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Arnamagnäanische Sammlung

Dänemark und Island streiten sich um kostbare mittelalterliche Manuskripte

Wie die Wikinger im Frühmittelalter gehen sie auf einander los: Island will ein Geschenk an Dänemark zurück haben, Dänemark sieht die Forderung als ungerechtfertigt an.

Es geht um eine unschätzbar wertvolle Sammlung mittelalterlicher Manuskripte, die ein isländischer Gelehrter im 18. Jahrhundert der Universität Kopenhagen hinterlassen hat und die Island nun zurückfordert.

Arnamagnäanische Sammlung
Möðruvallabók – ist eine der bekanntesten isländischen Handschriften der Arnamagnäanischen Sammlung. Sie entstand etwa um 1350 und enthält als Sammelband Isländersagas. (Abbildung gemeinfrei)
Die Manuskripe erzählen Geschichten über Raubzüge der Wikinger, altnordische Geschichte, Könige und Götter. Die UNESCO nannte sie „die wichtigste Sammlung früher skandinavischer Manuskripte“, die früheste von ihnen stammt aus dem 12. Jahrhundert.

Islands Kultur- und Bildungsministerin, Lilja Alfredsdottir, möchte die Sammlung zurückhaben, wie die Nachrichtenagentur AFP gestern berichtete.

Einige der Texte – bekannt als die Arnamagnäanische Sammlung – wurden bereits nach Reykjavik zurückgebracht, aber 1.400 Dokumente sind in Kopenhagen geblieben.

Das Juwel der Sammlung ist eine fast vollständige Kopie der „Heimskringla“ (altnordisch für Weltkreis) aus dem frühen 15. Jahrhundert – die bekannteste der altnordischen Königssagen, die ursprünglich vom isländischen Dichter und Historiker Snorri Sturluson um 1230 verfasst wurde.

Im Gegensatz zu vielen isländischen mittelalterlichen Manuskripten, die nur wenige dekorative Verzierungen aufweisen, ist diese Version des Heimskringla auf jeder Seite mit einer roten Schrift aufwendig verziert.

Die Arnamagnäanische Sammlung ist nach dem in Island geborenen Historiker und Literatur- und Sprachwissenschaftler Arni Magnusson benannt, der 1730 in Kopenhagen starb und dort etwa 3.000 Manuskripte hinterließ. Jedes Mal, wenn ein Dokument aus der Sammlung von der Universität verliehen wird, ist es für bis zu 670.000 Euro versichert.

Gemeinsame Geschichte

Darauf bedacht, gute Beziehungen zu seiner ehemaligen Kolonie zu unterhalten, kam Dänemark in den 1960er Jahren Islands Aufforderung nach, einen Teil der Sammlung zurückzugeben. Ein 1965 unterzeichneter Vertrag teilte die Dokumente auf.

Entsprechend dieser Vereinbarung wurde zwischen 1971 und 1997 mehr als die Hälfte der Manuskripte an Island übergeben. Die Aufteilung der Dokumente zwischen den beiden Nationen war jahrelang unumstritten gewesen, bis heute.

Die Kultur- und Bildungsministerin, Alfredsdottir, hat das Thema im Zusammenhang mit dem Bau eines neuen Magnusson-Instituts, in dem eine Ausstellung mittelalterlicher Dokumente gezeigt wird, wieder auf die Tagesordnung gesetzt.

„Für uns ist es wichtig, dass sich die Manuskripte in größerem Umfang in Island befinden“, sagte Alfredsdottir gegenüber AFP.

Gemischte Ansichten

Matthew Driscoll, der für die Sammlung der Universität Kopenhagen zuständige Professor, ist von dieser Idee nicht begeistert. Er argumentiert, dass die verbleibenden Manuskripte Teil des dänischen Kulturerbes seien, heißt es im Bericht der Nachrichtenagentur AFP.

Die Geschichte Islands und Dänemarks ist eng verwoben. Island stand seit dem 17. Jahrhundert unter dänischer Herrschaft, bis das Land 1944 seine Unabhängigkeit erklärte.

Laut Driscoll hat die Universität Kopenhagen mit Reykjavik gut zusammengearbeitet, alle Werke digitalisiert und Forschern zur Verfügung gestellt.

„Dies sind keine Dinge, die illegal erworben oder gestohlen wurden … Arni besaß diese Manuskripte selbst, sie wurden ihm gegeben oder er kaufte sie und überließ sie dann auf völlig legale Weise der Universität Kopenhagen“, sagte Driscoll gegenüber AFP.

Auch in Island gibt es gemischte Ansichten darüber, ob die Texte zurückgegeben werden sollten.

Haraldur Bernhardsson, Professor für Mittelalterforschung an der Universität Island, erklärte, er stimme voll und ganz der Notwendigkeit zu, das kulturelle Erbe für zukünftige Generationen sichtbar zu machen.

Aber er fügte hinzu: „Ich denke, wir können das in Zusammenarbeit mit der Arnamagnäanischen Sammlung in Kopenhagen tun.“

Wenn alle isländischen Werke in Reykjavik blieben, würde die Anzahl der Wissenschaftler, die sie studierten, tatsächlich begrenzt, sagen einige Wissenschaftler.

ap

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