Vom Krimi übers Kinderbuch zur Weltliteratur

10 Hörbücher aus Nordeuropa auf Spotify

| 14.08.2018 - 16:35 Uhr

Viele wissen nicht, dass Spotify, der erfolgreiche Musikstreaming-Dienst aus Schweden, inzwischen auch ein ernstzunehmender Hörbuch-Anbieter ist. Die Nordisch-Redaktion hat eine Liste mit zehn Hörbüchern aus Nordeuropa zusammengestellt, die sie gerne mit ihren Lesern teilt.

Hörbücher auf Spotify

Sechs der zehn Hörbuchcover. (© Alle Rechte liegen beim jeweiligen Verlag)

Hunger von Knut Hamsun (Norwegen)

Der Roman „Hunger“ (norw. Sult) ist der unvergängliche Klassiker von Knut Hamsun. Das Debütwerk des norwegischen Schriftstellers schlug seinerzeit ein, wie ein Komet. Das vielleicht stärkste Werk des späteren Literaturnobelpreisträgers gibt es auf Spotify in ungekürzter Fassung.

Erster Satz: „Es war in jener Zeit, als ich in Kristiania umherging und hungerte, in dieser seltsamen Stadt, die keiner verlässt, ehe er von ihr gezeichnet worden ist.“

Drei lustige Gesellen von Eno Raud (Estland)

Drei lustige Gesellen (estn. Naksitrallid) ist der Titel einer vierbändigen Kinderbuchreihe des Esten Eno Raud. Die Bücher, in deren Mitte die Wichtel Halbschuh, Moosbart und Muff stehen, waren nicht nur in ihrem Heimatland Klassiker der Kinderbuchliteratur, sondern wurden auch in den 1980er Jahren in der DDR ins Deutsche übersetzt, und zählten damals zu den beliebtesten Kinderbüchern des Landes. Der Wellenreiter Verlag produzierte 2009 vier CDs mit einer gelungen inszenierten Lesung von Jörg Schüttauf. Diese Lesung ist auf Spotify erhältlich. – Kinderbuch/Hörbuch.

Erster Satz: „Es trafen sich einmal drei Männlein: Moosbart, Halbschuh und Muff, die wirklich lustig aussahen.“

Die Wurzel alles Guten von Miika Nousiainen (Finnland)

„Die Wurzel alles Guten“ (finn. Juurihoito) ist der vierte Roman des Finnen Miika Nousiainen, und der erste, der ins Deutsche übersetzt wurde. – Zwei Halbbrüder, die sich auf einem Zahnarztstuhl finden und sich auf in die Welt machen, ihren gemeinamen Vater zu suchen. Der Roman von 2017 ist unterhaltsam und skurril. Gelesen wird er von Christoph Maria Herbst, der darüber sagte: „Es schrie danach eingelesen zu warden. Zum Glück schrie es nach mir.“ – Roman.

Erster Satz: „Untersuchung.“

Der Elefantenbäcker von Arne Nielsen (Dänemark)

„Der Elefantenbäcker“ ist das in deutscher Sprache geschriebene Debüt von Arne Nielsen, der in Dänemark und Norwegen aufwuchs und inzwischen in Hamburg lebt. Im Roman blickt die Hauptfigur Johnny auf seine eigene Kindheit in Dänemark zurück, geprägt von den traumatischen Erfahrungen durch einen alkoholkranken und gewalttätigen Vater, die ihn bis in sein erwachsenes Leben verfolgen. – Roman/Hörbuch.

Erster Satz: „Ein Tag im Sommer 1985, um die Mittagszeit.“

Der Sommer, in dem meine Mutter zum Mond fliegen wollte von Lars Saabye Christensen (Norwegen)

Der Autor Lars Saabye Christensen zählt zu einem der bedeutendsten norwegischen Gegenwartsautoren. Zahlreiche Preise, unter anderem den „Nordische Literaturpreis“, erhielt er bereits. Christensens Bücher wurden in über 30 Sprachen übersetzt. Im Roman „Der Sommer, in dem meine Mutter zum Mond fliegen wollte“ (norw. Sluk) geht der norwegische Autor Funder auf die Suche nach sich selbst. Ein Entwicklungsroman.

Erster Satz: „Mein Vater pflegte zu sagen: Man muss ein Haus bauen können, bevor man es zeichnen kann.“

Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter von Malcom Mackay (Schottland)

Ein Thriller (engl. The Necessary Death of Lewis Winter) aus der Glasgow Noir Serie des schottischen Bestsellerautors Malcolm Mackay. „Es ist schwer, einen Mann gut zu töten. Leute, die es machen, wissen das. Leute, die es schlecht machen, finden es heraus. Auf die harte Tour. Und die harte Tour hat Folgen.“

Erster Satz: „Alles beginnt mit einem Anruf.“

Der Mantel von Nikolai Gogol (St. Petersburg, Russland)

Ein weiterer Klassiker der Weltliteratur ist die Novelle „Der Mantel“ (russ. Шинель) des Petersburger Autoren Nikolai Gogol. Die Erzählung handelt vom Kopisten Akakij Akakijewitsch, der nur für seine Arbeit lebt und außerhalb davon weder etwas wahrnimmt, noch wahrgenommen wird. Dies ändert sich schlagartig an dem Tag, an dem er sich einen neuen Mantel kauft. – Erzählung.

Erster Satz: „An eine Ministerialabteilung – ich will die Ministerialabteilung nicht genauer bezeichnen, es gibt nichts Unangenehmeres als mit Angehörigen einer Ministerialabteilung eines Regiments, kurz: mit irgendeiner Amtsperson zu tun zu haben.“

Nacht über Reykjavík von Arnaldur Indriðason (Island)

Ein Streifenpolizist, ein toter Obdachloser und eine verschwundene Ehefrau sind der Stoff aus dem dieser Krimi des preisgekrönten isländischen Autors ist. „Nacht über Reykjavík“ (isl. Reykjavikur naetur) ist einfach gute Kriminalunterhaltung. (Krimi-Hörbücher.)

Erster Satz der Romanfassung: „Die Jungen stießen mit ihren Stöcken den grünen Anorak, der sich über dem Wasser aufblähte.“

Brummstein von Peter Adolphsen (Dänemark)

„Der Brummstein“ (dän. Brummstein) des dänischen Autors Peter Adolphsen ist eine kurze Erzählung, gedruckt gerade einmal auf 96 Seiten, die den Hörer hier jedoch quer durch das 20. Jahrhundert mitnimmt. Hin zu den Lebensgeschichten der Besitzer eines seltsam brummenden Steins. Eigentlich zu viel Geschichte für zu wenig Zeilen. Wäre Adolphsen nicht so ein begnadeter Schriftsteller. – Eine grandiose Erzählung.

Erster Satz: „Die ständige Orogenese der Alpen hat zur Ursache, dass der Mikrokontinent Adria sich im Jura von Afrika losgerissen hat, danach über das damals existierende Tethysmeer rotiert und mit Eurasien kollidiert ist, und zwar am 19. bzw. am 23. Dezember, wenn wir die bekannte Maßstabsverkleinerung anwenden, die das Alter der Erde mit einem Kalenderjahr gleichsetzt, in dem am 2. Weihnachtsfeiertag die Dinosaurier aussterben, am Abend des 31. Dezember die Huminiden entstehen, und in dem jetzt, da dies geschrieben wird, zehn Sekunden vergingen seit die fünf Sekunden der Römerzeit abgelaufen sind.“

Am Gletscher von Halldór Laxness (Island)

Zurück in Island, zurück zur Weltliteratur: „Am Gletscher“ (isl. Kristnihald undir Jökli) ist der Roman des isländischen Nobelpreisträgers Halldór Laxness. Eine Gemeinde am Gletscher in der keine Kinder getauft werden, keine Toten beerdigt und die Leichen angeblich auf den Gletscher gebracht würden. All das ist dem Bischof in Reykjavik zu Ohren gekommen, er beauftragt einen jungen Theologen, im isländischen Hinterland nach dem Rechten zu sehen. Mit Stenoblock und Diktiergerät gerüstet, versucht dieser Licht ins Dunkel zu bringen und trifft dabei auf eine „Wahrheit“, die man nicht protokollieren kann.

Erster Satz: „Der Bischof ließ Unterzeichneten gestern abend zu sich kommen.“

Helena

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