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„Einmalige archäologische Entdeckung“

England: Über 1.000 Jahre vergessener Handelsplatz ausgegraben – ehemals fortschrittlich wie London

Archäologen der University of Reading haben an der Themse ein über Jahrhunderte vergessenes Handelszentrum ausgegraben, das nach Ansicht der Forscher im Frühmittelalter einen vergleichbaren Status wie London und andere Großstädte hatte. Eine einmalige archäologische Entdeckung.

Fotos: University of Reading / Facebook

Entsprechend wird der Fund in Cookham, Grafschaft Berkshire, als „einmalige archäologische Entdeckung“ gefeiert. Nachgewiesen wurden bislang Infrastrukturen, die darauf hindeuten, dass das Gebiet bis ins späte 9. Jahrhundert intensiv für den Import und Export von Waren genutzt wurde.

Basis für die Ausgrabungen war ein Areal neben der örtlichen Holy Trinity Church, auf dem man eigentlich „nur“ eine im Erdboden versunkene Klosteranlage vermutete. Es sei mit die am besten erhaltene Anlage aus dem Frühmittelalter in Großbritannien, lauteten erste Einschätzungen.

Nach und nach fanden sich dann aber auch Hinweise auf eine Verladestelle am Wasser oder auf Werkstätten für industrielle Zwecke wie Metallverarbeitung und Brotbacköfen, die offensichtlich nicht nur der örtlichen Bevölkerung dienten.

Inzwischen ist sich das Archäologen-Team aus Reading sicher: Das Gebiet dürfte als Handels- und Produktionszentrum einen ähnlich gewichtigen und fortschrittlichen Status wie einst London oder Southampton innegehabt haben.

„Wir konnten einen dicht besiedelten Handels- und Produktionsbereich am Flussufer freilegen, komplett mit Straßen und Ladeflächen“, teilte Projektleiter Dr. Gabor Thomas mit. „Das Ausmaß an Infrastruktur ist überraschend und ähnelt sehr den großen Handelsstätten jener Zeit.“

Mehr noch: Es handle sich um einen Fund, wie es ihn für gewöhnlich einmal pro Generation gebe. Die Experten um Thomas gehen davon aus, dass sie durch die Entdeckung ein sehr detailliertes Bild vom täglichen Klosterleben und von der Rolle Cookhams als wirtschaftliches Zentrum für die Region werden nachzeichnen können.

Aktuell gehen die Archäologen davon aus, dass das Kloster und der angebundene Handelsplatz im 8. und frühen 9. Jahrhundert florierten. Die Hintergründe des Verfalls werden Bestandteil weiterer Nachforschungen sein.

Die Ausgrabungen dieses Sommers sind Teil eines weit umfassenderen Projekts, das das Verständnis über die angelsächsischen Herrschaftsgebiete in der Region der mittleren Themse signifikant verbessern soll.

Es ist bekannt, dass in der Region vor Hunderten von Jahren etwa 30 Klöster existierten. Aber kaum eines davon wurde bislang archäologisch untersucht. Hört sich nach einer beneidenswert spannenden Phase für die Archäologen der Universität Reading an.

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