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Die verlegte Stadt

Scandic Hotel in Kiruna wird zum neuen Wahrzeichen der Stadt

Kiruna ist Schwedens nördlichste Stadt und außerdem eine der wenigen Städte in der Geschichte der Menschheit, die um einige Kilometer vollständig verlegt werden. Ja, die Stadt wandert fünf Kilometer Richtung Osten, – dazu später.

Scandic Hotel Kiruna
Das neue Scandic Hotel in Kiruna. (Quelle: kirunalapland.se)
Im neuen Zentrum ist ein Gebäude entstanden, das mit Sicherheit zu den Wahrzeichen der Stadt gezählt werden kann. Das Scandic Hotel, das im April 2022 Eröffnung feiern soll.

Es ist nicht nur das größte Hotel der Kleinstadt, die Architektur des Bauwerks soll zudem von Schwedens höchstem Berg Kebnekaise und dem Lapporten-Tal in Schwedisch Lappland inspiriert worden sein. Das schreibt die Website Kiruna in Schwedisch Lappland.

Scandic Kiruna Innenansicht
Das Interieur des Scandic Hotels in Kiruna. (Quelle: kirunalapland.se)
Laut Werbeprospekt der Architekten, verbinde das Hotel Scandic Kiruna die Wildnis Lapplands mit der modernen Stadt. Schon beim Betreten des Hotels sollen die Gäste von einem von der Natur inspirierten Innendesign und vielen Details zu Themen wie Wandern und Klettern begrüßt werden.

Im obersten Stockwerk des Hotels auf 45 Metern Höhe wird sich Schwedens nördlichste Skybar befinden. Der Blick über Kiruna wird den Drink sicherlich versüßen.

Skybar Scandic Hotel Kiruna
Die Skybar im Scandic Hotel und der Blick über Kiruna und die Landschaft.
(Quelle: kirunalapland.se)
Darüber hinaus wird das Hotel in der umweltunfreundlichen Bergbaustadt nachhaltig betrieben. Als geplantes LEED-zertifiziertes Projekt (Bewertungsstufe Silber) wird es einen geringen Wasserverbrauch haben und durch entsprechende architektonische Raffinesse, den Energieverbrauch optimieren und einen niedrigen Energiebedarf aufweisen. Das Scandic Kiruna wird seinen Strom von einem in Norwegen gelegenen Wasserkraftwerk beziehen.

Kiruna, die verlegte Stadt

Kirche Kiruna
Die 1912 von Gustaf Wickman aus Birkenholz erbaute Kirche – ihre Form entstand in Anlehnung an die samische Kote, eine Behausung des nordeuropäischen Volkes.
(Foto: Christoffer Sawicki, CC BY-SA 2.0)
Kiruna entstand als Siedlung für das gleichnamige Eisenerzbergwerk. Gelegen zwischen den beiden Erzbergen Kiirunavaara und Luossavaara, baut die Stadt Magnetit-Eisenerz ab. Das Erz mit 60 bis 70 Prozent Eisengehalt gilt als extrem hochwertig. Leider hat Kiruna das Problem, dass die Erz-Lagerstätte schräg unter der Stadt verläuft.

Der Bergbau hat die an der Oberfläche liegenden Stadtteile zu einem einsturzgefährdeten Gebiet gemacht. In den 10er-Jahren des neuen Jahrhunderts hatte die Stadt zwei Optionen: Den Zweig nicht mehr absägen, auf dem man sitzt, d.h. Einstellung des Bergbaus, oder man sägt weiter an dem Zweig, wechselt aber die eigene Position.

So entschieden die Stadtväter und -mütter im Januar 2007, dass die Stadt „verschoben“ werden muss, damit der Bergbau weiter betrieben werden konnte. Bis 2040 soll Kiruna vollständig umgezogen werden.

Das neue Stadtzentrum, in dem das Scandic Hotel residiert, liegt nun fünf Kilometer weiter östlich. Nach und nach sollen andere Stadtteile folgen.

Um den Umzug gewährleisten zu können, wurde für alle relevanten Gebäude der staatliche Denkmalschutz aufgehoben. Die 1912 von Gustaf Wickman erbaute Holzkirche – die in Anlehnung an die Form einer samischen Kote aus Birkenstämmen erbaut wurde – soll den Standort wechseln, wobei die Kirche vollständig erhalten bleiben soll.

Andere ehemals unter Denkmalschutz gestanden habenden Gebäude, so z.B. das 1962 nach Plänen des Architekten Artur von Schmalensee errichtete Rathaus, werden abgerissen. Ihre Übersiedlung wäre teuerer als ein Neubau.

Am 18. Mai 2020 ereignete sich in der Stadt eines der stärksten je in Schweden gemessenen Erdbeben. Menschen kamen nicht zu Schaden. Nach Ansicht des Seismologen Björn Lund von der Universität Uppsala standen die Erschütterungen im Zusammenhang mit dem Bergbau.

„Im Allgemeinen gilt: Je tiefer man in den Fels eindringt, desto schlimmer wird es. Es ist eine Beobachtung, die wir aus der ganzen Welt kennen: Je tiefer man geht, desto größer sind die Spannungen“, sagte Björn Lund seinerzeit gegenüber Aftonbladet.

Kiruna ist ein Reiseziel für Touristen

Eishotel Kiruna
In der Kapelle des Eishotels von Jukkasjärvi. (Foto: bjaglin, CC BY 2.0)
Obwohl Kiruna eine Bergbaustadt ist, ist sie durchaus ein beliebtes Reiseziel für Urlauber.

Im Sommer können Touristen wandern, Kanu fahren, jagen und fischen. Im Winter können sie Ski und Hundeschlitten fahren oder Schneeschuhwanderungen unternehmen. Der höchste Berg Schwedens, der Kebnekaise, ist nicht weit. Bekannt ist außerdem das Eishotel in Jukkasjärvi, welches jährlich ab Oktober neu gebaut und im Dezember eröffnet wird.

Eines der längsten Grottensysteme Schwedens liegt bei Kiruna, die bekannteste Grotte des Systems ist Kåppashåla. Der Einstieg ist eng, aber den Grottenbesucher erwarten aufregende Momente einer Unterwelt und unterirdische Wasserfälle.

Wer Interesse an schwedischer Bergbaugeschichte hat, wird im örtlichen Bergwerkmuseum auf seine Kosten kommen.

Eine weitere Attraktion sind die Besichtigungstouren des Raketenstartplatzes Esrange. In einigen Jahren sollen von Kiruna aus kommerzielle Weltraumflüge starten.

Das neue Scandic Hotel der Stadt wird wohl nicht nur die Geschäftsreisenden ansprechen, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Urlauber und ihre Familien anlocken.

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ap

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