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Bibliothek mit Indoor-Spielplatz, 3-D-Drucker und Tonstudio

Oodi – Helsinkis neues Wohnzimmer

Wenn man auf die neue Bibliothek Helsinkis zuläuft, denkt man eher an eine Konzerthalle oder ein Museum. 16.000 Quadratmeter. Viel Glas, viel Stahl und noch mehr Holz. Diese Bibliothek hat das Zeug, zum neuen Goldstandard in Sachen Bibliothekskultur zu werden. Darum kann man die Einwohner Helsinkis nur beneiden.

Oodi Bibliothek Helsinki
Leseraum im dritten Stock des Oodi. (Foto Tuomas Uusheimo)

Eine Ode an die Literatur

Oodi ist eine wahre Ode an die Literatur. Die städtische Bibliothek ähnelt einer Welle und schwebt regelrecht über dem Kansalaistori, in bester Gesellschaft zwischen dem Kiasma-Museum, dem Parlament und der Finlandia Halle. Je näher man dem Gebäude kommt, umso mehr beginnt sich das vorgezogene Dach aus Holz zu drehen. Wie ein gigantisches Schleifenband, das sich um das Geschenk windet, das sich die Stadt sich und seinen Bürgern zum Ende des 100-jährigen Unabhängigkeitsjahres geschenkt hat.

Zukunftsräume und Lernoasen

Jedes Stockwerk hat seine eigene Atmosphäre und ganz unterschiedliche Aufgaben. Die Lobby soll ein sich wandelnder Ort sein, genauso schnelllebig und lebendig wie die Welt um sie herum. Hier finden sich neben einem Café ein Kino und ein großer Indoor-Kinderspielplatz. Außerdem bietet das Erdgeschoss Raum für wechselnde, interaktive Ausstellungen. Zwei in sich verdrehte, großzügige Treppenaufgänge führen in die oberen Stockwerke.

Oodi Helsinki Leseraum Oodi Treppenhaus Oodi

Fotos Tuomas Uusheimo

Besucher können dort 3-D-Drucker ausprobieren, im Internet surfen, löten, Folien herstellen oder an den Nähmaschinen nähen und reparieren. Für Hobbymusiker stehen professionelle Studios bereit, in denen sie Songs einspielen können. Man kann Videos schneiden oder Texte aufnehmen. Ergänzt wird das Angebot durch etliche moderne Arbeitsräume, alle mit Großbildschirm und teilweise mit Beamern ausgestattet. Lernräume, die sich Wohlfühloasen gleichen. Mit viel Freiraum, um Neues zu entdecken, Zukunftsräume zu schaffen und sich dabei auch noch wohlfühlen. Und alles ist frei und ohne Zusatzkosten nutzbar. Ein Bibliotheksausweis reicht.

Wichtiger Rohstoff

Apropos Bibliothek: Die Bücher finden sich im oberen Stockwerk. Ein hallenartiger großer Raum, der sich zu den Seiten hin verjüngt. Ein Ort zum Entspannen und Erholen mit Büchern, Oasen und Café.

Oodi Bücher-Roboter
Roboter sammeln die Bücher ein und bringen sie an ihren Platz zurück.
(Foto Tarja Prüss)

Ein Leseparadies: transparent und licht, mit echten Bäumen, Ausblicken aus jeder Himmelsrichtung auf die Stadt und gemütlichen Ecken, in denen man sich zum Lesen zurückziehen kann. Man hat die freie Wahl, ob man auf den Holztreppen, dicken Kissen, am Fenster oder auf einem Schaukelstuhl lesen möchte.

Vom Bürgerbalkon aus bewundert man das Parlamentsgebäude und den Töölönlahti-Park aus einer ganz neuen Perspektive.

Schon jetzt, wenige Wochen nach der Eröffnung, gehen der Bibliothek die Bücher aus. Zumindest die 100.000, die man sichtbar im Regal vorfindet. Denn durch ein ausgeklügeltes System haben Bibliotheksnutzer Zugriff auf 3,4 Millionen Bücher.

Roboter sammeln die Bücher im Gebäude ein und bringen sie wieder an ihren Platz zurück. Sie wirken noch ein wenig unbeholfen. „Ja, sie lernen ja noch, sich zurecht zu finden. Momentan sind sie ein wenig verwirrt, weil so viele Besucher da sind,“ erklärt mir eine Mitarbeiterin.

Alle sollen teilhaben

Bildung ist seit jeher wichtiger Rohstoff Finnlands. 68 Millionen Bücher werden jedes Jahr in Finnlands Bibliotheken ausgeliehen. Dass im Oodi alte und neue Kulturtechniken unter einem Dach zu finden sind, ist klug und folgerichtig in einem so technikfreundlichen Land. Jedem den Zugang nicht nur zu Bildung, sondern auch zu neuen digitalen Techniken zu ermöglichen, zeugt von Weitblick und dem in der Gesellschaft verankerten Prinzip der Gleichberechtigung. Denn die Digitalisierung wird unser Leben nachhaltiger verändern als die Erfindung des Buchdrucks, sagen Experten.

Oodi soll eines der „freiesten Gebäude in Helsinki oder sogar in den nordischen Ländern“ sein, in dem der Besucher vieles ausprobieren kann, sagt Antti Nousjoki, Partner bei ALA Architects. Ein ständig lernendes und sich entwickelndes Instrument soll es für die Einwohner von Helsinki werden.

Ideenpalast

Oodi ist ein markantes, energieeffizientes Gebäude des finnischen Architekturbüros ALA Architects mit Sitz in Helsinki. 98 Millionen Euro hat der Jahrhundertbau gekostet. 2,5 Millionen Besucher werden pro Jahr erwartet.

Der Name wurde von den Einwohnern der Stadt gewählt, die in einem Wettbewerb Vorschläge einreichen konnten. Insgesamt wurden 2.600 Vorschläge eingereicht. Die Jury wählte „Oodi“ als Namen für die neue Bibliothek.

Nasima Razmyar, stellvertretender Bürgermeister von Helsinki für Kultur und Freizeit: „Oodi liegt im Herzen von Helsinki, umgeben von den Institutionen einer modernen liberalen Demokratie – dem nationalen Parlament, der freien Presse, den Künsten und Museen. Wir hoffen, dass dieser Ideenpalast Menschen und Institutionen zusammenbringt und neue Interaktionen, Erfahrungen und Erkenntnisse ermöglicht, die uns zu Errungenschaften führen werden, die größer sind, als jeder von uns alleine erreichen könnte. “

Infos:
www.oodihelsinki.fi
Geöffnet unter der Woche bis 22 Uhr.

Tarja Prüss

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