Facebooktwitterpinterestrssinstagram

Brasilianische Gouverneure wollen den Amazonas-Fonds retten

Brasilianischer Präsident beschimpft Norwegen und Deutschland

Als Reaktion auf die Entscheidung Norwegens, die Finanzhilfen für den Amazonas-Fonds einzustellen, veröffentlichte der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro auf Twitter irreführende Bilder vom Walfang. Das berichtet heute die Nachrichtenagentur AFP.

Norwegen Brasilien Amazonas
Auf dem Rio Guaporé im Amazonas. (Symbolbild Luis Deltreehd)
„Sehen Sie sich die von Norwegen gesponserte Tötung von Walen an“, schrieb Bolsonaro gestern auf Twitter.

Der Tweet enthält ein Video und Fotos einer spektakulären Walschlachtung im flachen Wasser einer Bucht, die an Land watenden Menschen sind mit Hakenmessern bewaffnet. Das Walblut färbt das Wasser rot.

Was da gezeigt wird, ist ein Grindadráp, ein ausschließlich auf den Färöern üblicher Grindwalfang. Zwar eine grausame Art, Wale zu fangen, die jedoch wenig mit Norwegen gemein hat.

Norwegen ist eines der wenigen Länder der Welt, das kommerziellen Walfang erlaubt. Die Wale werden jedoch einzeln, auf hoher See von einem Schiff aus gestellt – soz. Mann gegen Wal. Gut, der Mann ist mit Harpunen bewaffnet, in denen Granaten montiert sind.

„Wir können bestätigen, dass das Video/die Fotos nicht aus Norwegen stammen“, teilte das norwegische Fischereiministerium AFP in einer E-Mail mit. „Unser Walfang findet von Schiffen aus auf See statt“, so das Ministerium weiter und ergänzte, dass die norwegische Praxis „nachhaltig“ sei.

Ein norwegischer Bericht aus der Jagdsaison 2011/12 (neuere Daten liegen nicht vor) belegt, dass die Walfangmethode der Norweger zwar nachhaltig sein mag, jedoch keineswegs „humaner“ ist.

In einem Beitrag des GEO-Magazin vom 11.09.2018 heißt es, „… dass fast ein Fünftel der harpunierten Tiere bis zu 25 Minuten leiden, bevor der Tod eintritt. Bei den 49 Walen, die nicht sofort tot waren, dauerte der Todeskampf im Schnitt sechs Minuten.“

Dennoch liegt Bolsonaro völlig daneben, wenn er Norwegen und Deutschland attackiert. Auf Twitter bekam er dafür Antworten wie diese: „Falsche Informationen zu verbreiten, ist ein Verbrechen, Herr Präsident“. Ein Twitter-Nutzer schrieb: „Haha, was für einen dummen Präsidenten Brasilien hat! Dies ist NICHT aus Norwegen! Wir töten keine Wale wie diese. Machen Sie Ihre Hausaufgaben, wenn Sie respektiert werden wollen!“

Bolsonaro wettert gegen Norwegen, seit das Land in der vergangenen Woche bekannt gegeben hat, dass es, wie Deutschland, wegen der expansiven Abholzungspolitik von Brasiliens Präsident 30 Millionen Euro an Finanzhilfen für Brasilien einfrieren werde.

Norwegen ist der größte Geldgeber des Amazonas-Fonds. Seit 2008 hat das Land bereits 830 Millionen Euro in den Fonds eingezahlt, das sind fast 95 Prozent des Gesamtvolumens, wobei Deutschland den größten Teil des Restbetrags leistet.

Seit Einrichtung des Fonds im Jahr 2008 gingen die Rodungszahlen im Amazonas-Regenwald stark zurück. Das änderte sich, als der Rechtspopulist Jair Bolsonaro Anfang des Jahres Präsident wurde.

Oslo sagt, Brasilien wolle unter Bolsonaros Führung „die Entwaldung nicht länger stoppen“ und fügte hinzu, Brasilien habe einseitig „die Vereinbarung [zum Amazon-Fonds] gebrochen“.

Bolsonaro reagierte sofort und wütend.

„Norwegen, ist das nicht das Land, das dort oben am Nordpol Wale tötet? Und das auch Öl fördert? Das ist für uns überhaupt kein Vorbild. Lasst sie ihr Geld behalten und Angela Merkel bei der Wiederaufforstung Deutschlands helfen“, polterte er.

Bolsonaros Äußerungen lösten bei den Gouverneuren der Bundesstaaten im Amazonasgebiet Verärgerung aus, heißt es im Bericht der AFP.

„Wir bedauern die Haltung der brasilianischen Regierung, durch die die Subventionen für den Fonds ausgesetzt wurden“, heißt es in einer Erklärung der Gouverneure.

Die brasilianischen Teilstaaten wollen nun nicht mehr über die Zentralregierung, sondern direkt mit den Europäern verhandeln.

Die Gouverneure schlugen ferner vor, dass eine Regionalbank künftig als „Finanzmanager“ des Fonds fungiere, und nicht mehr die staatliche Entwicklungsbank BNDES.

ap

Facebooktwitterredditpinterestmail

Hinterlasse einen Kommentar

avatar