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„Klarer Fall von Provokation“

Estlands Regierung weist russischen Bericht über Aufnahme von Dugina-Attentäterin vehement zurück

Das am Samstagabend auf einer Autobahn bei Moskau verübte Attentat auf Darja Dugina schlägt weiter hohe Wellen – neuerdings auch in Richtung Estland, wie ERR.ee berichtet.

Anschlag Darja Dugina
Ermittler am Ort des Attentats auf Darja Dugina. (Foto: unbekannt / Russisches Untersuchungskomitee)
Grund dafür ist ein Bericht des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, wonach die angebliche Mörderin der Kreml-nahen Tochter des bekennenden Rechtsnationalisten Alexander Dugin Unterschlupf in dem baltischen Land gefunden habe.

Estlands Außenminister Urmas Reinsalu wies die Behauptung an diesem Dienstag vehement zurück. Ihm lägen keinerlei Informationen über eine erfolgreiche Flucht in sein Land vor. „Wir betrachten dies als reine Provokation in einer sehr langen Reihe von Provokationen“, teilte Reinsalu mit.

Die Behauptung sei vielmehr ein Versuch des Kremls, Estland wegen seiner Unterstützung für die Ukraine weiter unter Druck zu setzen. „Warum etwa hat Estland große Cyberangriffe seit dem Abbau des Sowjet-Panzerdenkmals in Narva letzte Woche erlebt?“, fragte Reinsalu vielsagend.

Ähnlich bewertet es auch Indrek Kannik, Leiter des Internationalen Zentrums für Verteidigung und Sicherheit (ICDS) mit Sitz in Tallinn. Und er geht sogar noch einen Schritt weiter, indem er das Attentat ein mögliches Täuschungsmanöver des Kremls nennt.

„Es ist möglich, dass dies eine Operation des FSB war“, so Kannik. Denn für Moskau sei es bequem, anderen die Schuld in die Schuhe schieben zu können. „Jetzt sehen wir, dass auch Estland in die Sache mit hineingezogen wird.“

Hintergrund: Der FSB hatte zuvor berichtet, bei der mutmaßlichen Attentäterin handle es sich um eine Ukrainerin namens Natalja Vovk, die über Verbindungen zum sogenannten Asow-Regiment verfüge – eine Kampfeinheit, die seit 2014 die Ostukraine gegen prorussische Separatisten verteidigt.

Darauf angesprochen, sagte Kannik: „Wenn der Kreml behauptet, dass Vovk trotz ihrer angeblichen Verbindung zum Asow-Regiment ungehindert einen russischen Staatsbürger töten und dann nach Estland fliehen konnte, ist das doch vor allem ein Beweis für das Versagen des FSB.“

Nationalist Alexander Dugin meldet sich zu Wort

Nach dem Mord an seiner Tochter meldete sich auch Alexander Dugin öffentlich zu Wort. „Unsere Herzen dürstet es nicht einfach nach Rache oder Vergeltung. Das wäre zu klein, nicht russisch“, ließ er via Telegram mitteilen.

„Wir brauchen nur unseren Sieg (über die Ukraine), auf dessen Altar meine Tochter ihr Leben gelassen hat. Also siegt bitte!“, war die Aufforderung an seine Landsleute.

Alexander Dugin (Jhrg. 1962) ist einer der bekanntesten geostrategischen Intellektuellen Russlands. Dugin etablierte sich in den frühen 2000er Jahren als Vordenker des russisch dominierten Neo-Eurasismus.

Dugin ist im öffentlichen Diskurs Russlands mit einer großen Anzahl von Websites, Büchern, Broschüren und Zeitschriftenartikeln vertreten. Er unterstützte nicht nur den Anschluss der Krim an Russland, sondern auch den groß angelegten Krieg in der Ukraine. Nach Dugins Vorstellung solle die Ukraine als eigener Staat nicht existieren.

Nach den tödlichen Ausschreitungen in Odessa im Mai 2014, bei denen 48 Menschen ums Leben kamen und mehr als 200 verletzt wurden, rief Alexander Dugin zum Mord an der Kiewer Regierung auf: „Ich glaube, man muss töten, töten und töten. Ich sage das als Professor.“

In den Medien geht das Gerücht um, wonach das Attentat Alexander Dugin selbst gegolten habe, der sich jedoch kurzfristig entschieden haben soll, mit einem anderen Auto zu fahren.

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