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Umstrittene Ex-Premierministerin

England: Statue von Margaret Thatcher eingeweiht – und gleich mit Eiern beworfen

Diese Woche wurde eine rund 3 Meter große Statue der britischen Ex-Premierministerin Margaret Thatcher in ihrer Heimatstadt Grantham (Lincolnshire) eingeweiht – und ist keine zwei Stunden danach mit Eiern beworfen worden.

Später posierte ein Gegner der Statue sogar demonstrativ neben dem laut BBC 300.000 Pfund teuren Bronze-Abbild Thatchers, um interessierte Eierwerfer mit der notwendigen Munition zu versorgen. Für stattliche 10 Pfund pro Ei. Ein Geschäftssinn, der Margaret Thatcher womöglich gefallen hätte.

Im Wissen um die massive Kritik am politischen Erbe der Premierministerin der Jahre 1979 bis 1990 hatten die Initiatoren die Statue mit einer Videoüberwachung versehen. Zu groß war im Vorfeld die Sorge vor Vandalismus.

Dass aber gleich in den ersten Stunden nach der Aufstellung die Eier fliegen würden, und zwar am helllichten Tag, hätte dann doch niemand für möglich gehalten. Gekommen ist es anders, und die örtliche Polizei hatte gleich eine Anzeige wegen krimineller Beschädigung an der Backe.

Ursprüngliche Pläne, Thatcher sogar auf dem Parliament Square in London zu verewigen, sind nach einigem Hin und Her abgelehnt worden. Damit lief es schnell auf eine kleine Lösung in ihrer Heimat hinaus, wo Thatcher 1925 auf die Welt kam.

Der Ratsvorsitzende der Stadt würdigte die Politikerin als einen elementaren Teil des Erbes von Grantham. „Sie und ihre Familie haben enge Verbindungen zu unserer Gemeinde. Sie selbst ist hier geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen.“

Es sei daher angemessen, dass ihre Heimatstadt an sie erinnert. Und dass die Debatte über das politische Wirken Thatchers in Grantham stattfindet, so der Ratsvorsitz: „Wir dürfen uns niemals vor unserer Geschichte verstecken. Dieses Denkmal wird für Generationen ein Gesprächsthema sein.“

Ein kritisches Gesprächsthema, hätte es eher heißen müssen, was allein die kurze Lebensgeschichte der Statue zeigt. Der Stadtrat von Westminster (London) hatte ein Aufstellen 2018 aus Furcht vor „zivilem Ungehorsam und Vandalismus“ abgelehnt.

Danach wurde die Bronze-Darstellung alternativ der Stadt Grantham angeboten. Doch auch hier entfiel eine geplante Enthüllungszeremonie im Jahr 2020, nachdem u.a. eine Facebook-Gruppe einen „Eierwurf-Wettbewerb“ vorgeschlagen und rasch mehr als 13.000 Fans hatte.

Der Blick auf Thatcher, 2013 im Alter von 87 Jahren verstorben, wird heute mit einer Reihe von Richtungsentscheidungen gleichgesetzt, die bei einem Teil der britischen Öffentlichkeit alles andere als beliebt, ja verhasst sind.

So konnte sie nach anfänglicher Sympathie mit dem europäischen Einigungsprozess im Laufe ihrer Ägide immer weniger anfangen und soll ihm letztlich sogar feindselig gegenübergestanden haben (Stichwort Brexit).

Hinzu kommen die durch Thatcher angeschobene Deregulierung des Finanzsektors und die Flexibilisierung der Arbeitsmarktgesetze. In der Folge wurden Staatsunternehmen in großem Umfang privatisiert und der Einfluss der britischen Gewerkschaften stark gemindert.

Alles Dinge also, die die Schere zwischen Arm und Reich auf der Insel bis heute weit haben aufgehen lassen. Letztlich passt nur zu gut zu Thatchers Glaube an die Allmacht der Märkte, dass die Eier, mit denen ihre Statue in diesen Tagen besudelt wird, satte 10 Pfund das Stück kosten.

Oli Dugmore, der Eierverkäufer

Der Eierverkäufer von Grantham ist Oli Dugmore, und er ist eigentlich der Chefredakteuer des Politik-Ressorts des Magazins JOE.co.uk.

Heute morgen veröffentlichte er ein Video, das deutlich macht, dass es dem Eierverkäufer nicht um merkantilen Profit geht, sondern um politischen Protest, oder einfach um Provokation derer, die für das Aufstellen der Statue verantwortlich zeichnen.

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