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„Opfer fremder Mächte“

Lettland: Gedenken an massenhafte Deportation im März 1949

Am gestrigen Donnerstag gedachten viele Menschen in Lettland der Massendeportationen von 1949, bei denen über 42.000 Einwohner des Landes in sibirische Arbeitslager verschleppt worden sind: Für viele eine qualvolle Reise ohne Wiederkehr.

Deportation nach Sibirien Baltikum
Güterwagen in dem die Menschen verschleppt wurden – ein Denkmal für Deportierte.
(Foto: Jānis Vilniņš, CC BY-SA 3.0)
Normalerweise findet bei den jährlichen Gedenkfeiern am 25. März eine zentrale Gedenkveranstaltung statt. Doch die öffentliche Blumenniederlegung mit anschließender Ansprache des lettischen Präsidenten musste in diesem Jahr – wie so vieles – der Corona-Pandemie weichen.

Als Alternative zu dieser Veranstaltung entschieden sich einem Bericht des Portals LSM.lv zufolge viele Letten, im kleinsten privaten Kreis oder alleine Blumen an Denkmälern und an den Bahnhöfen niederzulegen, von denen aus 1949 die Züge in Richtung Osten rollten.

Präsident Egils Levits legte am Freiheitsdenkmal im Zentrum von Rīga Blumen nieder und sagte in einem Statement: „Die Geschichte und das kollektive Gedächtnis sind die wesentlichen Elemente jeder Nation.“

„Heute zollen wir den Zehntausenden Tribut, die über Nacht aus ihrer lettischen Heimat vertrieben wurden, um nach Sibirien deportiert zu werden – wo viele von ihnen starben. Heute gedenken wir, wie es in unserer Verfassung steht, der Opfer fremder Mächte“, so der Präsident weiter.

Es gab in Lettland zwei große sowjetische Deportationswellen. Die erste im Juni 1941, gefolgt von jener zweiten im März 1949. LSM.lv schreibt dazu, dass die Deportationsstrategie „zumindest teilweise der Unfähigkeit der Sowjetunion“ entsprungen sei, die Erinnerungen an die „unabhängigen und wohlhabenden baltischen Staaten der Zwischenkriegszeit auszulöschen“.

Frauen und Kinder unter 16 Jahren machten unfassbare 73 Prozent aller Deportierten aus. Insgesamt wurden über 30.000 Familien und fast 95.000 Menschen aus den heutigen drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen verschleppt.

In Lettland gibt es ein Okkupationsmuseum, auf das wir an dieser Stelle gerne hinweisen wollen – einmal als Dauerausstellung und einmal als Sammlung der KGB-Geschichte auf lettischem Boden (sowjetischer Geheimdienst): okupacijasmuzejs.lv.

sh

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