Limbo zwischen Kultur und Massaker

Norsemen – Netflix Serienhit aus Norwegen

| 12.11.2018 - 8:00 Uhr

Beschäftigt hatte mich der Titel schon Wochen bevor ich begann, die Serie anzusehen. „Norsemen“ – ist das nun eine Parodie dessen, wie Deutsche oder Norweger schlichtweg unfähig sind, das englische „Th“ auszusprechen und somit der Titel eigentlich „Northmen“ wäre und schlüssig, denn die Produktion von Jon Iver Helgaker und Jonas Torgersen handelt genau von den Männern … und Frauen aus dem düsteren Norden.

Norsemen Serie Netflix

Norsemen – eine urkomische Serie auf Netflix. (© Viafilm / NRK)


Die Nordmänner, engl. norsemen, waren Germanen, die Skandinavien bewohnten und um 800 bis 1300 n. Chr. altnordische Dialekte sprachen, bevor diese sich allmählich voneinander differenzierten. Zufällig fällt dieser Zeitraum in die Wikingerzeit und trifft genau meinen Klamauk-Nerv.

Norsemen, eine großartige und urkomische norwegische Produktion auf Netflix, die 2016 zuerst im norwegischen Fernsehen angelaufen ist und an einen deftigen Eintopf aus Elchgulasch, Testosteron und Monty Python erinnert, hat nun ihre zweite Staffel herausgebracht.

Das ganze Spektakel wurde einmal in Norwegisch und einmal in Englisch produziert. Als Nicht-Norweger und absoluter Laie auf dem Gebiet der nordischen Sprachen, hört sich Englisch mit einem norwegischen Akzent charmant, melodisch und gar liebenswert an. Die Norse-Wikinger sehen ganz und gar so aus wie wir uns dieses Volk vorstellen, sie benehmen sich streckenweise auch der Erwartung entsprechend, jedoch verliehen Jon Iver Helgaker und Jonas Torgersen den Norsemännern eine gewisse Kultiviertheit und Attitüde aus dem 21. Jahrhundert.

Norsemen Comedy-Serie

Orm, dargestellt von Kåre Conradi, im Dialog mit seinem Kreativdirektor und Sklaven Rufus, gespielt von Trond Fausa. (© Viafilm / NRK)


Die Dialoge zwischen den Norsemännern und ihren Genossen erinnern an Dialoge aus einem intellektuellen Matcha-Tee Stübchen im Soho, was wiederum das ganze Bild der Wikinger etwas schräg werden lässt. Sie plündern, vergewaltigen, saufen, fressen und töten. Vom Grundsatz kennt man das, die Norsemen jedoch befinden sich wegen eines römischen Sklaven im Limbo zwischen Kultur und Massaker. Und der Nachbarstamm macht ihnen auch noch die Helme heiß.

Nichts für treue Wikingerfans, die auf wahren Begebenheiten und auf historische Fakten stehen. Es ist mit das Lustigste, was ich bisher auf Netflix gesehen habe. Es triggerte mich so, dass ich diese kleine Rezension darüber schreibe und mich außerdem mehr für die wirklichen Begebenheiten der Wikinger interessiere.

9 von 10 Wikingerhelmen. Nur 9, weil ich die zwei Staffeln in 12 Stunden runtergerissen habe und nun warten muss bis Odin bzw. Helgaker und Torgersen eine neue Staffel erscheinen lassen.

Ich freue mich!

Skål!

Nicola

Über die Autorin
Nicola, aufgewachsen in Edinburgh und München, studierte Schottische Geschichte und arbeitete bei The Witchery Tours als offizielle Geschichtenerzählerin und Erschreckerin (als erste und einzige Frau), wo sie viele Touristen in Angst und schreckliches Vergnügen versetzte.

Ihre Familie ist weiterhin in Edinburgh und erschrickt sich nicht mehr.

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