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„Jetzt oder nie!“

Estland: Hinterbliebene wagen Tauchgang zum Wrack der MS Estonia

Was führte in der Nacht zum 28. September 1994 zum Untergang der MS Estonia, der 852 Menschen aufs Tragischste aus dem Leben riss? War es die defekte Bugklappe der Fähre? War es eine Kollision? Womöglich mit einem U-Boot? Oder eine Detonation an Bord? Gar ein Anschlag?

Estonia Estline Fähre
Die Fähre Estonia des estnische-schwedischen Unternehmens EstLine.
(Quelle: EstLine/Facebook)
Auch kurz vor dem 27. Jahrestag der Tragödie in der Ostsee halten sich die Theorien zur Unglücksursache wacker. Da halfen bislang keine Gutachten und Expertenmeinungen, die im Grunde klar auf technisches Versagen abzielen.

Und auch keine politischen Versuche, die Nachforschungen am Wrack aus Gründen des Anstandes und der Totenruhe ein für alle Mal zu verbieten. Nein, richtig ruhig ist es um die Estonia seit ihrem Untergang nie geworden.

Dass die Ungläubigkeit der Hinterblieben womöglich mehr als berechtigt ist, förderte dann vor gut einem Jahr neues Videomaterial zutage, das ein metergroßes Loch im Rumpf des Wracks zeigt. Seither ist wieder so viel Bewegung in die Sache gekommen, dass nun ein neues Gutachten endgültige Gewissheit bringen soll.

2022 wird es zu umfassenden Untersuchungen kommen, darauf haben sich die Regierungen der vom Untergang am meisten betroffenen Länder Estland, Schweden und Finnland inzwischen verständigt. So weit, so gut also?

Nein, scheint recht eindeutig die Meinung der Hinterbliebenen-Organisation „Memento Mare“ zu sein, die nun für den 18. September 2021 einen Tauchgang für Hinterbliebene zum Wrack der Estonia angekündigt hat.

„Jetzt oder nie“, teilte ein Sprecher der Organisation in Estland mit. Man wolle mit der spektakulären Aktion weder „nach Schuldigen suchen“ noch „eine bestehende Theorie beweisen“, heißt es in dem Statement weiter.

Vielmehr gehe es bei dem Tauchgang darum, „zumindest einige der Fragen zu beantworten, die wir haben“, so der Sprecher. Überlebende und Hinterbliebene des Unglücks haben seit Langem die Wiederaufnahme der Untersuchungen gefordert.

Aber scheinbar gibt es nach wie vor Zweifel an deren Ernsthaftigkeit, trotz aller politischen Ankündigungen. Daher darf man nun gespannt sein, mit welchen neuen Erkenntnissen und auch Fragen die Hinterbliebenen in gut anderthalb Wochen wieder auftauchen werden.

Der Untergang der Estonia gilt als die schwerste europäische Schiffskatastrophe nach dem 2. Weltkrieg. Die Fähre war in der Nacht zum 28. September 1994 auf ihrem Weg von Tallinn (Estland) nach Stockholm (Schweden) vor der finnischen Südküste gesunken.

An Bord waren 989 Menschen, von denen lediglich 137 überlebten. 1997 gab es einen ersten offiziellen Untersuchungsbericht, demzufolge das bei hohem Wellengang abgerissene Bugvisier die Hauptursache für den Untergang gewesen sein soll.

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sh

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