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Neue archäologische Erkenntnisse

Schafskot-DNA zeigt: Färöer waren schon deutlich vor den Wikingern besiedelt

Die im Nordatlantik gelegenen Färöer-Inseln waren neuen archäologischen Erkenntnissen zufolge bereits um das Jahr 500 nach Christus besiedelt. Also Hunderte von Jahren vor den Wikingern, die als bislang erste Ankömmlinge auf der Inselgruppe zwischen Norwegen und Island galten.

färöer schafe
Ausgerechnet das Schaf – im Altnordischen nichts anderes als die Übersetzung von Färöe – könnte nun des Rätsels Lösung gebracht bzw. in die Wiese gemacht haben. (Foto: William D’Andrea)

Den wissenschaftlichen Beweis hierfür lieferte die Untersuchung von Sediment aus dem Eiði-See ganz im Norden des Archipels, in dem Forscher unter anderem DNA-Fragmente von Schafskot fanden – und diesen eindeutig dem Zeitraum spätes 5./Anfang 6. Jahrhundert zuordnen konnten.*

Deutlich zu früh für die Wikinger, sind sich die Forscher sicher, da die Seefahrer aus Skandinavien das für den langen Weg auf die Färöer dringend benötigte Segel erst ab einem viel späteren Zeitraum nutzten. Experten datieren diesen laut BBC auf etwa 750 bis 820 nach Christus.

Hauptautorin Studie: Wissenschaftlicher “Sargnagel“ für alte Vorstellungen

Die Hauptautorin der aktuellen Studie „Sedimentary DNA and molecular evidence for early human occupation of the Faroe Islands“, Lorelei Curtin (University of Wyoming), spricht angesichts der neuen Erkenntnisse von einem „Sargnagel“ für die bislang weit verbreitete Ansicht einer Nichtbesiedlung der Färöer-Inseln bis ins 9. Jahrhundert hinein.

Stattdessen gehen die beteiligten Forscher und Autoren von einer ganz anderen Konstellation aus. Nämlich der, dass segeltechnisch fortgeschrittenen Siedlern aus Großbritannien und/oder Irland die Überfahrt auf die Inselgruppe schon deutlich früher gelungen ist. Rund 300 bis 350 Jahre vor den Nordmännern dürfte das nach aktueller Sachlage der Fall gewesen sein.

färöer inseln nordatlantik
Lage der Färöer-Inseln im Nordatlantik. Die ersten Siedler kamen wohl eher von Süden – und nicht aus dem Osten. (Darstellung: Arne List, CC BY-SA 3.0)

Co-Autor Dr. William D’Andrea (Columbia University New York) dazu: „Wir wissen noch immer nicht genau, wer diese Menschen waren und warum sie sich für die Färöer entschieden haben. Aber es gibt viele Informationen, die uns glauben lassen, dass die früheste Bevölkerung von den Britischen Inseln abstammte.“

Dazu passend finden sich in mittelalterlichen Textquellen Hinweise auf eine Atlantik-Passage des irischen Seefahrers und Heiligen St. Brendan im 6. Jahrhundert, bei der er zusammen mit seinen Kameraden eine „Insel der Seligen“ gefunden haben will: möglicherweise die Färöer.

Auch Grabfunde mit keltischen Insignien hatten zuvor als mögliche Beweise für eine frühe Besiedlung der Färöer durch Menschen aus dem britisch-irischen Kulturkreis gegolten.

Allerdings gab es stets Kontroversen darüber, weil eine glasklare Abgrenzung zwischen Wikingern und Personen mit keltisch-sprachigem Hintergrund ab dem 9. Jahrhundert nicht mehr gegeben war.

Färöer: Streit der Wissenschaft über Besiedlung ein für allemal beendet?

Grund dafür sind eindeutige Erkenntnisse zu Überschneidungen im (Intim-)Leben beider Kulturen, die es sehr wahrscheinlich machen, dass Wikinger und Kelten (vor allem Frauen) zu jener Zeit gemeinsam auf Booten gereist und angelandet sind.

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Fundort des Sediments (Stern) und frühere Ausdehnung des Eiði-Sees (blau). (©2021 Maxar Technologies, Landsat/Copernicus)

Daher auch deutet – von der Tendenz her – die DNA der heute auf den Färöern lebenden Bevölkerung väterlicherseits eher auf einen skandinavischen und mütterlicherseits eher auf einen britisch-irischen Hintergrund hin. Alles plausibel, soweit es die Zeit ab dem 9. Jahrhundert betrifft.

Bei der Sache mit der Schafskot-DNA sieht die Sachlage freilich anders aus. Hier passen Alter der genetischen Spuren und Datierungen der frühestmöglichen Segel-Seefahrten der Wikinger einfach nicht zusammen.

Klingt nach einem hieb- und stichfesten Beweis, mit dem der langanhaltende Gelehrtenstreit über die Frühbesiedlung der Färöer abrupt beendet sein dürfte. Veröffentlicht wurde die Studie am 16. Dezember 2021 im Nature-Magazin. Hier der Link zum Bericht (in englischer Sprache).

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*Das Sediment aus dem Eiði-See konnte in einer Tiefe von etwa 50 Zentimetern geborgen werden. Exakt zugeordnet wurde die DNA einem Zeitraum von 492 bis 512 nach Christus. Ermöglicht hat die recht genaue Datierung eine Ascheschicht im Sediment, die von einem großen isländischen Vulkanausbruch im Jahr 877 stammte.

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sh

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