HPV-Impfung

Schulen fragen nicht mehr nach Erlaubnis der Eltern bei der Impfung der Kinder

| 17.08.2018 - 13:40 Uhr

Manche Eltern verweigern eine HPV-Impfung ihrer Töchter, künftig jedoch werden die Schulen nicht mehr nach einer Erlaubnis der Eltern für eine solche Impfung fragen.

HPV-Impfung Finnland

Vorurteile und Mythen rund um die HPV-Impfung frustrieren Mediziner.
(Symbolbild Dirk Fuhlert)


Bislang wurden die Eltern um ihre Zustimmung gefragt, bevor ihre Töchter gegen sexuell übertragbare humane Papillomaviren (HPV) geimpft wurden. Diese Viren verursachen unter anderem Gebärmutterhalskrebs. Viele Erziehungsberechtigte verweigerten ihre Zustimmung zu dieser Impfung, so dass viele Mädchen ungeimpft blieben. Nach einem Bericht der Yle Nachrichten vom 15. August soll sich dies nun ändern.

Tuija Leino, Leiterin der Impfabteilung des Nationalen Instituts für Gesundheit und Soziales (THL), sagt gegenüber Yle, die Erlaubnis der Eltern sei Anfangs erforderlich gewesen, da es den Eltern nicht bewusst gewesen ist, dass die HPV-Impfung Teil des nationalen Impfgrogramms gewesen sei. Da es nun den Leuten bewusst sei, sei die Einholung der Erlaubnis nicht mehr nötig.

Das Nationale Institut für Gesundheit und Soziales gibt an, dass in den vergangenen fünf Jahren rund die Hälfte aller 11 bis 12 jährigen Mädchen eine HPV-Impfung erhalten haben. Solange ist diese schon Teil des Programms.

Eltern fürchten, diese Impfung fördere sexuelle Freizügigkeit der Teenager

„Man sollte meinen, die Leute würden eine Impfung zur Vorbeugung von Krebs begrüßen.“, sagt Leino gegenüber Yle. „Doch das ist nicht der Fall.“

Die regionalen Unterschiede der Impfrate sind zum Teil krass. In städtischem Umfeld beträgt sie 70-80 Prozent, in manchen Bezirken auch 90 Prozent. Dann gäbe es wiederum Gegenden, in den nur die Hälfte der Mädchen geimpft sei, so Leino.

Das THL sagt, die Frage um Erlaubnis führt dazu, dass Eltern über die Sache ins Grübeln kommen, und darum hernach oft ihr Nichteinverständnis erklärten.

Leino sagt, Eltern hätten das Gefühl, ihre Töchter bräuchten die Impfung nicht, obgleich Dreiviertel aller Frauen im Laufe ihres Lebens sich mit dem Virus ansteckten, und Gebärmutterhalskrebs die dritthäufigste Krebsart in Finnland ist.

Von Impfgegnern geimpft

Yle berichtet darüber hinaus davon, dass eine Krankenschwester aus Tornio, einer Grenzstadt im Norden des Bottnischen Meerbusens, die Erfahrung gemacht hat, dass manche Eltern sich von der Argumentation der Impfgegner im Internet verwirren lassen, andere könnten sich nicht vorstellen, dass ihre Töchter sexuell aktiv werden könnten.

Die Mediziner seien von falschen Annahmen rund um die Impfung frustriert, heißt es da.

Studie belegt: HPV-Impfstoff ist sicher

Diese Woche ist eine groß angelegte Studie veröffentlicht worden, die sämtliche Behauptungen über die Nebenwirkungen des Impfstoffes gegen humane Papillomviren widerlegt. Die Forscher konnten keinerlei Zusammenhang zwischen einer HPV-Impfung und einer, so der Vorwurf der Gegner, unerwünschten Arzneimittelwirkung feststellen.

Die Impfung ist in Finnland momentan für Mädchen im Alter von 10-12 Jahre erhältlich. Das THL erwägt nun eine entsprechende Impfung im Rahmen des nationalen Impfprogramms auch für Jungs einzuführen.

Diesen Sommer fand eine Studie der Universität Tampere heraus, dass eine 45-prozentige Immunisierung von Mädchen und eine 20-prozentige der Jungs bereits genügen würde, um eine Herdenimmunität gegen eine Reihe von humanen Papillomviren zu erreichen.

Vorbild Finnland

In Finnland gibt es keine gesetzliche Impfpflicht. Jedoch besitzt das Land mit dem nationalen Impfprogramm ein starkes Aufklärungsinstrument, mit dessen Hilfe es Finnland gelang, als erstem Land der Welt, frei von Masern, Mumps und Röteln zu werden. Seit 1996/97 existieren diese Infektionskrankheiten praktisch nicht mehr in Finnland.

Im Jahr 2014 wurden drei Masern-Fälle gemeldet – im selben Jahr zählte die WHO in der Region Europa (einschließlich Russland und asiatische ehemalige Sowjetrepubliken) 22.000 Masern-Fälle. Allein in Italien gab es 1.700 Krankheitsfälle.

ap

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