Lettland profitiert

Finnen kaufen deutlich weniger Alkohol in Estland

| 14.06.2018 - 13:17 Uhr

Die private Einfuhr alkoholischer Getränke aus Estland nach Finnland geht drastisch zurück. Das meldete das Finnische Institut für Gesundheit und Soziales (THL) vergangenen Montag.

Alexander A. Le Coq

Ein Alexander der Brauerei A. Le Coq aus Tartu, Estland.


Zwischen Mai 2017 und April 2018 führten finnische Touristen 23,1 Prozent weniger Alkohol ein als im Vorjahreszeitraum. Ein Trend, den man über alle Alkoholsorten hinweg beobachten kann.

Estland hat in den vergangenen zwei Jahren die Alkoholsteuer zwei Mal erhöht, und damit den starken Rückgang im finnischen Konsum verursacht.

Die Finnische Handelskammer, so ein Artikel in Helsinki Times vom 24. April 2018, berichtet davon, dass die Ausgaben der Finnen für Alkohol in Estland bereits seit 2014 zurückgingen, die Ausgaben für Dienstleistungen hingegen um mehr als 5 Prozent gestiegen seien. Diese Mehrausgaben seien jedoch darauf zurückzuführen, dass die allgemeinen Lebenshaltungskosten in Estland gestiegen sind, so vermutet die Handelskammer. Dieser zufolge gingen die Ausgaben der Finnen in Estland 2017 um 90 Mio. Euro im Vergleich zum Jahr 2014 zurück auf geschätzte 625 Mio. Euro. 2014 stammte 1/3 des Alkohols in Finnland aus Estland.

Interessant ist, dass nicht nur die Ausgaben der Finnen für Alkoholika stark gesunken sind, sondern gleichzeitig auch für Nahrungsmittel, Süßigkeiten und Tabak. „Diese Produkte befanden sich im selben Einkaufskorb mit dem Alkohol.“, so die Chefökonomin der Finnischen Handelskammer, Jaana Kurjenoja, in Helsinkiu Times.

Der Kelch mit dem Alkohol geht nach Lettland

Wie die Website des estnischen öffentlich-rechtlichen Senders ERR am 14. Februar 2018 berichtete, stieg der Einkaufstourismus der Esten in Lettland hingegen in der zweiten Hälfte des Jahres 2017 deutlich an. Die estnischen Brauereien verkauften in diesem Zeitraum ein Drittel mehr Getränke an die Läden im lettischen Grenzgebiet als in den Jahren vor der Alkoholsteuererhöhung, so der Bericht des ERR. Man geht davon aus, dass das Drittel mehr an alkoholischen Getränken 1:1 wieder in Estland landet. Auch die statistischen Auswertungen von Kreditkartenrechnungen zeigen einen monatlichen Anstieg der estnischen Ausgaben in Lettland.

Auch die Finnen zieht es nun vermehrt nach Lettland, wie eine Umfrage 2017 des finnischen Instituts TAK ergab. Hier gab jeder zweite Finne, der mehr als 100 Liter Alkohol in seine Heimat einführte, an, diesen in Lettland gekauft zu haben.

Jaan Härms, Verkaufsleiter bei Saku, der größten Bierbrauerei Estlands, sagte gegenüber Vikerraadio, so ERR, dass der Handel mit Märkten im Grenzland nach wie vor rapide wachse. Die Läden jenseits der estnisch-lettischen Grenze erweiterten ihre Lager und Verkaufsflächen.

Die estnische Alkoholsteuerpolitik scheitert grandios

Durch die Erhöhung der Steuer auf Alkohol hatte sich die estnische Regierung sowohl mehr Einnahmen für ihren Haushalt versprochen als auch positive gesundheitliche Effekte erwartet, in der Annahme, der Alkoholgenuss würde zurückgehen.

Das vorläufige Re­sü­mee sieht jedoch anders aus: Estland nimmt durch die Steuererhöhung 88 Mio. Euro weniger ein. Und, wie Härms gegenüber dem ERR bestätigt, gehen die Umsätze der Alkoholikahersteller dennoch weiter hoch, ebenso wie der Alkoholverbrauch in Estland insgesamt. Der einzige Unterschied sei lediglich, dass ein großer Teil des in Estland verbrauchten Alkohols nun in Lettland gekauft werde.

Die estnischen Alkoholhersteller appellieren an die Regierung, nicht nur die nächste, für 2019 geplante, Alkoholsteuererhöhung zu unterlassen, sondern zu dem früheren Steuerniveau zurückzukehren. Die Alkoholsteuerpolitik Estlands sei gescheitert, weil sie auf unrealistischen Annahmen basiere, so Jaan Härms im ERR. Laut Bloomberg reagierte die estnische Regierung bereits: Die anstehende Steuererhöhung auf Alkohol im laufenden Jahr soll halbiert werden. Für 2019 wird die geplante Erhöhung angeblich ganz gestrichen.

ap

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