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Der kleine Reiseführer für Värmland

Was tun in Karlstad und Umgebung?

Wir beginnen unsere Reise in Karlstad, der Hauptstadt der Provinz Värmlands. Auf den ersten Blick wirkt alles vertraut. Und dennoch ist hier manches anders. Kein Kulturschock aber mehr Platz, mehr Luft, mehr Grün. Die Gehwege und Straßen haben die gefühlte doppelte Breite. Und immer findet sich eine Grünfläche oder ein ruhiger Platz am Wasser, der zum Verweilen einlädt. Wir gehen vom Bahnhof los und spazieren entlang des Flusses Klarälven, der bei Karlstad in den Vänern mündet, durch die Stadt.

Vänern Karlstad
Am Vänern See, Värmland. (Foto Mats Hansson)

Menschen sitzen in Cafes im Freien und genießen bei strahlend blauem Himmel das sommerliche Wetter. Wir haben Glück. Es hat die letzten 3 Wochen zuvor praktisch nur geregnet. Wir machen einen kurzen Abstecher in das schöne und informative Touristenbüro, wo wir in der Bibliothek im zweiten Stock endlich einen Rechner finden.

Es scheint in Schweden kaum Internetcafes zu geben. Da wir ohne Laptop unterwegs sind, werden wir in den kommenden Tagen noch öfters diesen Ort besuchen, um die vielen Bilder von der Kamera zu sichern. Direkt nebenan, umgeben von einem Park, liegt das Värmlands Museum.

Wer Erfahrung mit der manchmal bedrückenden Ernsthaftigkeit deutscher Museen hat, erlebt hier eine positive Überraschung. Alles ist hell und ansprechend gestaltet. Im Museum finden wir einen faszinierenden Tunnel vor, der durch die Geschichte der Provinz Värmland von den Anfängen menschlicher Besiedlung bis in die Moderne führt. Diesen untersuchen wir sofort. Interaktiv und spannend ist diese Geschichtsstunde, für Menschen jeden Alters faszinierend, zumal für Kinder am Ausgang des Tunnels unmittelbar der Bastel-, Spiel-, und Lernbereich des Museums anschließt.

Am Nachmittag beschließen wir, uns ein schönes Plätzchen am Fluss zu suchen und lassen den ersten Tag ruhig und mit Vorfreude auf weiteres ausklingen. Es weht eine sanfte Brise, einige Schweden baden im Fluss, andere spazieren an an ihm entlang.

Eines scheint uns klar. Die an ein noch viel geringeres Tempo gewohnten Landbewohner Schwedens würden das vielleicht bestreiten, aber für einen ersten Vorgeschmack auf die erholsame Ruhe Schwedens müssen wir deutsche Stadtmenschen Karlstad nicht einmal verlassen.

Mariebergsskogen und Lars Lerins Laxholmen

Mariebergsskogen
Haupteingang zum Mariebergsskogen.

Auch am zweiten Tag beschließen wir, uns noch in Stadtnähe aufzuhalten und spazieren bei leicht bewölktem Himmel in den Stadtpark Mariebergsskogen. Zirka eine halbe Stunde Fußweg vom Stadtzentrum entfernt, ist der Park ein leicht erreichbares Ausflugsziel. Unser erster Eindruck von der Kinderfreundlichkeit in Schweden wird noch übertroffen.

Vor dem Wald, der den größten Teil der Parkanlage ausmacht, befinden sich ein Spielegarten für Kinder, ein Badeplatz und eine hübsche Minigolfanlage. So spazieren wir zunächst durch diesen schönen, mit vielen Pflanzen und Blumen geschmückten Teil des Parks.

Seine Geschichte reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück. Damals wurde dort ein Herrenhof errichtet, der am Ende des Jahrhunderts an die Stadt überging. Seit dieser Zeit entwickelte sich das ursprüngliche Hofgelände Stück für Stück zum Park in seiner heutigen Gestalt. Wie wir erfahren haben, lebten im kleinen Tierpark, in welchem man heute typische Hoftiere auffindet, früher auch exotische Tiere wie Schimpansen oder Papageien. Heute erfreuen die Hoftiere vor allem Kinder und können gestreichelt werden.

Wir gehen weiter Richtung Wald, schauen aber vorher noch durch eine Glasscheibe in einen Bienenstock und entdecken dabei ein kleines Schild, welches uns verrät, dass durch den Wald ein Entdeckerpfad mit verschiedenen Stationen für Kinder führt. Fast hätten wir diesen Hinweis übersehen, denn das Schild ist für Kinder lesbar auf ca. 1,20 Metern Höhe angebracht. Wir lassen den Pfad aus und begeben uns in den Wald, wo wir auf ein großes Gebäude treffen. Im so genannten Naturrum (Naturraum) befindet sich eine Dauerausstellung, die über die lokale Flora und Fauna aufklärt – wieder spannend und interessant für Kinder gestaltet.

Da wir spazieren wollen, schauen wir uns die Ausstellung aber nur kurz an und gehen weiter. Von Vogelgesang begleitet, gehen wir einen Waldweg entlang, der Boden ist grün mit Moos und mit vielen Pflanzen bewachsen und wir genießen die Ruhe, die der Wald uns bietet. Nach einer Viertelstunde nehmen wir eine Abzweigung auf einen Holzpfad und sind nach wenigen Metern umgeben von Schilf.

Links von uns mündet der Klarälven in den Vänern. Hier gibt es auch einen Hochsitz, der für die Beobachtung von Vögeln errichtet wurde. Wir schlendern durch die Schilflandschaft Richtung Ufer und kommen an einen Anlegeplatz für den Bootbus. Diese Boote dienen dem öffentlichen Nahverkehr und sind dementsprechend günstig. Eine solche Bootsfahrt bietet nochmals eine völlig andere Perspektive auf die Stadt.

Wieder im Park angekommen, beenden wir den Ausflug mit einem Eis und freuen uns auf den nächsten Tag, wenn wir nach Munkfors fahren wollen um dort das Museum des Malers Lars Lerin zu besuchen.

Museum Sandgrund des Malers Lars Lerin

Gemölde von Lars Lerin Sandgrund
Aquarell von Lars Lerin (© Lars Lerin)

Gegen 13 Uhr sind wir in dem Museum mit dem Namen Sandgrund. Das, was wir dann im Sandgrund zu sehen bekommen, ist allein schon die ganze Reise nach Schweden wert. Wir finden dort das gesamte Spektrum seines Werkes. Dieses beinhaltet Zeichnungen, Fotografien, Ölmalerei und Collagen. Der Großteil seiner Arbeiten besteht aber aus Aquarellen. Lerin ist bekannt für die düsteren Stimmungen seiner Bilder und uns wurde erzählt, dass er zumeist erst im Spätsommer zu arbeiten beginnt und die meisten Arbeiten im Herbst und Winter erstellt.

Wir gehen durch das Museum und betrachten karge Waldlandschaften, Bilder von Fabriken und Fischereibetrieben auf den Lofoten und Industrielandschaften. Die Ausstellung beeindruckt mit ihrer Vielfalt. Sowohl große Aquarelle als auch Collagen aus einer Vielzahl kleiner Bilder begeistern uns an diesem Nachmittag, so dass dieser Ausflug ein voller Erfolg wird. Lerin ist übrigens seit 1983 auch als Verfasser und Herausgeber von zahlreichen Büchern bekannt, welche eigene Texte und Bilder enthalten.

Torsby

Torsby ist ein kleines Städtchen, nahe der norwegischen Grenze, etwa 100 Kilometer von Karlstad entfernt. Hier, in den Wäldern Westschwedens, ließen sich im 16. Jahrhundert zahlreiche finnische Einwanderer nieder, die bewusst die Städte mieden, die sogenannten Waldfinnen. Das Torsby Finnskogscentrum zeigt die Geschichte der Besiedelung.

Autoliebhaber kommen im nahe gelegenen Arvika Fordonsmuseum auf ihre Kosten. Das Museum hat eine weitgefächerte Oldtimersammlung zu bieten, von Autos über Motorräder zu Feuerwehrwagen ist alles vorhanden. Wenn Sie ein besonders gut erhaltenes Gehöft entdecken wollen, besuchen Sie das Ritamäki Finngård. Es wurde im 17. Jahrhundert erbaut und war noch bis ins 20. Jahrhundert von Finnen bewohnt.

Aktivitäten in Värmland

Die naturbelassene Landschaft Värmlands hat einiges an sportlichen Outdooraktivitäten zu bieten: Angeln, Kanufahren, Klettern, Radfahren oder – etwas außergewöhnlicher – Biber- und Elchsafaris!

Wanderfreunde werden sich für den Finnskogleden begeistern können. Dieser einfache, gut markierte Wanderweg ist über 240 km lang und führt teils durch finnisches, teils durch norwegisches Gebiet. Der Hovfjället bei Torsby ist im Winter hervorragend zum Skifahren geeignet.

Alexander Schott

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