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Wo man nicht sterben darf

Seltsame Gesetze Norwegens, die man kennen sollte

Angefangen damit, dass man in bestimmten Gegenden Norwegens nicht sterben darf, bis hin zu der Frage, welche Beeren zu pflücken erlaubt sind und wann man Alkohol kaufen kann – dies sind einige der merkwürdigeren norwegischen Gesetze, über die man als Reisender in Norwegen Bescheid wissen sollten.

Allmennhetens høstingsrett – Jedermannsrecht Recht auf Sammeln und Pflücken

Jedermannsrecht Sammeln Pflücken
Kinder beim Sammeln von Moltebeeren bei Narvik. (Foto: Harald Groven, CC BY-SA 2.0)
Wir lieben Norwegen dafür, dass die Natur dort nie weit entfernt ist. Im Sommer gibt es auf dem Land jede Menge frischer Beeren, Pilze oder Blumen zu pflücken. Anschließend Kocht man Marmelade aus den Beeren, bereitet eine Pilzpfanne zu und stellt die Wiesenblumen in die Vase.

Das norwegische Jedermannsrecht auf Sammeln und Pflücken besagt, dass es erlaubt ist, alle Beeren, Nüsse, Kräuter, Pilze oder herabgefallene Zweige und Trockenreisig, die man draußen findet, zu pflücken oder zu essen.

Ausgenommen davon sind seltene Pflanzen, die unter Naturschutz stehen, diese dürfen auf keinen Fall gepflückt werden.

Moltebeeren multebær genießen einen besonderen Status unter den Pflückern und Sammlern, aber auch vor dem Gesetz.

In manchen Gegenden des Landes hüten Familien das Geheimnis um ihre Sammelstellen für Moltebeeren wie ihren Augapfel. Das liegt daran, dass Moltebeeren nicht gezüchtet werden können und die Sammel-Saison sehr kurz ist, was Moltebeeren besonders teuer macht.

Beim Pflücken von Moltebeeren im Norden des Landes muss man außerdem beachten, dass man keine Moltebeeren auf Privatgrundstücken pflücken darf. In Nordland und Troms og Finnmark ist dies gesetzlich untersagt.

Spike- und Winterreifen

Winterreifen Norwegen
Winterreifen zwischen Herbst und Frühjahr sind in Norwegen Pflicht. (Foto: Mariakray)
Die Verkehrsregeln in Skandinavien sind streng, und Norwegen bildet dabei keine Ausnahme. Das ist angesichts der Witterung auch kein Wunder. Aus diesem Grund gibt es Jahreszeiten für Sommer- und Winterreifen. In der entsprechenden Saison kann man in Norwegen entweder normale Winterreifen oder Spikereifen verwenden. In den meisten Teilen des Landes kann man vom 1. November bis zum ersten Montag nach dem zweiten Ostertag Spikereifen benutzen.

Wenn man mit Spikereifen außerhalb dieser Saison erwischt wird, werden 1.000 Kronen (100 euro) Bußgeld fällig. Dies gilt auch, wenn das Reifenprofil nicht mindestens 3 mm dick ist.

Kauf von Alkohol an Sonn- und Feiertagen

Vinmonopolet Norwegen
Im Vinmonopolet, ca. 1930. Norsk Folkemuseum. (Foto: Wolfgang Stief, CC BY-NC-ND 2.0)
Alkohol ist in Norwegen nicht nur teuer, sondern sein Verkauf auch staatlich reglementiert. Alle Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 4,7 Prozent dürfen nur in den staatlich geführten Vinmonopolet verkauft werden, die unter der Woche um 18 Uhr schließen, sonntags und an Feiertagen aber geschlossen bleiben.

Schwächerer Alkohol wie Bier und Cidre kann in Supermärkten wochentags bis 20 Uhr und samstags bis 18 Uhr gekauft werden. Der Verkauf von Alkohol am Sonntag ist den Geschäften durch das Alkoholgesetz untersagt, aber die meisten Geschäfte sind sonntags ohnehin geschlossen.

Dem Thema, was man beim Kauf von Alkohol in Norwegen beachten sollte, haben wir einen ganzen Artikel gewidmet.

Kauf von Wein nach 15 Uhr an Samstagen

An Samstagen schließen die Weinläden um 15 Uhr, d. h. wer etwas Stärkeres als Bier möchte, muss bis Montag warten. Gegen 14.30 Uhr bilden sich samstags lange Schlangen vor den Vinmonopolet, mit Leuten, die versuchen, ihren Wein zu bekommen, bevor die Läden schließen.

Eine nützliche norwegische Redewendung, die man kennen sollte, ist: Jeg må rekke polet – „Ich muss den polet machen“ (polet ist die Abkürzung für vinmonopolet – die Weinmonopolläden). Rekke polet ist in Norwegen vermutlich die akzeptierteste Entschuldigung fürs Zuspätkommen.

Allemannsretten – Jedermannsrecht oder Jedermannszutrittsrecht

Zelten Norwegen Campen
„Wildes“ Zelten. (Foto: Daan Weijers)
Das Gesetz gibt jedem, der zu Fuß oder – typisch norwegisch – auf Skiern unterwegs ist, ein uneingeschränktes Recht auf Bewegung. Es handelt sich um ein öffentliches Recht, das auf dem kulturellen Erbe des Landes beruht. Man kann querfeldein über privates Land laufen und im Prinzip überall sein Zelt aufschlagen.

Allerdings muss das Zelten mehr als 150 Meter von einem bewohnten Haus oder einer Hütte entfernt sein. Die Ausnahme von dieser Regel ist bebautes Land. Und wenn man mehr als eine Nacht auf demselben Platz campen will, braucht man die Erlaubnis des Grundstückseigentümers.

Kastrering av hund – Kastration von Hunden

Hunde Norwegen
Elchhunde-Welpe, eine vom aussterben bedrohte norwegische Hunderasse.
(Foto: Harold Schock, CC BY-SA 2.0)
Hundehalter wird es interessieren. Heutzutage ist es in den Landen, in denen wir heimisch sind, üblich, dass Menschen ihre Hunde kastrieren oder sterilisieren lassen. Manche glauben, dass sich dadurch ihr Temperament und ihr Verhalten zum Besseren wendet und ihr Tier ein längeres, glücklicheres Leben führen kann.

In Norwegen ist es illegal, chirurgische Eingriffe an Tieren vorzunehmen, es sei denn, sie sind für die Gesundheit der Tiere unbedingt erforderlich. Dieses Gesetz ist im norwegischen Tierschutzgesetz verankert. Dennoch sind übrigens Sechs von sieben norwegischen Hunderassen vom Aussterben bedroht.

Man kann seinen Hund jedoch kastrieren oder sterilisieren lassen, wenn dies seiner Gesundheit zuträglich ist, z. B. wenn man eine Hündin hat, die zu Harnwegsinfektionen neigt.

Bei Verhaltensproblemen empfehlen die norwegischen Tierärzte eher ein gutes Training als eine gesundheitlich nicht erforderliche Kastration des Hundes. Eine Katze geht dagegen klar, diese kann ohne besondere Begründung kastriert werden.

Anzünden von Lagerfeuern zu bestimmten Zeiten im Jahr

Lagerfeuer Norwegen
Leute am Lagerfeuer. (Foto: Tegan Mierle)
Die Norweger lieben es, ihre pølser (Würstchen), pinnebrød (Stockbrot) und anderes Wanderproviant zu grillen, wenn sie im Winter in der freien Natur unterwegs sind, und das Entzünden eines Lagerfeuers ist ein öffentliches Recht, das in Allemannsretten verankert ist.

Zwischen dem 15. April und dem 15. September sind Lagerfeuer in Norwegen jedoch verboten, d. h. jeder, der ein Feuer anzünden möchte, muss zunächst eine Genehmigung der örtlichen Behörden einholen.
Die örtlichen Vorschriften variieren hier manchmal.

Private Kommunikation

Keine Frage, es ist überall verpönt, die Textnachrichten anderer Leute zu lesen. In Norwegen kann man dafür sogar ins Gefängnis kommen, denn das Lesen fremder Nachrichten gilt als Verletzung des Rechts auf private Kommunikation.

Dies gilt für das heimliche Aufzeichnen von Gesprächen, das Öffnen von Briefen, die nicht an einen selbst adressiert sind, oder das Verzögern, Ändern, Verfälschen oder Zerstören einer für eine andere Person bestimmten Kommunikation. Wer gegen dieses Recht verstößt, dem drohen eine Geldstrafe oder zwei Jahre Gefängnis.

Regeln bei Autopannen

Autopannen sind ein Ärgernis. Um dieses Ärgernis nicht noch ärgerlicher zu machen, gelten in Norwegen bestimmte Vorschriften für Autofahrer*innen. Zunächst muss man als ein solcher eine Warnweste mitführen. Nicht nur das, man muss sie auch maximal eine Armlänge von sich entfernt aufbewahren. Die Warnweste muss bei Autopannen getragen werden, wenn man das Fahrzeuig verlässt. Der Grund dafür leuchtet ein: in Norwegen sind nur wenige Straßen außerhalb von Autobahnen, Hauptstraßen oder Städten beleuchtet.

Dass man im Falle des Liegenbleibens das Warndreieck aufstellt, ist dabei eine Selbstverständlichkeit.

Rundfunksteuer

Rundfunkabgaben sind in ganz Europa verbreitet. Die gute Nachricht ist, dass Norwegen seine Rundfunkabgabe abgeschafft hat. Die schlechte Nachricht ist, dass sie durch eine Rundfunksteuer ersetzt wurde.

Glücklicherweise ist die Steuer billiger als die frühere Abgabe, und die Höhe der Steuer richtet sich nach dem Einkommen. Die Steuer kostet jetzt zwischen 200 und 1.700 Kronen (2-170 Eur), je nachdem, wie viel Geld man verdient. Zuvor kostete die Gebühr 3.000 Kronen. Jeder volljährige Mensch in Norwegen muss die Steuer zahlen.

Spitzbergen

Longyearbyen Spitzbergen
Longyearbyen auf Spitzbergen. Die nördlichste Stadt der Welt. (Foto: Janik Rohland)
Spitzbergen ist eine Inselgruppe, die etwa auf halbem Weg zwischen dem norwegischen Festland und dem Nordpol liegt. Sie ist ein beliebtes Touristenziel. Viele reisen dorthin, um im Sommer die Mitternachtssonne, im Winter das Nordlicht oder die Gletscher und die arktische Tierwelt zu sehen.

Die Verwaltungshauptstadt Longyearbyen (2.150 Einwohner) ist die nördlichste Stadt der Welt und dort gelten auch einige der seltsamsten Gesetze der ganzen Welt.

Erstens darf niemand auf der Insel begraben werden. Aufgrund des Permafrostes verwesen Leichen, die in Spitzbergen begraben werden, nicht. In den 1990er Jahren entdeckten Wissenschaftler einen Toten, der während der Spanischen Grippe gestorben war. Der Leichnam enthielt noch immer das Virus, vollständig konserviert. Menschen, die auf Spitzbergen sterben, werden auf das Festland überführt. Das gilt auch für alle, die krank sind und kurz vor dem Tod stehen. Insofern gilt auf Spitzbergen: Sterben verboten.

Katzen sind auf der Insel ebenfalls nicht erlaubt, um seltene arktische Vögel zu schützen.

Und die strengen norwegischen Alkoholgesetze sind hier noch strenger, da der Verkauf von Alkohol rationiert ist.

Die monatliche Ration für Spitzbergen erlaubt bis zu zwei Flaschen Schnaps oder vier Flaschen Wein, eine halbe Flasche Likörwein und 24 Dosen Bier.

Und schließlich darf man die Stadt nur verlassen, wenn man eine Waffe dabei hat oder von einer bewaffneten Person begleitet wird. Der Grund dafür ist die große Anzahl von Eisbären, die auf der Inselgruppe leben.

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ap

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