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Der Naturschutz funktioniert nicht

Immer weniger Schmetterlingsarten in Dänemark

Schmetterlinge genießen einen guten Ruf unter den Menschen, man sieht die hübschen Falter gern von Zeit zu Zeit. Vor allem die auffällig und bunt gefärbten Tagfalterarten – doch man sieht sie immer seltener. Das hat jetzt auch eine Studie aus Dänemark bestätigt.

Rotklee-Bläuling Polyommatus semiargus
Ein männliches Exemplar des in Dänemark stark bedrohten Rotklee-Bläulings (Polyommatus semiargus). (Foto: Harald Süpfle / CC BY-SA 3.0)
Laut der Studie der Universität Kopenhagen sind viele Tagfalterarten in Dänemark im Rückgang begriffen.

Die Forscher untersuchten die Standorte im Osten Dänemarks, an denen eine oder mehrere Arten vorkamen, und verglichen sie mit der Situation zwischen 1989 und 1993, als die Verbreitung der Schmetterlinge zum letzten Mal kartiert wurde.

Das Ergebnis: In 26 Jahren sind 22 seltene Schmetterlingsarten an drei von vier Standorten verschwunden.

Im Jahr 1993 waren die Arten auf 565 Standorte in Dänemark verteilt. Im Jahr 2019 gab es sie nur noch an 158 Orten.

Damit ist die Verbreitung seltener Schmetterlinge im Osten Dänemarks um 72 % zurückgegangen. Mehrere Arten sind vom Aussterben bedroht. Die Situation sei sogar schlimmer als in den Nachbarländern Dänemarks.

„Bei den 22 Schmetterlingsarten, die wir beobachtet haben, ist ihre Verbreitung auf Seeland, Lolland, Falster und Møn seit 1993 um 72 % zurückgegangen. Alle Arten bis auf eine sind zurückgegangen, und mehrere von ihnen haben nur noch eine einzige lokale Population. Es würde mich nicht wundern, wenn mindestens acht der Arten in wenigen Jahren ausgestorben sind. Das gilt zum Beispiel für den Roten Perlmutterfalter, den Wiesenbläuling und den Schwarzfleckigen Perlmutterfalter“, sagt Emil Blicher Bjerregård, Erstautor des wissenschaftlichen Artikels über die Studie, zu der Forscher aus dem Fachbereich Biologie und dem Fachbereich Mathematik beigetragen haben.

Mangel an natürlichen Habitaten

„Es handelt sich um solide Daten, die einige dramatische Zahlen zeigen, die sogar schlechter zu sein scheinen als in unseren Nachbarländern. Viele der Arten, die in Dänemark früher weit verbreitet waren, sind sehr selten geworden. Und wenn sie einmal verschwunden sind, kommen sie nicht mehr zurück“, sagt Außerordentlicher Professor Hans Henrik Bruun, Hauptautor der Studie.

Die Studie zeigt, dass der Rückgang für alle verschiedenen Arten von Lebensräumen gilt, die Schmetterlinge bewohnen. Dazu gehören offene Wälder, Moore und Grasland.

„Schmetterlinge sind ein guter Indikator für die Qualität der Natur. Diese Arten können nicht in Wohngebieten, auf gedüngten Flächen oder am Rande eines bewirtschafteten Feldes leben. Sie brauchen eine Art von ursprünglicher Natur. Früher gab es eine Fülle von Lebensräumen. Das ist heute nicht mehr der Fall“, sagt Bjerregård.

Der Naturschutz funktioniert nicht

Der Rückgang sei darauf zurückzuführen, dass der Naturschutz nicht funktioniere, so die Forscher der Universität Kopenhagen.

Sie weisen darauf hin, dass menschliche Aktivitäten die Lebensräume der Schmetterlinge stören, dass es zu wenig Blüten gibt und dass die geschützten Naturgebiete kleine, isolierte Inseln sind.

„Die meisten Gebiete, in denen Schmetterlinge vorkommen, sind nun schon seit Jahrzehnten offiziell geschützt. Aber wir sehen keine Anzeichen dafür, dass der Naturschutz – sei es auf nationaler oder auf EU-Ebene – in den letzten 30 Jahren etwas für die seltenen Schmetterlingsarten bewirkt hat“, sagt Hans Henrik Bruun.

„Die Lebensräume der Schmetterlinge sind zu wenig vor menschlichen Eingriffen geschützt. So gibt es beispielsweise Natura-2000-Gebiete und Natur-Nationalparks, in denen sich Supermärkte mit Hunderten von Parkplätzen befinden. Gleichzeitig sind Naturgebiete arm an Blumen, die für viele Schmetterlingsarten wichtig sind – auch weil Landwirte subventioniert werden, um Grünland mit intensiver Sommerweide zu pflegen. Und in unseren naturgeschützten Wäldern gibt es viel Holzproduktion und viele Entwässerungsgräben, die Schmetterlingen Lebensräume wegnehmen“, sagt Emil Blicher Bjerregård und fährt fort:

„Zweitens handelt es sich bei den Naturschutzgebieten in Dänemark um kleine, isolierte Inseln, während die Arten größere, zusammenhängende Naturgebiete benötigen, damit die Populationen nicht so anfällig für Wetter- und Klimaschwankungen sind, wie sie es heute sind. Heute können sie zum Beispiel bei Trockenheit nicht einfach an einen Ort fliegen, der feuchter ist.“

Weniger Landwirtschaft ist nicht die wichtigste Lösung

Die Umwandlung von mehr landwirtschaftlich genutzten Flächen in Naturgebiete sei nicht die wichtigste Lösung, betonen die Forscher:

„In der Debatte wird oft behauptet, das Wichtigste, was wir für die biologische Vielfalt tun können, sei die Verringerung der landwirtschaftlichen Flächen. Langfristig mag dies auch zutreffen, aber es ist äußerst schwierig, Lebensräume auf landwirtschaftlichen Flächen wiederherzustellen. Das Wichtigste ist jetzt, die Gebiete zu nehmen, die bereits formell geschützt sind und in denen es noch Arten gibt, und dann die Qualität der Natur zu erhöhen, indem man sie richtig schützt, d. h. gegen alle wesentlichen Bedrohungen“, sagt Hans Henrik Bruun.

Und das schließt auch Aktivitäten wie die Jagd und Aktivitäten in der Natur ein, wie er betont:

„Manche Leute machen sich Sorgen, ob es noch Platz für ihr Reiten, Mountainbiking und Orientierungslauf gibt. Und es ist klar, dass wir die Gebiete nicht wilder machen und zu Lebensräumen für seltene Arten machen können, ohne dass einige Leute ihre Privilegien aufgeben“, sagt Hans Henrik Bruun.

„In Dänemark mussten wir etwas Natur eintauschen, um Wohlstand zu schaffen. Ich denke, das war ein gutes Geschäft. Wir werden nie wieder eine so reiche Natur haben wie vor 200 Jahren, aber es gibt keinen Grund, mehr als nötig zu verlieren. Und im Moment machen wir die Dinge nicht auf die effizienteste Weise. Wir könnten eigentlich ziemlich weit kommen, wenn wir die Dinge ein wenig intelligenter angehen würden“, sagt Emil Blicher Bjerregård.

Schmetterlinge in Dänemark

Heute gibt es in Dänemark 66 verschiedene Schmetterlingsarten. 37 von ihnen stehen auf der Roten Liste und sind somit gefährdet oder besonders anfällig. Seit den 1960er Jahren hat Dänemark 12 Schmetterlingsarten verloren.

Zu den in Dänemark am häufigsten vorkommenden Arten gehören der Zitronenfalter, der Admiral, der Kleine Fuchs und das Tagpfauenauge.

Weltweit gibt es über 180.000 Arten, von denen etwa 10 % Schmetterlinge sind. Der Rest sind nachtaktive Falter.

7 der am stärksten bedrohten Schmetterling ein Dänemark

Von den 22 seltenen Schmetterlingsarten gehören diese sieben zu den am stärksten bedrohten Arten in Ostdänemark:

  • Hochmoor-Bläuling (Agriades optilete)

  • Rotklee-Bläuling (Cyaniris semiargus)

  • Mädesüß-Perlmuttfalter (Brenthis ino)

  • Hochmoor-Perlmuttfalter (Boloria aquilonaris)

  • Silberfleck-Perlmuttfalter (Boloria euphrosyne)

  • Feuriger Perlmuttfalter (Fabriciana adippe)

  • Großer Sonnenröschen-Bläuling (Aricia artaxerxes)

Dänisches Wort des Tages: sommerfugl – dt. Schmetterling, wörtlich „Sommervogel“.

Unser Wer-Was-Wann-Wo-Dänemark-Bilderquiz

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