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Taskforce fordert höhere Strafen

UK: Haustierdiebstahl während Corona um 170 % gestiegen – „Kaum zu ertragen“

Eine besonders bescheidene Begleiterscheinung von Corona ist in Großbritannien die, dass die Zahl der Haustierdiebstähle katapultartig in die Höhe geschnellt ist. Betroffen vor allem: Hunde und ihre Besitzer.

Haustierdiebstahl Großbritannien
Möpse (abgebildet), Französische Bulldoggen, Cockapoos und Labradoodles sind das Ziel von Dieben. (Foto: Sneaky Elbow)
Laut einem Bericht des Guardian ist die Zahl der Delikte zwischen 2019 und 2020 um 170 Prozent angewachsen. Der Grund: Hunde sind seit Beginn der Pandemie in wie nie.

Und wenn die Züchter mit der „Produktion“ nicht nachkommen, müssen halt andere Vertriebswege geschaffen werden. Man fragt sich: Warum eigentlich immer auf die Tiere?

Zur traurigen Wahrheit der großen Zahl gehört auch, dass bis dato lediglich 1 Prozent der Diebstähle strafrechtlich verfolgt werden konnten. Ein statistischer Witz also, der maßgeblich damit zu tun hat, dass britisches Recht auf diesem Auge bislang reichlich blind gewesen ist.

So wird der Diebstahl geliebter Vierbeiner traditionell als „Verlust von Eigentum“ geahndet, was der emotionalen Belastung einer solchen Tat – und zwar für Mensch und Tier – nicht einmal ansatzweise gerecht wird.

Aktivisten laufen schon seit Jahren Sturm gegen diese von Empathie komplett befreite Rechtsauslegung. Da ist es fast schon als positiv zu bewerten, dass die Macht der großen Zahl endlich auch die Politik zum Handeln zwingt.

Als Konsequenz wird Haustierdiebstahl nun rechtlich als eigener Straftatbestand angesehen, was die Türen für deutlich härtere Strafen weit aufstoßen soll. So lautet jedenfalls der Beschluss einer eigens eingesetzten Taskforce „Tierdiebstahl“, deren Empfehlungen diese Woche der Öffentlichkeit präsentiert worden sind.

Dazu gehören neben härteren Strafen für Täter und Organisatoren der Diebstähle auch Verbesserungen bei der Aufzeichnung und Datenerfassung von Haustierentführungen. Ebenso striktere Anforderungen für die Registrierung von Besitzerangaben und eine zentrale Verwaltung von Mikrochip-Datenbanken.

Mit anderen Worten: Den Tätern soll es zukünftig richtig ans Leder gehen, nicht nur rechtlich, sondern auch organisatorisch und technologisch. Also raus aus der Nische, die Haustierdiebstahl doch eigentlich nie hätte sein sollen.

Chris Sherwood, Geschäftsführer der Tierschutzorganisation RSPCA, begrüßte die neue Sichtweise ausdrücklich: „Der Diebstahl von Haustieren ist für Betroffene kaum zu ertragen. Und er hat gravierende Auswirkungen auf das Wohlergehen der Tiere, die aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen werden.“

Der neue Straftatbestand des Haustierdiebstahls werde der Schwere des Verbrechens nun endlich gerecht, so Sherwood. Vonseiten seiner Organisation hoffe man sehr, dass auch die Gerichte dem zukünftig folgen und viel härtere Strafen aussprechen würden.

Etwa 70 Prozent aller Haustierdiebstähle in Großbritannien entfallen derzeit auf Hunde. Mit verantwortlich dafür dürfte sein, dass die regulären Preise für einige der beliebtesten Hunderassen während Corona um fast 100 Prozent gestiegen sind.

Oder um es ökonomisch auszudrücken: Angebot und Nachfrage sind längst aus dem Ruder gelaufen, was es Tierdieben in der jüngeren Vergangenheit relativ leicht gemacht hat, fette Beute zu machen. Indirekt unterstützt durch Recht, das bislang keines war.

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sh

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