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„Die Dinge sind viel einfacher, wenn sie einfach sind“

Finnland schließt Veganer vom Zugang zu Eliteeinheiten aus

Mit Ausnahme von leichten Lebensmittelallergien ist es Personen, die eine spezielle Ernährung benötigen, in Finnland untersagt, den Spezialeinheiten beizutreten.

Verteidigungskräfte Finnlands Spezialeinheit
Finnischer Soldat mit dem Sturmgewehr Valmet RK 62 im Anschlag.
(Foto: Puolustusvoimat / Verteidigungskräfte Finnlands)
Personen mit besonderen Ernährungsbedürfnissen können nicht an der Spezialausbildung der finnischen Grenzjäger teilnehmen, wie Yle erfahren hat.

Zu dieser Gruppe gehören Vegetarier, Veganer sowie Personen mit Zöliakie und schwerer Laktoseintoleranz. Diese Menschne sind von der Grenzjägerausbildung ausgeschlossen.

Der finnische Grenzschutz bildet Grenzjäger in Ostfinnland und Lappland aus.

Die Ernährungsbeschränkungen sind auf die schwierigen Bedingungen zurückzuführen, denen die Soldaten in Notsituationen ausgesetzt sein können, so Ville Juvonen, Leiter der Ausbildungsabteilung für Grenzjäger in Nordkarelien, berichtet Yle.

„Kriegseinsätze sind sehr anspruchsvoll, und es ist sehr schwierig, Essen zu verteilen. Mit dieser Entscheidung wollen wir sicherstellen, dass jeder auch unter außergewöhnlichen Umständen ausreichend Nährstoffe erhält. Wenn die ernährung eingeschränkt werden muss, wird es nur komplizierter“, erklärte Juvonen.

Juvonen fügte hinzu, dass die Verteidigungskräfte Finnlands (puolustusvoimat) die Regeln für die Ernährungsbeschränkung aufgestellt haben.

Ein Vertreter der Logistikabteilung der Verteidigungskräfte hat sich zu den Gründen für diese Entscheidung gegenüber Yle in einer E-Mail geäußert.

In Ausnahmesituationen würden Grenzwächter und Jäger ihre eigene Feldverpflegung mit sich führen, die aus gefriergetrockneten Lebensmitteln besteht, die mit heißem Wasser zubereitet werden.

Die Truppen werden auch darin unterrichtet, wie sie im Feld nach Lebensmitteln suchen können, falls dies erforderlich ist. Sie lernen zum Beispiel, wie man fischt und Rentierfleisch zubereitet. Obwohl es in den finnischen Wäldern essbare Pflanzen gibt, sind sie nicht in ausreichender Menge vorhanden, so Juvonen.

„Die Dinge sind viel einfacher, wenn sie einfach sind“

„Zugegebenermaßen haben die Menschen in Ausnahmezeiten mit Rindenbrot überlebt“, sagte Juvonen und bezog sich dabei auf ein Brot auf der Basis von Kambiummehl, das während der Hungersnöte im 18. und 19. Jahrhundert von den Menschen gegessen wurde.

„Aber bei anspruchsvollen Aufgaben kann der Energieverbrauch eines Menschen über 6.000 Kalorien betragen. Das kann man mit Rindenbrot nicht erreichen. Man braucht eine hochwertige Ernährung, um genügend Kalorien zu bekommen“, erklärt Juvonen.

Juvonen sagte weiter, er sehe keine Notwendigkeit für eine Änderung der Regeln.

„Die derzeitigen Regeln funktionieren, und wir sind gut damit zurechtgekommen. Im militärischen Bereich sind das Mögliche und das Vernünftige zwei völlig verschiedene Dinge. In unserem Geschäft gehen wir von außergewöhnlichen Umständen aus, und die Dinge sind viel einfacher, wenn sie einfach sind“, sagte er.

Gleichstellung nicht gewährleistet, aber aus „guten Gründen“

In Bezug auf Gleichstellungsfragen scheint es Grund zu geben, die Ernährungsrichtlinien der finnischen Armee für Auszubildende des Grenzschutzes zu überarbeiten, so Robin Harms, leitender Berater bei der Ombudsstelle für Nichtdiskriminierung, schreibt Yle.

Es habe den Anschein, dass Menschen aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation und möglicherweise ihrer Überzeugungen benachteiligt würden, sagte Harms und merkte an, dass Regeln auf Grundlage des Gesetzes formuliert sein sollten, da es sich um eine Tätigkeit im Auftrag des Staates handele.

„Man muss sehr gute Gründe [für solche Einschränkungen] haben, die im Hinblick auf die Grund- und Menschenrechte akzeptabel sein müssen“, sagte Harms.

Er stellte jedoch fest, dass die Begründung der Verteidigungskräfte für die Regeln, die sich auf Sicherheit und außergewöhnliche Umstände stützt, gut begründet zu sein scheine.

„Letztlich muss man beurteilen, ob diese Richtlinien vernünftig sind. Sind sie in der heutigen Zeit wirklich absolut notwendig, oder kann das gleiche Ziel auch auf eine Weise erreicht werden, die die Rechte nicht in gleichem Maße einschränkt?“, so Harms.

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