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Peinliches aus Russland

Lettland kritisiert Putins höhnischen Erlass

Es ist ein Hohn, den sich Wladimir Putin gegenüber Lettland erlaubt hat. Doch Lettland kontert mit wohlformulierter Kritik, die den wunden Punkt Russlands trifft.

Am 2. September beschloss der russische Präsident einen Erlass, wonach Offiziere und Soldaten des russischen Besatzungsregimes, die in den Jahren 1944-1951 gegen die bewaffnete nationale Widerstandsbewegung Lettlands gekämpft haben, eine finanzielle Belohnung erhalten sollen.

Besatzung Lettland Russland
Das Lettische Nationaltheater, 1940 anlässlich der gewaltsamen Eingliederung Lettlands in die Sowjetunion mit sowjetischen Symbolen dekoriert. (Foto: Anonym, gemeinfrei)
Lettlands Außenministerium reagierte heute mit einer Stellungnahme darauf. Das Ministerium kritisierte den Akt Russlands als reine Inszenierung zum Hohn der Opfer.

„In Anbetracht der Tatsache, dass sich das oben Beschriebene in der Mitte des letzten Jahrhunderts ereignete und dass die jüngste der Personen, die finanzielle Belohnungen erhalten können, heute mindestens neunzig Jahre alt sein muss, betrachtet Lettland dieses Präsidialdekret als eine negative theatralische Geste und nicht als ein Zeichen echter Sorge und Fürsorge für die Bürger seines Landes.“, schreibt das Ministerium heute auf seiner Website.

Die Handlung wird in Lettland als reine Provokation verstanden. Auf Diplimaten-Lettisch klingt der Kommentar des Außenministeriums so: „In jedem Fall kann dieser Schritt als unfreundlich angesehen werden, der nicht ein kleines bisschen zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen zwischen Russland und Lettland oder zu ihrer weiteren positiven Entwicklung beiträgt.“

„Die Anordnung des Präsidenten der Russischen Föderation vom 2. September 2020, ehemalige Mitglieder der Behörden, die während der sowjetischen Besatzung an der Repression beteiligt waren, finanziell zu belohnen, kann ohne Frage als ein weiterer Versuch angesehen werden, die vom Stalin-Regime in Lettland und in anderen europäischen Ländern begangenen Verbrechen zu rechtfertigen.“

Lettland ließ es sich nicht nehmen, Russland einen schweren Seitenhieb zu versetzen, indem es den Finger der Kritik auf innenpolitische Wunden in Russland legte:

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„Lettland fordert Russland auf, endlich die stalinistische Weltsicht hinter sich zu lassen und stattdessen zu beginnen, in positiven Kategorien zu denken und die Aufmerksamkeit auf den Zustand seiner Wirtschaft und die Modernisierung seines politischen Systems, die Stärkung der Rechtsstaatlichkeit und die Bekämpfung der Korruption zu richten, um sicherzustellen, dass die Bewohner Russlands einen angemessenen Lebensstandard genießen und dass sich dies positiv auf die bilateralen Beziehungen zwischen Russland und Lettland sowie auf die Beziehungen Russlands zur Europäischen Union auswirkt.“

In dieser Aussage des Außenministeriums zeigt sich Lettlands Selbstbewusstsein gegenüber seinem großen Nachbarn, genausogut hätte das Ministerium sagen können, dass Russlands substanzloses Gebaren einfach nur peinlich ist.

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ap

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