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„Es sind Kaiser durch meinen Garten gezogen“

Schottland: 2000 Jahre alte Invasions-Straße der Römer auf Grundstück neben Landhaus entdeckt

Eine fast unglaubliche historische Entdeckung wurde vor wenigen Tagen im Privatgarten einer schottischen Familie gemacht, die in einem Landhaus aus dem 17. Jahrhundert nahe der Stadt Stirling lebt. Bei archäologischen Ausgrabungen auf dem Grundstück wurde eine Römerstraße gefunden.


Bild 1: Die Freude über den Fund im Garten einer schottischen Familie war augenscheinlich groß. (Stirling Council)
Bild 2: In etwa einem Meter Tiefe stießen die Archäologen auf massive Reste der alten Heeresstraße. (Stirling Council)
Bild 3: Die größte Ausdehnung des Römischen Reichs nach Norden hin: der Atoninus-Wall. (James Allan / CC BY-SA 2.0)
Bild 4: Die Straße war rund um den Antoninus-Wall von zentraler strategischer Bedeutung. (Norman Einstein, Manuel Heinemann / CC BY-SA 3.0)

Und zwar nicht irgendeine Römerstraße, was ja schon mehr als reichlich wäre, sondern die laut Expertenmeinungen wichtigste historische Verkehrsverbindung, die es in Schottland jemals gab. Eine Straße, die das Schicksal der Menschen im britischen Norden über Jahrhunderte maßgeblich geprägt hat.

Erbaut wurde sie im 1. Jahrhundert nach Christus von den Truppen des römischen Gnaeus Iulius Agricola, um von den Legionen der Kaiser Antoninus (86 bis 161 n. Chr.) und Severus (146 bis 211 n. Chr.) mehrfach für Invasionen tief in das heutige Schottland genutzt zu werden.

So war es Antoninus, der die Nordgrenze Britanniens vom Hadrianswall aus 160 Kilometer weiter vorverlegen und durch den nach ihm benannten Antoninuswall befestigen ließ. Vom Firth of Forth zum Firth of Clyde sozusagen, um – wie es heißt – Zweifel an seiner Eignung als Herrscher zu zerstreuen.

Der Leiter der Ausgrabung, Dr. Murray Cook vom Stirling Coucil, teilte nach dem Fund in etwa einem Meter Tiefe mit: „Dies ist ein Meilenstein der schottischen Geschichte. Es ist erstaunlich, dort zu stehen, wo zuerst die Römer und später die Wikinger oder große Persönlichkeiten wie William Wallace mit ihren Truppen langgezogen sein müssen.“

Der Fund kommt zur passenden Zeit: Die Stadt Stirling feiert 2024 großes Jubiläum

Die Straße führte ursprünglich zu einer Furt, die den River Forth überquerte. Das Grundstück liegt einige Kilometer außerhalb des Stadtzentrums von Stirling, relativ nah an der Old Drip Bridge aus dem 18. Jahrhundert. Historisch und militärstrategisch erlesenes Gelände.

Dr. Cook und sein Team führten die Ausgrabung mit örtlichen Freiwilligen und Studierenden durch. Dass dort etwas sein könnte, war den Verantwortlichen im Vorfeld natürlich bewusst. Zeitlich passend kommt es vor allem deshalb, weil die Stadt Stirling 2024 ihr 900-jähriges Jubiläum feiern wird.

Stirling Karte
Nahe Stirling: Die Region, in der die alte Heeresstraße der Römer gefunden wurde. (Eigene Darstellung / NordNordWest / CC BY-SA 3.0)

Stadtratsvorsitzender Chris Kane dazu: „Ein weiterer Beweis, der zeigt, wie sehr Stirling im Herzen Schottlands und im Zentrum der schottischen Geschichte liegt. Darauf sind wir sehr stolz, wobei diese Straße ein neues Kapitel ist, das wir im kommenden Jahr mit unseren Besuchern aus aller Welt teilen wollen.“

Doch wie konnte die einst schwer befestigte Straße derart in Vergessenheit geraten? „Es sieht einfach so aus, dass sie nach dem Abzug der Römer nicht mehr richtig instandgehalten wurde – und so mehr und mehr zu einem Pfad über einer erodierten Senke verkam“, schlussfolgert Cook.

Der Weg muss immer wieder Ausgangspunkt und Passage für viel Blutvergießen gewesen sein

Das Landhaus von Familie Ure, das Old Cottage Inn, war einst ein Gasthaus für Viehtreiber aus der Region, die wahrscheinlich unwissentlich den Weg beschritten, der immer wieder Ausgangspunkt und Passage für viel Blutvergießen war.

Anders ist es bei den aktuellen Besitzern, die mit dem neuen Wissen über das eigene Grundstück natürlich ganz anders auf ihr Landhaus blicken. Die schiere Absurdität der vergangenen Tage nach dem Fund fasste Jennifer Ure gegenüber der BBC wie folgt zusammen:

„Es ist absolut unglaublich, wenn ich mir vorstelle, dass sehr wahrscheinlich römische Kaiser, William der Eroberer oder König Heinrich VIII. durch meinen Garten gegangen sind. Das können sicherlich nicht viele Leute von sich behaupten.“

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