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Auf ein Tänzchen mit dem Guizer Jarl

Die Nacht der Wikinger: Das „Up Helly Aa“-Festival 2024 auf Shetland – 24 Stunden Spektakel

Jedes Jahr findet in Lerwick, der Hauptstadt der Shetlandinseln, Ende Januar ein Wikinger-Festival statt, das den Namen wahrlich verdient hat. Auch für 2024, am Dienstag, bot „Up Helly Aa“ eine fast schon triumphale Machtdemonstration der Insulaner – ganze 24 Stunden lang.

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Die alljährliche Verbrennung eines detailgetreu nachgebauten Wikingerschiffes. (Foto: Shetland.org)

Man kann den Stellenwert des Festivals nicht hoch genug hängen. Hunderte von Freiwilligen arbeiten im Grunde 364 Tage im Jahr auf den Tag X hin, wobei auch diesmal wieder ein Großteil der Organisation hinter verschlossenen Türen stattfand.

Denn es galt und gilt, das größte Geheimnis dieses Tages zu hüten. Nämlich die Frage, was das Oberhaupt des Festes, der den Wikingerhäuptling repräsentierende „Guizer Jarl“, tragen wird. Und welche Figur aus den nordischen Sagen er darstellt.

Es gibt auch Ableger von Up Helly Aa in anderen Regionen, aber Lerwick ist das Original, weshalb auch am vergangenen Dienstag wieder die ganze Stadt und viele Besucher auf den Beinen waren, um dem Fest beizuwohnen.

Highlight war auch bei dieser Auflage wieder der ritualisiert-legendäre Fackelzug, bei dem rund 1.000 schwer verkleidete Fackelträger in Gruppen, den so genannten Squads, in den abgedunkelten Straßen der Hauptstadt aufmarschierten.

Pünktlich um 19.30 Uhr explodierte die Signalrakete über dem Rathaus von Lerwick

Die Bilder in diesem Artikel transportieren hoffentlich die atemberaubende Stimmung, die geherrscht hat. Während des Fackelmarsches trägt übrigens nur die Führungsgruppe, der Jarl’s Squad, Wikinger-Kleidung. Der Rest trägt Kostüme, die mal mittelalterlich, mal humoristisch sind. Alles ist erlaubt.

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Spektakel sondergleichen: der abendliche Fackelzug durch die Stadt. (Foto: Shetland.org)

Pünktlich um 19.30 Uhr explodierte dann eine Signalrakete über dem Rathaus von Lerwick, die sozusagen den Startschuss für den Umzug bis zum Brandplatz markierte. Die Fackeln werden angezündet, Musik ertönt. Ein Erlebnis sondergleichen.

Auch in diesem Jahr hat sich der Fackelzug wieder langsam eine gute halbe Meile hinter dem Guizer Jarl herbewegt, der mit stolzgeschwellter Brust am Steuer seines Wikinger-Langschiffs stand und wachte. Natürlich ist es ein Nachbau, in viermonatiger Detailarbeit entstanden, das nur am Rande.

Nach gut einer halben Stunde haben sich die Marschierenden durch das Bad in der Menge – irgendwas zwischen 5.000 und 10.000 Menschen – zum Ort des großen Finales vorgearbeitet, wo ein Hornsignal den Befehl zum Verbrennen des Wikingerschiffes gab.

Allen voran immer der Guizer, der standhaft bleiben musste und viel tanzen

Alle Fackeln der das Schiff umkreisenden Träger bildeten das Feuer. Währenddessen wurde gesungen oder andächtig den Flammen bei der Arbeit zugeschaut. Anschließend wurde weitergezogen zu den Festen in der Stadt.

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Etwa 1.000 Menschen bildeten am vergangenen Dienstag (30. Januar) den Fackelzug. (Foto: Shetland.org)

Allen voran immer der Guizer, der standhaft bleiben musste und viel tanzen. Und zwar die ganze Nacht, weshalb nicht auszuschließen ist, dass der Wikingerhäuptling bis in den Februar hinein durchgeschlafen hat. Passen würde es jedenfalls zu dieser Nacht der Nächte.

Seinen ideellen Ursprung hat Up Helly Aa vor etwa 1.200 Jahren. Der Fackelzug und das Verbrennen des Schiffes erinnern an nordische Rituale bei der Einäscherung großer Häuptlinge und an religiöse Zeremonien, die gleichzeitig die Rückkehr der Sonne nach der Wintersonnenwende ankündigen.

Real existiert das Wikinger-Festival aber erst seit weniger als 150 Jahren. Und wie Shetland.org berichtet, ging es dabei weit weniger gesittet zu als heutzutage. Es wird berichtet, dass Up Helly Aa in den ersten Jahren geprägt war von Krawall und Ausschreitungen.

Als Dankeschön bekam der Auserwählte ein brennendes Teerfass vor die Tür gestellt

Der in Strömen fließende Alkohol, die locker sitzenden Waffen und eine Sitte der speziellen Art sorgten für ordentlich Druck im Kessel. Denn manchmal wurde der Tag genutzt, um abzurechnen und den unbeliebtesten Bürger der Stadt zu küren.


(Aktuelles Video vom Fackelzug und der Schiffsverbrennung)

Als kleines Dankeschön bekam der Auserwählte dann ein brennendes Teerfass auf die Türschwelle gestellt. Da hast du es, Schurke! Heute, das ist versprochen, geht es bei dem Festival grundfriedlich zu.

Wer Up Helly Aa in Lerwick gerne einmal persönlich erleben will, ist dazu herzlich eingeladen. Die Stadt teilt mit, dass sowohl der morgendliche Marsch als auch der abendliche Fackelzug und die Schiffsverbrennung öffentliche Veranstaltungen sind.

Nur sind eben die Eintrittskarten für die anschließenden Feiern in den Up Helly Aa-Hallen äußerst begrenzt. Ein kleines Kontingent landet im freien Verkauf, mehr nicht. Man kann sich auch im Januar im sogenannten iCentre in Lerwick auf eine Warteliste setzen lassen und hoffen – unter +44 (0) 1595 3434.

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