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Ende einer langen Tradition

Als Predigt eingestuft: Norwegen stellt kostenlose Bibelverteilung an Schulen ein

Die norwegische Bildungsdirektion (Utdanningsdirektoratet/Udir) hat die Gemeinden und Schulen im Lande dazu aufgefordert, das kostenlose Verteilen von Bibeln einzustellen. Das berichtet Life in Norway in einem aktuellen Beitrag.

Bibel Norwegen
„Lies die Bibel online“, steht auf der Nase dieses jungen Mannes.
(Foto: Bjørnar Tollaksen, CC BY-NC 2.0)
Damit setzen die Verantwortlichen einen Schlussstrich unter eine lange Tradition. Bislang war es in Norwegen nämlich guter Brauch, Jahr für Jahr Tausende von Bibelexemplaren an Schulkinder zu verteilen. Zum absoluten Nulltarif, sozusagen als Gratisbeigabe für den Religionsunterricht.

Inhaltlich soll daran durch die neue Direktive auch nicht gerüttelt werden. Sowohl der Religionsunterricht selbst als auch die Bibel bleiben zentrale Bestandteile des Lehrplans.

Aber: Was sich geändert hat, ist die Sichtweise auf das „Medium“ Bibel. Und tatsächlich, es ist nur die Sichtweise, weshalb es für diesen einschneidenden (und natürlich kontrovers diskutierten) Schritt auch keiner Gesetzesänderung oder sonst was bedurfte.

Vielmehr bediente sich die Bildungsdirektion eines, nun ja, kleinen Kniffs, indem sie das bestehende Bildungsgesetz einfach anders interpretiert bzw. auslegt als bislang.

Dazu muss man wissen, dass besagtes Bildungsgesetz mit Blick auf die religiöse Wissensvermittlung zwei Dinge recht klar voneinander trennt: nämlich Unterricht und Predigt. Und genau hier entscheidet sich die Sache.

Laut der neuen oder besser: aktualisierten Sichtweise der Bildungsdirektion wird das Verschenken von religiösen Schriften, Büchern und Gegenständen an die Schülerschaft von nun an als Predigt angesehen. Und damit als den kleinen, aber entscheidenden Schritt über den reinen Bildungsauftrag hinaus.

Befürworter der neuen Sichtweise argumentieren schon seit Längerem, dass schuleigene Bibeln verwendet werden können, wenn der Lehrplan gerade entsprechende Inhalte vorsieht. Eine Argumentation, der die Schuldirektion ganz offensichtlich folgen konnte.

Politikern, die eher der konservativen Seite zugewandt sind, zaubert der Schenkverzicht dagegen kein Lächeln ins Gesicht. Stellvertretend sagte Kjell Ingolf Ropstad, der Vorsitzende der norwegischen Christdemokraten (Kristelig Folkeparti), laut Life in Norway:

„Das Verteilen der Bibeln findet an norwegischen Schulen schon seit vielen Jahren statt. Ich finde es erstaunlich, dass das Direktorat jetzt die Gemeinden auffordert, damit aufzuhören.“

Auch der Einstufung geschenkter Bibeln als Form der Predigt könne er nicht folgen, so Ropstad. Schließlich zwinge ja „niemand die Schulkinder, die geschenkte Bibel zu lesen“. Auch das ist eine Sichtweise.

Übrigens finden in Norwegen in gut zwei Wochen Parlamentswahlen statt. Wetten, dass die Sache mit der Bibel in den letzten Tagen des Wahlkampfs noch eine kleine, aber feine Rolle spielt?

Das norwegische Direktorat für allgemeine und berufliche Bildung (Udir) ist für die Entwicklung der Kindergärten sowie der Grund- und Sekundarschulbildung zuständig. Die Direktion ist der exekutive Arm des norwegischen Ministeriums für Bildung und Forschung.

Weitere Infos finden sich auf der Webseite des Direktorates (in englischer Sprache).

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sh

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