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Interview von Harry und Meghan – Glosse

Britisches Königshaus beantwortet Rassismusvorwürfe mit PR-Sprachcomputer

Bitte stellen Sie sich einen Moment lang vor, eine sehr gute Bekannte würde Ihnen Rassismus unterstellen – garniert mit dem Vorwurf, an ihr Rufmord begangen und ihre Suizidgedanken bewusst ignoriert zu haben.

Queen reagiert auf Interview Harry Meghan
Königin Elizabeth II. am Schluss der „The Queen’s Birthday Party“ in der Royal Albert Hall, London, am 21. April 2018. (Foto: Raph_PH, CC BY 2.0)
Und dann stellen Sie sich noch vor, das Ganze geschieht vor laufenden Kameras und erreicht im ersten Schwung 50 Millionen TV-Zuschauer, gefolgt vom Internet mit seinem guten Gedächtnis und seiner Neigung zu Unerbittlichkeit.

Ist es da wirklich zu hoch gegriffen, das Interview von Prinz Harry und Herzogin Meghan am vergangenen Sonntag bei Oprah Winfrey als eines der größten PR-Desaster aller Zeiten zu bezeichnen? Als den ultimativen Supergau royal?

Womöglich nein, wobei die alles entscheidende Frage eben noch zu klären sein wird. Nämlich die, ob es knallharte Wahrheit war oder dreiste Lüge, was bei Oprah aufgetischt wurde. Denn so viel ist jawohl klar: In Streitfragen zu Rassismus und Rufmord wird das bei pikanten Angelegenheiten allzu gerne bemühte Missverständnis nicht ausreichen, um die Wogen wieder zu glätten.

Oder etwa doch? Die Reaktion des britischen Königshauses jedenfalls, die etwa anderthalb Shitstorm-Tage auf sich warten ließ, liest sich im Vergleich zur Härte der Vorwürfe eher wie ein leises Räuspern. Oder aber wie ein Text aus dem PR-Sprachcomputer.

In der Erklärung heißt es: „Die ganze Familie ist traurig, das volle Ausmaß dessen zu erfahren, wie herausfordernd die letzten Jahre für Harry und Meghan waren.“ Und weiter: „Die aufgeworfenen Fragen, insbesondere die der Rasse, sind besorgniserregend.“

Besorgniserregend. Na dann: „Während einige Erinnerungen variieren können, werden sie sehr ernst genommen und von der Familie privat angesprochen werden.“ Und bevor wir es vergessen: „Harry, Meghan und Archie werden immer sehr geliebte Familienmitglieder sein.“ Schuss gehört?

Im Pokern würde man sagen, Meghan und Harry haben gezeigt. Immerhin. Aber was die Royals da mit ihrem Stab von Beratern aus dem Hut gezaubert haben, muss entweder aufs Tiefenpsychologische abzielen oder ist das Wort nicht wert.

Die mitschwingende Vorstellung jedenfalls, diesen einmal komplett vom Globus inhalierten Konflikt sozusagen bei Tee und Gebäck aus der Welt schaffen zu können, kann nicht der Ernst sein.

Wer handelt wie Harry und Meghan, hat darauf – ob zu Recht oder zu Unrecht – längst keinen Bock mehr. Das wissen sie auch im Königshaus, das sich nun mindestens dem Vorwurf stellen muss, es immer wieder so weit kommen zu lassen. Bis die Wände wackeln.

10 Downing Street, der Amtssitz des Premierministers, hat laut BBC inzwischen mitgeteilt, dass Boris Johnson das Interview zwar gesehen habe, für einen Kommentar aber nicht verfügbar sei. Johnson schweigt, das sagt eigentlich alles.

Hintergrund: Im Interview hatte Meghan behauptet, während ihrer Schwangerschaft mit Sohn Archie auf rassistische Vorbehalte gestoßen zu sein. Sie sei bedingt durch den afroamerikanischen Hintergrund ihrer Mutter mehrfach mit der Sorge konfrontiert worden, ihr Kind könne äußerlich – nun ja – nicht ganz den Anforderungen genügen, weshalb man dem kleinen Archie auch den Prinzentitel habe vorenthalten wollen.

Namen fielen in dem Zusammenhang nicht, jedoch konkretisierte Harry später, dass die Kommentare weder von der Queen selbst noch von ihrem Prinzgemahl Philipp gekommen seien.

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sh

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