Volltreffer in der norwegischen Stadt Skien
400 Jahre altes Bauarbeiter-Lager entdeckt – bei Bauarbeiten
Fotos: NIKU
In der norwegischen Stadt Skien stießen Bauarbeiter bei Routinearbeiten an der Wasser- und Abwasserleitung auf ein archäologisches Rätsel. Im Untergrund der zentral gelegenen Straße Torggata entdeckten sie drei außergewöhnlich gut erhaltene Eichenfässer aus dem 17. Jahrhundert.
Die hölzernen Artefakte lagen vier Jahrhunderte lang ungestört im Boden und bieten heute seltene Einblicke in das Handwerk der frühen Neuzeit. Dieser Fund ist besonders wertvoll, da er nicht aus einem Palast oder Grab, sondern aus einem gewöhnlichen Arbeitsviertel stammt.
Neben den Fässern fanden die Forscher einen großen hölzernen Stampfer sowie dicke Schichten aus Kalk. Diese Kombination deutet darauf hin, dass die Fundstelle einst eine zentrale Mischstation für Mörtel und Oberflächenbehandlungen war.
Arbeiter vergruben Fässer im Erdreich
Die Fässer dienten nach Erkenntnissen der Experten zur Lagerung von gelöschtem Kalk, einem essenziellen Bindemittel für das Mauerwerk jener Zeit. Um das Material vor dem Einfrieren im harten skandinavischen Winter zu schützen, vergruben die Arbeiter die Fässer im Erdreich.
Diese unterirdische Lagerung hielt den Kalk chemisch stabil und schützte ihn vor den extremen Witterungsbedingungen. Im Inneren der Behälter entdeckten die Forscher zudem Schuttreste über dem Kalk, was auf eine mehrfache Nutzung der Fässer hindeutet.
Wie das Fachmagazin ZME Science berichtet, überlebten die Holzgefäße vor allem aufgrund der besonderen chemischen Bedingungen im Boden. Die Kombination aus sauerstoffarmer Umgebung und dem alkalischen Milieu des Kalks verhinderte den natürlichen Verfall des Eichenholzes.
Kulturschichten, die bis in das 9. Jahrhundert zurückreichen
Die Fundstelle in der Torggata liegt über noch älteren Kulturschichten, die bis in das 9. Jahrhundert zurückreichen. Dies bestätigt die Bedeutung von Skien als frühes Handelszentrum, das eng mit regionalen Netzwerken wie dem Wetzsteinhandel verknüpft war.
Archäologen vermuten, dass dieser Bereich der Stadt eine Schlüsselrolle beim Wiederaufbau nach verheerenden Bränden spielte. Die Entdeckung der intakten Gefäße erlaubt es nun, die handwerklichen Aktivitäten zur Instandhaltung der Stadt präzise zu rekonstruieren.
Projektleiterin Kristine Ødeby Haugan betonte die Einzigartigkeit der Entdeckung, da eine solche Sammlung gut erhaltener Fässer bisher nie dokumentiert wurde. Aktuell prüfen die Experten verschiedene Möglichkeiten zur Konservierung und einer eventuellen Rekonstruktion der historischen Baustelle.
Früher nutzte man gelöschten Kalk als wichtigen Baustoff für Mörtel und Putz. Dafür wurde Branntkalk mit Wasser gelöscht, wodurch eine pastenartige Masse entstand. Diese mischte man mit Sand und manchmal Stroh. Der Kalkmörtel verband Steine, dichtete Fugen ab und schützte Wände vor Feuchtigkeit.
Beim Trocknen reagierte der Kalk mit Kohlendioxid aus der Luft und verhärtete langsam wieder zu Kalkstein. So entstanden langlebige Gebäude, Kirchen und Fachwerkhäuser über viele Jahrhunderte hinweg. Skien selbst zählt zu den ältesten Städten Norwegens, besonders der Holzhandel prägte ihre Entwicklung über Jahrhunderte.
Hintergrund: Skien gehört zu den ältesten Städten Norwegens. Bereits im Mittelalter entwickelte sich der Ort am Skienselva zu einem Handelszentrum, 1358 erhielt er Marktrechte. Über Jahrhunderte prägten Holzhandel, Sägewerke und der Export von Bauholz die Wirtschaft. Die Wasserwege verbanden das Hinterland Telemarks mit der Küste.
1828 wurde hier der Dramatiker Henrik Ibsen geboren. Mehrere Stadtbrände zerstörten große Teile Skiens, besonders die Katastrophe von 1886, nach der das Zentrum weitgehend neu aufgebaut wurde. Mit der Eröffnung des Telemarkkanals bis Dalen im Jahr 1892 gewann Skien zusätzlich Bedeutung als Verkehrs-, Industrie- und Handelsstadt im südlichen Norwegen und ist bis heute ein regionales Zentrum Telemarks.
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