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Deutsch-estnische Geschichte

Deutsche in Estland: Herrschaft und Machtverlust

Auf vielen estnischen Monumenten und Gräbern finden sich seit Jahrhunderten Namen, deren Abstammung aus dem Deutschen unschwer zu erkennen ist. Auch schmückt deutsches Wortgut vielerorts die Torbögen von Landhäusern, Schulen und vergleichbaren Einrichtungen.

deutschland estland
Die in Tallinn allgegenwärtige Hanse ist eine historische Verknüpfung zwischen Esten und Deutschen (Foto: Edutainment)
Es handelt sich unverkennbar um die Insignien einer langen deutsch-estnischen Vergangenheit. Doch worauf fußen diese Verbindungen?

Basierend auf der Herrschaft des Ritterordens etablierte sich in Estland über das späte Mittelalter und Phasen der Neuzeit hinweg eine privilegierte Volksgruppe mit deutscher Abstammung.

Tätig als Großgrundbesitzer, Kaufleute oder Handwerker bildeten sie zusammen das, was auch heute noch „baltendeutsch“ bezeichnet wird.

Traditionell tonangebend in Politik, Handel und Kultur, begann ihr Machtverlust erst mit der voranschreitenden Industrialisierung des auslaufenden 19. Jahrhunderts.

Estland entdeckte nun sein nationales Ich. Gleichzeitig veränderte sich die Struktur der Bevölkerung immer deutlicher zu Ungunsten der deutschen Minorität.

Enteignung und Abschied ins Dritte Reich

1919 folgte Estlands erstmaliger Schritt in die Eigenständigkeit, und im Zuge der nun verabschiedeten Bodenreformen kam es zur flächendeckenden Enteignung deutscher Besitztümer.

Einfluss und Anzahl der Deutsch-Balten schmolzen in der Folgezeit konsequent dahin, bis 1939 unter der nationalsozialistischen Parole „Heim ins Reich!“ auch die letzten das Land verließen.

Viele unter ihnen sahen die Rückkehr in das aufbegehrende Dritte Reich als wirtschaftliche Überlebenschance – der sprichwörtliche Schritt vom Regen in die Traufe.

Was bleibt, ist eine Reihe von deutschsprachigen Verwurzelungen ins Estnische sowie das Wissen um die Gemeinsamkeiten im geschichtlichen Verlauf.

Man hat inzwischen gelernt, mehr aufeinander zuzugehen, und so dürfen sich die knapp 3.500 verbliebenen Deutschen heute als vorbehaltlos akzeptierte Mitglieder einer estnischen Volksminderheit fühlen.

Weiterführende Informationen zum Thema:

  • Deutsch-Estnische Gesellschaft (DEG): Die am 21. Januar 1999 gegründet Gesellschaft widmet sich in vielfältiger Weise der Verständigung und kulturellen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Estland. Die DEG verpflichtet sich zur Verfolgung ausschließlich gemeinnütziger Ziele.

    Dazu zählt neben der Förderung der estnisch-deutschen Völkerverständigung die Versorgung der Öffentlichkeit mit Informationen zu Kunst, Kultur, Wirtschaft, Politik und natürlich Geschichte. Ein weiteres Anliegen ist die Ermöglichung von Austauschprogrammen, an denen Schüler, Studenten und Lehrkräfte teilnehmen können. Ein weiterer Eckpunkt sind Hilfestellungen im humanitären Bereich.

  • Webseite: www.deg-berlin.de (auf Deutsch)

  • Goethe-Institut: Das Goethe-Institut ist ein global agierendes Kulturinstitut, das die Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland pflegt und fördert. Kernanliegen ist dabei die internationale kulturelle Zusammenarbeit, zu der die Vermittlung eines zugleich umfassenden wie realistischen Deutschlandbildes einen wichtigen Beitrag leistet.

    Beleuchtet wird in diesem Zusammenhang das kulturelle, gesellschaftliche und politische Leben in Deutschland. Das Goethe-Institut ist parteipolitisch ungebunden und durch eine Vielzahl von Vertretungen international präsent. So auch in Estland, wo das Goethe-Institut seinen Sitz in der Landeshauptstadt Tallinn hat. Geöffnet montags bis freitags von 09.00 bis 17.00 Uhr.

  • Webseite: www.goethe.de (auf Deutsch)

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