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Ernährungsweise um 4.000 vor Christus

Was aßen die Menschen im Neolithikum? – Neue Erkenntnisse aus Schottland

Einem Team von Archäologen unter der Leitung der Universität Bristol ist es gelungen, neue Erkenntnisse über die Ernährungsweise der Menschen im neolithischen Schottland zu gewinnen. Und zwar auf Basis chemischer Analysen von Keramikgefäßen, die bis zu 6.000 Jahre alt sind.

Ernährung Neolithikum
Fotografie einer Schale des Typs „Unstan“, die vom Grund des Loch Arnish geborgen wurde. (Foto: Chris Murray)
Gefunden wurden die Gefäße im Umfeld künstlicher Inselchen, Crannógs genannt, die zu dieser Zeit auf irischen und schottischen Gewässern verbreitet waren – oft bebaut und bewohnt (mehr Infos zu diesen mysteriösen Bauten im unteren Teil des Artikels).

Mithilfe von Biomarkern konnten die Wissenschaftler in den sichergestellten Gefäßen feststellen, dass unterschiedliche Formen von Haferschleim in der Hebriden-Region ein Hauptbestandteil der alltäglichen Nahrung gewesen sein müssen.

Loch Langabhat Neolithikum
Bildrekonstruktion eines der Töpfe aus dem Loch Langabhat. (Foto: Mike Copper)
Bekannt war bislang lediglich, dass um das Jahr 4.000 vor Christus verschiedene Getreidearten, einschließlich Weizen, Einzug auf die nordbritischen Äcker erhielten – vermutlich „importiert“ von kontinentaleuropäischen Bauern. Nur war die Zubereitung des Getreides bis dato blanke Theorie.

Forschungsleiter Dr. Simon Hammann dazu: „Es ist sehr aufregend zu sehen, dass Getreide-Biomarker in Töpfen unter günstigen Bedingungen tatsächlich aus einer Zeit überleben können, als Getreide und Töpferwaren in Großbritannien eingeführt wurden.“

Mithilfe der angewandten Methode sei es nun möglich, bewährte „archäo-botanische Verfahren“ zu ergänzen, um so nicht nur die neolithische, sondern auch die Verbreitung des Getreideanbaus in ganz Großbritannien und darüber hinaus zu untersuchen.

Crannóg
Luftaufnahme des Crannóg am Loch Langabhat. Ein Crannóg ist eine aus Baumstämmen, Sand und Steinen errichtete runde künstliche Insel. (Foto: Fraser Sturt)
Doch was genau war es, was damals auf den Tellern jener Region im Westen Schottlands landete? Den Analysen zufolge dürfte das zu jener Zeit neu angebaute Getreide in Töpfen gekocht und dann wahlweise mit Milch(-produkten) oder Fleisch vermengt worden sein.

Laut den Schilderungen muss man sich die Mahlzeiten als getreidebasierte Eintöpfe vorstellen. Oder besser: als Haferschleim in diversen Ausführungen. Nahrhaft sicherlich. Ob dabei auch schmackhaft, sei einmal dahingestellt.

Dr. Lucy Cramp, Co-Autorin der zuletzt beim Fachmagazin Nature Communications veröffentlichten Studie „Neolithic culinary traditions revealed by cereal, milk and meat lipids in pottery from Scottish crannogs“ ordnete die Forschungsergebnisse wie folgt ein:

„Wir haben nun Einblicke in die kulinarischen Traditionen der frühen Bauern, die am nordwestlichen Rand Europas lebten. Und über deren Lebensweise bislang wenig bekannt war. Zugleich erhielten wir Anhaltspunkte zum Einfluss der rätselhaften Inselorte auf die neolithische Ernährungsweise.“

Hintergrund: In der Tat scheint es eine engere Verbindung der gefundenen Gefäße zu den eingangs erwähnten Crannógs zu geben, von denen es in Irland und Schottland insgesamt 3.000 gegeben haben soll.

Viele der im Durchschnitt 15 bis 30 Quadratmeter großen Inselchen waren aus Holz gefertigt. Vor allem aber aus Materialien, die lokal verfügbar waren.
Charakteristisch für die Bauweise von Crannógs waren größere Materialmengen, die auf dem Grund der Gewässer stabil auflagen und so als Basis für die tragende Fläche oberhalb des Wasserspiegels dienten.

Das sichtbare Ergebnis war dann stets eine kleine Insel, die beispielsweise Dämme zum Ufer oder Anlegestellen haben konnten. Teilweise sollen die Crannógs auch durch Palisaden in Form vertikal eingerammter Pfähle gegen ungewollten Besuch geschützt gewesen sein.

Viel mehr scheint über die Bauten allerdings nicht bekannt zu sein. Auch nicht, ob sie in manchen Fällen eher rituell-zeremoniell als pragmatisch genutzt wurden. Spannend ist diese Frage deshalb, weil mehrere der in ihrem Umfeld gefundenen Gefäße durchaus atypisch verziert waren.

Die Forschungsarbeiten wurden von Dr. Simon Hammann und Dr. Lucy Cramp am Institut für Anthropologie und Archäologie der Universität Bristol geleitet. Die nächste Phase der Untersuchung zielt auf mögliche Bezüge zwischen den Crannógs und anderen neolithischen Siedlungsplätzen in der Hebriden-Region ab.

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