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1682 vor Küste von Norfolk gesunken

England: Fundstücke aus Wrack der „H.M.S. Gloucester“ werden 2023 ausgestellt

Nachdem in Juni die Entdeckung der 1682 vor der Küste von Norfolk gesunkenen „H.M.S. Gloucester“ offiziell bekanntgegeben worden ist, gibt es nun ein Datum, auf das sich die Fachwelt und Freunde der Unterwasserarchäologie wirklich freuen dürfen.

Fotos: Norfolk Historic Shipwrecks

Ab dem 25. Februar 2023 werden nämlich ausgesuchte Fundstücke aus dem 1654 erbauten Schiff im Norwich Castle Museum zu sehen sein. Die Entdeckung des Wracks, nur um das historisch einzuordnen, gilt als einer der allerwichtigsten in der langen Reihe maritimer Funde Großbritanniens.

Der genaue Verbleib der Gloucester war lange Zeit ein Rätsel, bis ein ambitioniertes Team um die Gebrüder Barnwell nach mehrjähriger Recherche bei einem Tauchgang Kanonen entdeckte, die allerdings erst deutlich später dem ehemaligen Kriegsschiff zugeordnet werden konnten.

„Wir haben über 6.500 Kilometer Strecke abgesucht, aber alles, was wir fanden, war Sand“, teilte einer der Brüder, Lincoln, später mit. „Eines Tages stießen wir dann bei einem Tauchgang auf eine Reihe von Kanonen, die über den Meeresboden verstreut lagen. Ein unvergesslicher Moment.“

Aber interessanterweise liegt dieser Moment schon 15 Jahre zurück. 15 Jahre, in denen es tatsächlich gelang, den meeresarchäologischen Coup geheim genug zu halten, um Gegenstände aus dem Wrack begutachten und bergen zu können. Es brauchte halt definitive Beweise, dass das die Gloucester war.

Tatsächlich dauerte es noch bis 2012, bis die inzwischen ebenfalls geborgene Glocke des Schiffes Gewissheit brachte. Jedenfalls im kleinen Kreis, da die Sensation wegen weitreichender Maßnahmen zur Sicherung der Fundstelle nochmals für zehn Jahre unter Verschluss bleiben musste. Eben bis zum Juni dieses Jahres.

Der spätere König war an Bord – und trug maßgeblich zum Unglück bei

Historisch von hoher Bedeutung ist der Untergang der H.M.S. Gloucester vor allem deshalb, weil er wahrscheinlich den Lauf der britischen Geschichte verändert hat. An Bord war nämlich der spätere König, Jakob II., dem gerade noch die Flucht von dem bereits sinkenden Schiff gelungen sein soll.

Zuvor hatte er selbst, damals noch Duke of York, den fatalen Befehl erteilt, Kurs durch die tückischen Sandbänke vor der englischen Ostküste zu halten. Bei hoher Geschwindigkeit soll es dann am 6. Mai 1682 morgens gegen 5:30 Uhr zur Kollision gekommen sein.

Etwa 200 der 330 Menschen an Bord des Vorzeigeschiffs mit über 50 Kanonen ertranken. Es war eine Katastrophe, die Zeit seines Lebens wie Blei an Jakob II. haften blieb. Und letztlich auch einer der Gründe dafür war, dass er sich lediglich vier Jahre auf dem Thron halten konnte.

Denn durch seinen dilettantischen Befehl zum Kurshalten war ihm nicht nur der Zorn der britischen Marine gewiss. Nein, auch seinen politischen Widersachern bot er durch den unnötigen Untergang der Gloucester immer wieder zusätzliche Angriffsfläche. Er regierte von 1685 bis 1689.

Zu den ausgestellten Objekten werden besagte Schiffsglocke, Navigationsgeräte und persönliche Gegenstände der Passagiere gehören. Darunter ein Kamm und eine Brille samt Etui aus Holz – wie alle anderen Gegenstände nach den vielen Jahren am Meeresgrund umfassend restauriert.

Besucher der Ausstellung werden aber nicht nur Artefakte vom Wrack zu sehen bekommen, sondern können durch eine Dokumentation auch nachempfinden, wie die langwierige Suche und die Entdeckung abgelaufen sind.

Museen aus Großbritannien und Kontinentaleuropa werden für die Ausstellung wichtige Gemälde, Dokumente und Gegenstände zur Verfügung stellen, die mit den maritimen, politischen, kulturellen und sozialen Begebenheiten der Zeit des Gloucester-Untergangs eng verbunden sind.

Die Ausstellung wird laut BBC bis zum 10. September 2023 zu sehen sein. Übrigens gehen Experten davon aus, dass bislang nur ein Bruchteil der Gegenstände aus dem legendären Wrack geborgen werden konnte. Da dürfte also noch einiges kommen in Zukunft.

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