter ein paar Tage verreist war und nicht daran gedacht hat, im Haus die Heizung anzulassen. (Foto: Ilya Shishikhin)
Angenommen, Sie planen einen Winterurlaub und möchten deshalb Ihre Wohnung für einige Tage oder gar Wochen verlassen. Da ist es doch klug, Geld und Energie zu sparen, indem Sie sämtliche Heizungen herunterfahren, richtig? – Falsch.

Wenn Sie in einem Gebäude wohnen, wo sich die Nachbarn das Heizungssystem teilen, tun sie alles dafür, um zu vermeiden, dass das gemeinsame Heizsystem aufgrund von eingefrorenen Rohren ausfällt. Ersparen Sie sich und Ihren Nachbarn kostspielige Reparaturen. Dazu sollten Sie Ihre Wohnung in Ihrer Abwesenheit auf mindestens 10°C heizen.

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ap

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Heinrich
Heinrich
17. Mai 2021 18:29

ich weiß das, dass Norge das großzügigste Land der Welt ist. Ich habe mal ein paar Jahre dort gelebt und gearbeitet. Leider hat sich viel geändert. Es gibt auch Rechtsradikale (Nazis), Es gibt „Querdenker“, Verschwörungstheoretiker und alle Schattierungen dazwischen, also genauso wie bei uns. Nur sehr viel weniger. Aber es ist ein wunderschönes Land mit gastfreundlichen Menschen.