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Volkwirtin fordert schnelle Subventionen für Unternehmen

Island: Rezession wie nach dem Zweiten Weltkrieg

Islands Wirtschaft wuchs und gedieh vor der Coronakrise, es herrschte Vollbeschäftigung. Das Wirtschaftswachstum führte dazu, dass immer mehr Unternehmen gegründet wurden, die Zahl der Arbeitnehmer konnte mit dem Bedarf an Arbeitskräften gar nicht mithalten, wie das Statistische Amt Islands heute verlautbarte.

Rezession Island
Der Skógafoss als die Touristen noch in Scharen nach Island pilgerten. (Foto: Steve Riot)
Im Zeitraum von 12 Monaten zwischen Februar 2019 und Januar 2020 betrug die durchschnittliche Gesamtzahl der Arbeitgeber in Island 18.713 und die durchschnittliche Anzahl der Arbeitnehmer 193.700. Dies ist eine Zunahme von 249 (+ 1,3%) Arbeitgebern und eine Abnahme von 900 (-0,4%) Arbeitnehmern im Vergleich zum Zeitraum von Februar 2018 bis Januar 2019.

Rezession wie nach dem Zweiten Weltkrieg

Wohlgemerkt, dies sind die Zahlen vor dem Auftreten der Coronakrise. Heute glaubt eine Mehrheit der Führungskräfte in Unternehmen, dass nach der COVID-19-Pandemie eine größere Rezession zu spüren sein wird.

Die Volkswirtin Ásdís Kristjánsdóttir sagte gegenüber der größten Tageszeitung Islands, Fréttablaðið, dass sie die stärksten Auswirkungen auf den Tourismussektor zukommen sähe, abgesehen davon gehe sie davon aus, dass die Rezession alle Branchen treffen werde.

„Dies entspricht unseren Befürchtungen. Obwohl die Epidemie den größten Einfluss auf den Tourismus und verwandte Branchen hat, deutet es sich an, dass die Auswirkungen weitreichender sein werden. Fast alle Sektoren werden in Mitleidenschaft gezogen werden“, sagte sie.

„Es ist keine große Überraschung, dass Führungskräfte von 90 Prozent der Unternehmen glauben, dass der Umsatz sinken wird“, fügte Kristjánsdóttir hinzu.

Zum Zeitpunkt als der Zeitungsbericht erschien wurden fast sechstausend Menschen entlassen, hauptsächlich in der Tourismus- und Transportbranche.

Kristjánsdóttir wies darauf hin, dass die meisten europäischen Länder ihre wirtschaft finanziell stützten. Sie schlug auch für Island ähnliche Maßnahmen vor. „Unternehmen, die weiterhin einen deutlichen Umsatzrückgang verzeichnen, müssen wissen, welche Ressourcen verfügbar sind, um weitere Maßnahmen zu ergreifen“, sagte sie.

Sie sagte auch, dass das nächste Subventionspaket berücksichtigen muss, dass die Auswirkungen der Epidemie so lange oder länger anhalten werden, wie es die düstersten Prognosen bisher erwarten lassen.

Die aktuelle Prognose in Island besagt, dass die Epidemie in der zweiten Aprilwoche ihren Höhepunkt erreichen werde. Ausländische kurzfristige Indikatoren deuteten darauf hin, dass diese Rezession eine der stärksten seit dem Zweiten Weltkrieg sein werde, so die Wirtschaftswissenschaftlerin.

„Es ist wichtig zu schauen, was andere Regierungen tun“, sagte Ásdís Kristjánsdóttir und verwies auf Regierungen, die Unternehmen, die sich in erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinden, staatliche Subventionen für ihre Fixkosten zur Verfügung gestellt oder zinslose Kredite an sie vergeben haben.

„Ein weiterer Aufschub der Hilfe durch die öffentliche Hand ist möglicherweise nicht Teil einer Lösung für unternehmerische Probleme, ein Zögern schafft später noch größere Probleme, die Unternehmen nicht bewältigen werden können. Voraussetzung für ein erneutes Wirtschaftswachstum und eine erneute Erhöhung der Zahl der Arbeitsplätze ist, dass die Unternehmen nicht überschuldet sind, wenn sie wieder in normalen Betrieb gehen.“

Tourismusbranche besonders stark betroffen

Die Zahl ausländischer Touristen in Island hat sich im letzten Jahrzehnt exponentiell nach oben entwickelt. Diese Entwicklung ist nun zu einem jähen Ende gekommen.

Gustaf Steingrímsson, Ökonom bei der Landsbanki, teilt die Einschätzung von Ásdí Kristjánsdóttir, heißt es im Fréttablaðið, und betont, dass die Situation in der Tourismusbranche besonders gravierend sei.

„Die Reisebeschränkungen entzogen den Hotels und anderen Tourismusunternehmen ihre wirtschaftliche Grundlage“, sagte er.

Er hoffe, dass die Isländer diesen Sommer im Inland reisen werden, um die Auswirkungen auf die Branche zu mildern. „Die Isländer machten letztes Jahr etwa zehn Prozent aller Hotelgäste aus. Wenn diese Zahl in diesem Jahr steigt, wird dies den Einschlag etwas abschwächen, aber die Rezession wird dies nicht wirklich abfedern“, so Steingrímsson im besagten Artikel.

„Das Dienstleistungsniveau in der Tourismusbranche wird vorübergehend reduziert werden. Das bedeutet auch, dass wir einige Zeit brauchen werden, um das alte Niveau der Einnahmen aus ausländischem Fremdenverkehr wieder zu erlangen.“, sagte Steingrímsson.

ap

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