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Kampf um Unabhängigkeit

FREIHEIT 1991: Fotoausstellung zum 30. Jahrestag der Barrikaden in Riga

Als Deutschland bereits wiedervereinigt war und Helmut Kohl zum ersten gesamtdeutschen Bundeskanzler ernannt wurde, musste die Freiheit in den baltischen Staaten noch hart erkämpft werden.

Demonstration Barrikade Riga ausstellung
(© Joris van Velzen)
Am 13. Januar 1991 gab es in Riga eine Großkundgebung mit 700.000 Menschen, die Lettlands Unabhängigkeit forderten und schließlich Barrikaden gegen die Sowjetarmee bauten.

In seinem Artikel „Riga dröhnt“, erschienen in der Zeit am 6. September 1991, schrieb Eckhard Roelcke über die Barrikaden:

„Für die berüchtigten Soldaten der paramilitärischen Omon-Truppe, die an ihren schwarzen Baretten zu erkennen sind, waren die Barrikaden kein wirkliches Hindernis. Das Rundfunkgebäude hatten sie während des Putsches über die Dächer der benachbarten Häuser besetzt. Und mit Gewalt hätten sie jedes Hindernis beiseite räumen können.

Die Barrikaden hatten eine symbolische Aufgabe: Wer sie angriff, zeigte damit, daß er auch bereit war, über Leichen zu gehen. Hier können Ereignisse eskalieren. Die Politiker und Militärs allerdings scheuten davor zurück. Die Symbolik der Barrikaden war mehr wert als ihr taktischer Vorteil im Straßenkampf.“

Am 20. Januar 2021 jähren sich zum 30. Mal die Ereignisse rund um die Barrikaden in Riga, als die sowjetische Spezialeinheit Omon die Unabhängigkeitsbestrebungen Lettlands mit militärischen Mitteln zu unterbinden versuchte. Ähnlich wie am 13. Januar 1991 in Litauen, dem Blutsonntag von Vilnius, gab es auch in Riga Todesopfer und viele Verletzte.

Dieser Jahrestag ist ebenfalls von Bedeutung, da die Omon-Spezialeinheiten in anderen Ländern nach wie vor gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werden, um die Opposition oder Andersdenkende zu terrorisieren.

Ausstellung FREIHEIT 1991

Barrikade Riga Jahrestag Unabhängigkeit Trauerfeier Lettland Riga

(© Joris van Velzen)

Unter dem Titel FREIHEIT 1991 hat die Botschaft der Republik Lettland in Berlin eine digitale Ausstellung und Texte zum 30. Jahrestag der Ereignisse in Riga veröffentlicht.

Der niederländische Fotograf Joris van Velzen, der 1989 in die UdSSR zog, wo er als Fotokorrespondent arbeitete, reiste im Januar 1991 zusammen mit seinem Kollegen Flemming Rose nach Riga, wo die Bilder, die nun in der Ausstellung zu sehen sind, für die dänische Zeitung Berlingske Tidende entstanden.

Während des Aufenthaltes führten der erfahrene Korrespondent Rose und sein Fotograf Gespräche mit Verfechtern der lettischen Unabhängigkeit wie Anatolijs Gorbunovs (in der Cafeteria des Obersten Rates der Republik Lettland – heute die Saeima), aber auch, auf der anderen Seite, mit dem “Schwarzen Oberst” Viktors Alksnis.

Alksnis war eine der Hauptfiguren hinter der Rigaer Omon-Einheit, die gewalttätig gegen die Demonstranten in den Tagen des Freiheitskampfes vorging. Nachdem er 1992 das Land verlassen hatte, wurde er in Lettland zur Persona non grata erklärt.

Die Schwarzweiß-Filme wurden im Badezimmer des Hotels Intūrists mit aus Moskau mitgebrachten Chemikalien entwickelt, um anschließend auf abenteuerlichem Wege nach Kopenhagen versandt zu werden. Die damals nach Dänemark versandten Filme sind verloren gegangen; es blieben zwei erst viel später entwickelte Filme vom Tag der Beerdigung der Opfer vom 20. Januar 1991.

Es sind wichtige Zeitdokumente, die vom Streben eines Volkes nach seiner Selbstbestimmung zeugen.

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ap

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