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Hitzige Debatte über Online-Dienst

Finnischer Abgeordneter ließ durch SignMyRocket „Grußbotschaft“ an Russland senden

Schon mal von SignMyRocket.com gehört? Nein? Dann aufgepasst, jetzt wird es nämlich wild. Bei dem Online-Anbieter kann man gegen Bezahlung kleine „Grußbotschaften“ an russische Soldaten schicken. Aufgemalt auf ukrainische Raketen und Kanonen, passend zum Namen des Dienstes.

granate signmyrocket.com
Mit den besten Grüßen nach Moskau: Ukrainisches Geschoss mit finnischer Grußbotschaft. Kostenpunkt: rund 200 US-Doller. (Foto: signmyrocket.com)

Medienberichten zufolge ist in Finnland eine durchaus hitzige Debatte über Sinn und Legitimität solch makabrer Botschaften entstanden. Und zwar ausgelöst durch die Äußerungen einiger prominenter Persönlichkeiten, bereits bei SignMyRocket.co gebucht zu haben.

Eine davon ist Jussi Kristian Halla-aho, ehemaliger Vorsitzender der rechtspopulistischen Partei Perussuomalaiset (zu Deutsch: Wahre Finnen). Er soll laut Yle.fi wie rund 700 weitere Menschen in Finnland kürzlich einen Text auf einer ukrainischen Artilleriegranate gekauft haben.

Halla-aho, derzeit immerhin Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, hat sich ohne Druck der Öffentlichkeit dazu bekannt. „Der Krieg in der Ukraine endet erst, wenn noch viel mehr russische Soldaten getötet worden sind.“

„Er endet erst, wenn es für die russischen Machthaber politisch oder militärisch unmöglich geworden ist, den Krieg fortzusetzen. Russische Soldaten zu töten, ist also eine gute Sache, und man sollte den Ukrainern helfen, sie zu töten“, begründete Halla-aho seinen Schritt.

Genauso vermittelt es auch der Online-Dienst. Er lädt Spender dazu ein, einen „Gruß“ an Russland zu senden, indem man Text auf einer Rakete kaufen kann, die dann von ukrainischen Soldaten an der Front auf die russischen Streitkräfte abgefeuert wird.

„Sie erhalten ein Foto einer signierten Rakete mit dem von Ihnen bestellten Text. Oder Sie können sogar eine Haubitze signieren“, heißt es auf der Website von SignMyRocket.com. Auf so eine Idee muss man erstmal kommen.

Eine weitere namhafte Nutzerin aus Finnland ist die mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnete Schriftstellerin Sofi Oksanen, die mitteilte: „Dieses Jahr habe ich mein Geld für Feuerwerkskörper in diese Art von Raketen gesteckt, um die Ukraine gegen die russische Aggression zu verteidigen.“

Unter Zeitungskolumnisten und Kommentatoren haben diese und weitere Bekenntnisse zwangsläufig zu einer emotional geladenen Debatte geführt. Je nach Sichtweise soll es Lob und heftige Kritik geben. Plumpe Provokation sagen die einen, klare Kante die anderen. Alles dabei.

Laut der eigenen Webseite ist SignMyRocket „eine nichtstaatliche, gemeinnützige Organisation, die seit 2014 tätig ist“ und sich auf die Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte konzentriert. Übrigens mit Sitz in der Ukraine, alles transparent.

Yle.fi gegenüber hat der Dienst per Mail mitgeteilt, dass die meisten Spenden von Menschen aus den USA kommen, an zweiter Stelle stehe jedoch Finnland. Die Anbringung einer Botschaft auf der Seite einer Artilleriegranate kostet mindestens 200 US-Dollar.

Auf diese Weise konnte SignMyRocket international bislang über 4.000 Spender dazu bewegen, ukrainisches Kriegsgerät zu signieren. Bislang wurde über eine Million Euro eingenommen.

Geld, mit dem laut dem Online-Dienst Autos, Drohnen, Reifen, Stromgeneratoren und warme Kleidung für die Soldaten gekauft werden. Alles recht im Kampf gegen Putins abscheuliche Ziele? Die Debatte in Finnland dürfte noch eine Weile weitergehen.

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