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Stresstest einer frischen Beziehung

GB: Bleibt King Charles III. Weltklimagipfel auf „Anweisung“ der Premierministerin fern?

Über den frisch gebackenen König von Großbritannien ist unter anderem bekannt, dass er sich sehr für das Thema Umweltschutz interessiert. Daher auch passte eine von Charles im Vorfeld seiner Thronbesteigung getätigte Ankündigung wunderbar ins Bild.

Liz Truss
Charles III., König von England, fügt sich Liz Truss in Sachen Klimaschutz.
(Foto: Andrew Parsons / No 10 Downing Street)
Darin sprach der Monarch davon, gerne an der im November in Ägypten stattfindenden Klimakonferenz „COP27“ teilnehmen zu wollen. Eigentlich ein Klasse-Anlass, um sich der Welt zu präsentieren. Doch daraus wird nun scheinbar nichts, wie unter anderem die BBC berichtet.

Der Grund: Es heißt, Premierministerin Liz Truss, ebenfalls frisch gebacken, habe Buckingham Palace „angewiesen“, Charles von einer Teilnahme abzuraten. In dieser Lesart natürlich eine Steilvorlage an die britische Presselandschaft, gleich mal Zank zwischen beiden Protagonisten zu wittern.

Um solche Spekulationen im Keim zu ersticken, hat der Palast nun erklärt, der König habe die Premierministerin lediglich um Rat gefragt. Und diese habe Rat erteilt, was sich im Wortlaut offiziell so liest:

„In gegenseitiger Freundschaft und mit gegenseitigem Respekt wurde vereinbart, dass der König nicht teilnehmen wird.“ Von Medienvertretern gefragt, ob das für Charles nicht eine herbe Enttäuschung sei, sah sich als Reaktion der Königskorrespondent zu einem weiteren Statement veranlasst.

Nein, das treffe nicht zu, entgegnete dieser. Charles sei vielmehr fest entschlossen, sich stets an die Ratschläge der Regierung zu halten. Klingt alles nicht sonderlich überzeugend und wird sicherlich noch Thema werden, da darf man sicher sein.

Zur Erinnerung: Erst letztes Jahr hielt Charles, damals noch Prinz, bei der Eröffnungsfeier der COP26 in Glasgow eine flammende Rede für den Klimaschutz. Daher gibt es bereits gut hörbare Stimmen im politischen London, die die Abwesenheit von Charles in Ägypten alles andere als gutheißen.

Der König habe eine „weltweit respektierte Stimme“ in Sachen Umweltschutz, teilte etwa ein konservativer Abgeordneter mit. Niemand sonst wäre in der Lage gewesen, der britischen Delegation mehr „ernsthafte Autorität“ zu verleihen.

Spekuliert wird nun, ob Charles nicht zumindest virtuell an der Konferenz teilnehmen könne. Und spekuliert wird natürlich auch, weshalb Truss offensichtlich nicht bereit war, dem König die Bühne zu überlassen.

Vielleicht hilft auch hier der Blick zurück ins letzte Jahr, als Charles die Staatschefs dazu aufforderte, in der Frage des Klimawandels eine kämpferische, quasi „kriegsähnliche Haltung“ einzunehmen. Zu viel des Guten für Truss? Zu teuer in klammen Zeiten? Man weiß es (noch) nicht.

Klimawandelleugnerin Liz Truss?

Liz Truss zeigte sich zuletzt als eine Skeptikerin in Sachen Klimawandel. Aufsehen erregte neulich ihre Entscheidung, Jacob Rees-Mogg zum Energieminister zu ernennen, der für seine an Klimawandelleugnung grenzenden Ausfälle bekannt ist.

Er ist ein bekannter Gegner von Onshore-Windkraftanlagen, hat in der Vergangenheit “Klimaalarmismus”-Vorwürfe von sich gegeben und kürzlich den russischen Diktator Wladimir Putin beschuldigt, Schiefergasgegner in Großbritannien finanziert zu haben.

Dave Timms, ein britischer Vertreter der NGO Friends of the Earth, sagte in einer Erklärung, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegt: “Es ist zutiefst beunruhigend, jemanden in die Energiebehörde zu berufen, der vor kurzem vorgeschlagen hat, dass man jeden Tropfen Öl aus der Nordsee herausholen sollte.“

Die Ernennung “lässt vermuten, dass die Tories nach Jahren der Inkompetenz nichts gelernt haben”, kritisierte Rebecca Newsom von Greenpeace das Vorgehen der britischen Premierministerin.

Die Klimafrage ist die Gelegenheit zur Profilschärfung für die Labour Party

Bislang konnte die Labour Party aus den Eskapaden und Skandalen der Boris Johnson-Legislatur kaum Profit schlagen. Es fehlte der Partei an führungsstarken Persönlichkeiten, die das politische Vakuum, das Johnson mit seiner Person aufblähte, hätten ausfüllen können.

Mit Liz Truss ist jemand an der Macht, der fürs Klima genauso gefährlich ist wie Johnson zuvor, nur dass die Premierministerin kein Witzfigur mehr ist. Das wird es der Labour Party noch schwerer machen, sich zu profilieren.

Zugleich ist Truss‘ Klimawandelskepsis genau die richtige Gelegenheit für die Opposition, aus ihrer Erstarrung zu erwachen und eine klare Stellung zu beziehen.

Wie diverse Medien berichten, hat Labour das Thema Klimawandel zu ihrem Hauptthema im Hinblick auf die nächsten Parlamentswahlen gemacht, die spätestens im Jahr 2025 stattfinden sollen.

In seiner mit Spannung erwarteten Rede auf dem Jahreskongress seiner Partei stellte der Labour-Vorsitzende Keir Starmer am Dienstag vergangener Woche einen „grünen Wohlstandsplan“ vor, in dem er verkündete, die Förderung des Wachstums und den Kampf gegen den Klimawandel angehen zu wollen.

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