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Brisante Akten zu Corona-Hotspot

Ischgl: Österreichische Behörden ignorierten Warnungen aus Island

Es sind brisante Informationen, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegen. Darin geht es um den österreichischen Skiort Ischgl, in dem sich im Frühjahr 2020 mehr als 10.000 Touristen mit dem neuartigen Corona-Virus infiziert haben sollen.

Ischgl Island Corona
Hotel Silveretta in Ischgl. (Foto: Hans Braxmeier)
Darin geht es um frühzeitige Warnungen, um Ignoranz bzw. Behördenversagen und um die letztlich nicht mehr aufzuklärende Frage, wie sich die Corona-Pandemie in Europa ohne Ischgl hätte entwickeln können. Aber der Reihe nach.

Bis in den März hinein hat der Wintersport in Ischgl gebrummt. Zwar hatte Norditalien zu diesem Zeitpunkt bereits ein Problem. Jedoch deutete zunächst wenig darauf hin, dass sich ein kleines Städtchen in den Tiroler Bergen binnen weniger Tage zu einem gesamteuropäischen Infektions-Turbo entwickeln sollte.

Später hatten die österreichischen Behörden stets beteuert, angemessen und ausreichend gehandelt zu haben. Man konnte den Eindruck gewinnen, als sei Ischgl einfach passiert. Sozusagen als Folge unglücklicher Umstände, die in der Frühphase der Pandemie im Grunde jeden anderen Touristenort hätten treffen können. Einfach schlecht gelaufen.

Diesem Eindruck widersprechen Gesprächs- und Korrespondenzprotokolle, die AFP vorliegen, vehement. Demnach gab es vonseiten der isländischen Gesundheitsbehörde bereits frühzeitig eindringliche Warnungen in Richtung Ischgl, nachdem bei ersten Urlaubsheimkehrern das Virus nachgewiesen worden war.

Das isländische Nachrichtenportal mbl.is schreibt hierzu, die Tiroler Landesregierung habe die Frühwarnungen aus dem Norden Europas schlichtweg ignoriert, sodass sich Ischgl quasi ungehindert zur Virenschleuder entwickeln konnte.

Wobei, ignoriert trifft es nicht ganz. Denn die brisanten Dokumente sollen beweisen, dass man die Gefahrenquellen in Ischgl bereits frühzeitig bis auf einzelne Bars hätte einkreisen können – wenn man denn gewollt hätte.

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Stattdessen entschied man sich in Tirol offenbar auch nach Eingang der beunruhigenden Hinweise aus Island, die Angelegenheit aktiv und öffentlich herunterzuspielen. Womöglich hätten sich die Isländer irgendwo auf der Rückreise infiziert, hieß es später in einer Pressemitteilung.

Seit Bekanntwerden erster Hintergründe ist viel spekuliert worden, weshalb man in Tirol im März 2020 derart nachlässig gehandelt hat. Hat man einfach weggesehen, um die Skisaison noch ein paar Tage weiter zu vergolden? Um völlig frei von Vernunft und Anstand noch einmal richtig Kasse zu machen?

Diese und andere unangenehme Fragen stehen im Raum. Gegen gleich mehrere österreichische Beamte wird derzeit ermittelt. Ihnen wird vorgeworfen, die öffentliche Sicherheit gefährdet zu haben. Dass dabei Unwissenheit eine Rolle gespielt haben könnte, dürfte als Grund ausscheiden.

sh

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