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Bissiger Hinweis

Norwegen: Versteckte Botschaft im Munch-Gemälde „Der Schrei“ entschlüsselt

Bereits 1904 ist akribischen Kunstbeobachtern aufgefallen, dass mit Edvard Munchs Gemälde „Der Schrei“ etwas nicht ganz stimmte. Und zwar war auf dem inzwischen weltberühmten Werk des Norwegers ein schwerlich zu entziffernder Schriftzug entdeckt worden.

Der Schrei Edvard Munch
Das Gemälde „Der Schrei“ wird mit einer Infrarotkamera untersucht. (Foto: Annar Bjorgli/The National Museum)
Damals war „Der Schrei“ gerade einmal gut eine Dekade alt und Teil einer Kopenhagener Ausstellung. Es müsse sich um das Gekritzel eines gekränkten Kunstliebhabers handeln, hatte es damals lapidar geheißen.

Denn klar: Wer auch sonst hätte das Motiv und noch dazu den Mumm haben können, Munchs Gemälde mit den wenig schmeichelhaften Worten „Kan kun være malet af en gal Mand!“ („Kann nur von einem Verrückten gemalt worden sein!“) zu versehen?

Seither galt die Inschrift als kleiner optischer Makel, mit dem das Bild und seine Betrachter wohl oder übel zu leben hatten – begleitet von nicht abreißenden Spekulationen um den Ursprung des Gekritzels.

Dazu muss man wissen, dass zuweilen selbst auf offener Bühne über den Geisteszustand des Malers debattiert worden war. In Munchs Beisein, wohlgemerkt. Ein Bild wie „Der Schrei“, so eine damals in Fachkreisen durchaus gängige Meinung, könne doch nur von einem Verrückten stammen. Expressionismus der ganz verstörenden Art sozusagen.

Nun haben Infrarotaufnahmen am Norwegischen Nationalmuseum in Oslo die Spekulationen offiziell beendet. Und siehe da: Munch selbst war es, der sein Gemälde nachträglich mit dem bissigen Hinweis auf seine geistigen Kapazitäten versehen hatte. Er dürfte damit der denkbar legitimste Kunstbanause der Geschichte sein.

Tagebuchaufzeichnungen lassen jedoch den Schluss zu, dass Munch mit seiner Kritzelei nicht (nur) zum Spaß gehandelt hat. Vielmehr habe der Künstler unter den Zuschreibungen gelitten, sagte Mai Britt Guleng, Kuratorin des Nationalmuseums, im Rahmen einer Mitteilung zu den Untersuchungsergebnissen.

„Munch war ganz allgemein wegen möglicher Erbkrankheiten besorgt. Sein Großvater als auch sein Vater litten unter Melancholie, wie man es damals nannte“, so Guleng. Auch Munchs Schwester Laura soll zeitweise psychiatrisch behandelt worden sein.

Unklar bleibt jedoch, wann genau der Künstler sein Werk mit der Inschrift versah. Laut einer Stellungnahme des Nationalmuseums könnte es im Anschluss an eine Studentenveranstaltung passiert sein, bei der sich Aufzeichnungen zufolge Teilnehmer kontrovers über Munchs geistige Verfassung ausließen.

Das betreffende Gemälde wurde 1895 erstmals ausgestellt. Betreffend deshalb, weil es das Motiv „Der Schrei“ gleich in viermaliger Ausfertigung gibt. Aber nur eines davon enthält die nun entschlüsselte Inschrift.

Munch hatte die vier Werke im Abstand mehrerer Jahre auf je unterschiedliche Art angefertigt. Es soll sich dabei um die Verarbeitung einer abendlichen Angstattacke im Freien gehandelt haben. Zur Vervollkommnung der Weltberühmtheit von „Der Schrei“ trugen weit nach Munchs Tod im Jahr 1944 auch zwei Diebstähle bei.

So wurde 1994 die Erstversion von 1893 aus der norwegischen Nationalgalerie entwendet. Drei Monate später konnte sie glücklicherweise sichergestellt werden. 2004 erwischte es dann bei einem Raubüberfall die Spätversion von 1910. Von zahlreichen Medienberichten begleitet, gelang das Bild erst gut zwei Jahre später wieder in die Obhut des Munch-Museums in Oslo.

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sh

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