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Rechtspopulisten reagieren mit kindlichem Trotz

Staatliche Kantinen: An zwei Tagen die Woche ausschließlich vegetarisch

Einem Strategiepapier der dänischen Regierung zur Folge sollen alle staatlichen Kantinen, an zwei Tagen in der Woche nur vegetarisches Essen anbieten. Den Dänen geht es darum, den nationalen Fleischkonsum zu reduzieren.

Vegetarisches Kantinenessen
Kantinenessen. (Symbolbild: Hans Braxmeier)
Aus dem Schriftstück Strategie für ein umweltfreundliches öffentliches Beschaffungswesen, das gestern vorgestellt wurde, geht hervor, dass alle staatlichen Küchen an zwei Tagen in der Woche nur noch vegetarisches Essen servieren sollen.

„Ich hoffe, das kommt bei unseren Mitarbeitern gut an. Dies ist der Vorschlag der Regierung, es ist nichts, was wir mit anderen vereinbart haben. Und das ist natürlich auch etwas, was wir mit den anderen politischen Parteien besprechen müssen“, sagte Finanzminister Nicolai Wammen gegenüber dem öffentlichrechtlichen Rundfunksender DR.

„Kurz gesagt, ist dies eine der Möglichkeiten, wie wir zu einem kleineren Ökologischen Fußabdruck beitragen können – indem wir zwei Tage pro Woche haben, an denen in den staatlichen Kantinen kein Fleisch auf der Speisekarte steht. An den anderen Tagen können Sie Fleisch essen, wenn Sie wollen.“

Zusätzlich zu den zwei vegetarischen Tagen hat die Regierung die Anzahl der Tage, an denen Rind- und Lammfleisch serviert werden darf, auf einen pro Woche begrenzt.

Die neue Strategie wird alle 85.000 direkt vom Staat beschäftigten Personen betreffen.

Der Vorschlag kann später auf 75.000 weitere Personen ausgeweitet werden, die für unabhängige Institutionen wie die Eisenbahngesellschaft DSB, Schulen, Kindergärten und Universitäten arbeiten.

Nach der Ankündigung twitterte der dänische Landwirtschaftsminister Mogens Jensen, dass bei 800.000 Mahlzeiten, die täglich in den Kantinen des öffentlichen Sektors serviert werden, diese Entscheidung einen bedeutenden Unterschied machen könnte.

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Rechtspopulisten spielen Spalter

Die nationalistische Dänische Volkspartei bezeichnete die Strategie als „völlig un-dänisch“.

„Ich werde essen, was immer ich essen kann, aber ich fühle mich sehr irritiert, dass jemand entscheiden will, welche Art von Essen das ist“, jammerte René Christensen, Vorsitzender des Umwelt- und Lebensmittelausschusses des dänischen Parlaments. „Es ist völlig un-dänisch, dass andere entscheiden wollen, was wir zum Mittagessen bekommen“. Das schreibt The Local Denmark.

Morten Messerschmidt, der stellvertretende Vorsitzende der Partei, zeigte sich kindlich-trotzig: die Vorschläge würden ihn sogar dazu animieren, mehr Fleisch zu essen, schreibt Jyllands Posten.

„Es ist eine Sache, dass die Menschen Veganer und Vegetarier sein wollen, und eine andere Sache, die Menschen dazu zu zwingen“, so Messerschmidt. „Ich halte das für verrückt.“

Auch Rita Bundgaard, Vorsitzende der HK Stat, die 23.000 Regierungsangestellte vertritt, verwechselte Freiheit mit Egoismus und beklagte sich über den Vorschlag.

„Ich kann nicht verstehen, warum wir gezwungen werden sollten, Dienstag und Donnerstag als grüne Tage zu haben und dann mittwochs Fisch. Wenn ich ein Steak haben will, frage ich nach einem Steak. Ich denke, ich sollte die Möglichkeit haben, auszuwählen und zu kombinieren, was ich auf meinen Mittagsteller lege, und ich denke, das sollte jedem erlaubt sein.“

Andere Parteien begrüßen den Vorstoß

Auf der anderen Seite begrüßte Carl Valentin, ökologischer Sprecher der Sozialistischen Linkspartei, die Entscheidung.

„Es ist einfach so wichtig, zwei vegetarische Tage in staatlichen Kantinen zu haben“, twitterte er. „Es war nicht einfach, unseren enormen Fleischkonsum auf die Tagesordnung zu setzen, aber jetzt machen wir Fortschritte.“

Kritik von den Grünen

Sikandar Siddique, der Vorsitzende der Freien Grünen, sagte, der Vorschlag greife zu kurz. Er solle nicht nur in den Kantinen der Regierung, sondern in allen Kantinen des öffentlichen Sektors, einschließlich Schulen und Kindergärten, stattfinden.

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Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Regierung nicht berechnet habe, wie sich die Maßnahme auf die Emissionen des öffentlichen Sektors auswirken würde.

ap

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