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„Das war uns völlig unbekannt“

Norwegen: Forschungsprojekt liefert bis dato einmalige Bilder von Kot fressendem Elch

Es folgt eine wenig appetitliche Geschichte über einen Elch aus Norwegen, die in der Fachwelt gerade hohe Wellen schlägt. Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurde nämlich herausgefunden, dass weltweit zumindest ein Elch den Kot anderer Artgenossen frisst. Dokumentiert wurde das zuvor noch nie.

Kot Elch Norwegen 2
Elchkuh C2209 mit um den Hals hängender Beweiskamera. (Foto: Christer Moe Rolandsen / NINA)

Herausgefunden wurde die kulinarische Besonderheit, weil Elchkuh C2209 während des Projektes eine Kamera um den Hals trug, mit der sich das Tier selbst beim Sein filmte. Nur logisch also, dass dabei auch Bilder von der Futteraufnahme entstanden.

Tief im Wald der Gemeinde Meråker (Trøndelag) kam es dann zu dem Moment, der die Elch-Forschung ein Stück weit auf den Kopf stellt: C2209 geht im Heidekraut in Bückstellung und beißt beherzt in einen Kothaufen, der genauso aussieht wie das, was er ist. Kein Missverständnis.

Dem leitenden Forscher Christer Moe Rolandsen vom Norwegischen Institut für Naturforschung (NINA) verschlug es angesichts der Bilder fast die Sprache, wie er unumwunden zugibt. „Das war uns völlig unbekannt“, sagte er in einem Interview mit NRK.

Normalerweise gelten Elche als klassische Pflanzenfresser – zu Lande und unter Wasser

„Es ist das erste Mal, dass wir so etwas sehen. Vielleicht war es ein Zufall, der sich nicht erklären lässt, oder wir müssen in dieser Hinsicht neu denken“, so der Forscher weiter, der dennoch nicht von einer gewohnheitsmäßen Handlung ausgeht.

Als wahrscheinlich wird angesehen, dass sich das Tier zum Zeitpunkt der Fäkalien-Mahlzeit in einer wenig ertragreichen, eher ernährungsschwachen Phase befand. „Vielleicht hat der Elch dies situativ als wichtig angesehen“, spekuliert Rolandsen.

Normalerweise gelten Elche als klassische Pflanzenfresser, mit beispielsweise nährstoffreichen Zweigen, Knospen und Baumrinde auf dem Speiseplan. Selbst in einigen Metern Tiefe wachsende Wasserpflanzen können passen, wofür der Elch dann beim Tauchgang seine Nasenlöcher schließt.

(Beweisvideo des Norwegischen Instituts für Naturforschung)

Aber Kot? Das Fressen von Fäkalien – in der Fachsprache Koprophagie genannt – ist in der Tierwelt durchaus nichts Ungewöhnliches. Vor allem Hasen, Meerschweinchen und Hamster langen zu, aber auch manche Hundebesitzer erkennen ihre Liebsten nicht wieder, wenn es passiert.

„Das ist ein Teil des Verhaltens vieler Tiere“, schildert Rolandsen. „Manche fressen Kot, um zusätzliche Nahrung zu bekommen. Bei anderen Arten fressen beispielsweise die Jungtiere die Fäkalien ihrer Mutter, um das Immunsystem zu stärken.“

Sogar ein Fachartikel ist aus dieser Geschichte hervorgegangen

Nur passt das Schema eben nicht zu Elchen, über die ja auch nicht erst seit Kurzem geforscht wird. Daher konnte Rolandsen nur überrascht sein von dem, was C2209 ihm da filmisch aufgetischt hat. Sogar ein Fachartikel ist aus dieser Geschichte hervorgegangen.

Rolandsen aber bleibt dabei, dass er wohl Zeuge einer Laune der Natur geworden ist. „Ich glaube nicht, dass dies bei Elchen üblich ist. Gleichzeitig beobachten wir die Tiere normalerweise nicht rund um die Uhr und das ganze Jahr. Wir können uns also nicht komplett sicher sein“, so sein Fazit.

Sollte sich dennoch herausstellen, dass Kotverzehr bei Elchen und anderen Hirscharten nicht unüblich ist, könnte dies der Fachwelt neue Erkenntnisse zur Übertragbarkeit bestimmter Krankheiten liefern. C2209 dürfte demnach längst nicht die letzte Elchkuh mit einer Kamera um den Hals gewesen sein.

Unser Geographie-Quiz: Norwegen und seine Landschaft

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