Facebooktwitterpinterestrssinstagram

Was Sie dachten, niemals über Dänemark erfahren zu wollen

„Das Land erdet dich, es passiert einfach“ – Ein Gespräch mit Kristina vom Dorf über ihr neues Dänemark-Buch

Selbst eingefleischte Dänemark-Urlauber können wahrscheinlich nur erahnen, was für Schrägheiten das kleine Land mit dem immens großen Sympathie-Faktor zu bieten hat. Darum hat Kristina vom Dorf es anders gemacht: Auch sie ist hingefahren, na klar, aber mit dem Unterschied, dass sie dann da geblieben ist. Für rund fünf Jahre war das, von 2016 bis 2021.

Kristina vom Dorf
Kristina vom Dorf in Dänemark, die Autorin des Buches „Was Sie dachten, niemals über Dänemark erfahren zu wollen“*. (Foto: privat)
Ihre intensive Zeit im Norden hat die aus einem kleinen Nest im Osten der Republik stammende „Labertasche“, wie Kristina sich im Gespräch mit NORDISCH.info selbst beschreibt, nun in ein Buch gepackt. Erhältlich ist es seit 2022 unter dem Titel „Was Sie dachten, niemals über Dänemark erfahren zu wollen“. Druckfrisch also.

Ganz bewusst habe sie keinen Schmöker mit den handelsüblichen Reise- und Weggehtipps schreiben wollen, darauf legt Kristina Wert, sondern ein Buch, das dem Leser weit mehr verraten soll: Nämlich, wie sie so ticken, die Dänen, abseits von Tivoli, Stränden und kleiner Meerjungfrau. Der Däne in seinem Land sozusagen, beschrieben aus den Augen einer temporär zugewanderten Deutschen. Mutig, mutig, die Kristina.

Ihre Beobachtungen hat sie auf insgesamt 55 Aspekte verdichtet, die im Buch in kleinen Häppchen bzw. in je einem Kapitel dargestellt werden – alles sehr anschaulich, auf den Punkt und natürlich mit einer guten Portion Augenzwinkern präsentiert. Ein nicht nur unterhaltsames, sondern auch lehrreiches Buch.

„Das Land erdet dich, es passiert einfach“

Als Appetitanreger haben wir uns überlegt, in diesem Beitrag auf ein paar ausgesuchte Dänemark-Erkenntnisse von Kristina näher einzugehen. Allesamt Dinge, die wir so noch nicht auf dem Schirm hatten. Man lernt nie aus.

Zum Start interessiert uns aber das Ding mit dem Lebensglück, das die Dänen empfinden – und zwar empirisch erfasst, in Studien belegt. Ob sie den Grund kenne, fragen wir Kristina. „Logisch“, sagt sie, „die Dänen ersparen sich viel Ärger dadurch, dass sie menschlich miteinander umgehen.“

Und sie selbst? „Ich selbst habe diesen speziellen Grenzeffekt am eigenen Leib erfahren“, sagt Kristina, „Dänemark-Fans werden das wissen: Du kommst in dieses Land, und es erdet dich. Keiner weiß genau, wie es passiert, aber es passiert.“

Überhaupt spricht sie voller Hochachtung, ja Zuneigung über Land und Leute, was gesagt werden muss, da ihr Buch auch die ein oder andere Schattenseite des Lebens in Dänemark offen thematisiert. Kristina hat eben ganz genau hingesehen. Autorenpflicht, wenn man die „Liebe seines Lebens“ beschreibt.

Als kleiner Appetitanreger folgen 4 Passagen aus Kristinas Buch

Punkt 1: Der überaus ungesunde Freitag der Dänen

Niemals Dänemark Buch Cover
Cover des im März erschienenen Dänemarkversteherinnen-Buches.
(Quelle: Conbook Verlag)
„In Dänemark bekommen schon die Kleinsten den Fredagsslik in die Wiege gelegt, denn vor allem Familien zelebrieren diesen Naschtag voller Hingabe und können den Freitag kaum erwarten. Der Ablauf ist seit Jahrzehnten gleich: Jeden Freitag dürfen sich Kinder ihre Lieblingssüßigkeiten im Supermarkt kaufen. […] Die süße Beute wird dann nach Hause gebracht, und die ganze Familie sitzt am frühen Abend zusammen, spielt, redet oder schaut fern und verspeist dabei die Kalorienbomben.“

Punkt 2: Die Dänen sind schöner als du
„Während unsereins noch mit Make-up vorm Spiegel steht und versucht, das Beste aus sich herauszuholen oder das Schlimmste zu verhindern, sitzen die lebensfrohen Dänen schon lächelnd, ungeschminkt und mit nassem Haar auf ihren Fahrrädern und strahlen dabei eine unfassbar natürliche Schönheit aus. Der Fahrtwind gibt der Frisur den letzten Schliff und sorgt für rosa Wangen, ganz ohne Rouge.“

Punkt 3: Die Dänen lassen sich per Mausklick scheiden
„Sobald beide Ehepartner mit der Scheidung einverstanden sind, können sich die Dänen im Internet mithilfe eines vorgefertigten Online-Formulars per Mausklick rechtsgültig scheiden lassen. […] Für das unglückliche Ehepaar ist kein weiterer Kontakt mit der Behörde nötig. Bei einer derartigen Sofortscheidung gibt es weder Gerichtstermine, noch sind Anwälte involviert, wenn sich die Ehepartner in den Trennungs-, Güterteilungs- und Erziehungsfragen einig sind.“

Punkt 4: Die Dänen können nicht Auto fahren
„Auf der dreispurigen Autobahn haben die Dänen eine Leidenschaft für die mittlere und linke Spur. Auch wenn rechts kaum Verkehr ist, bleiben sie lieber entspannt auf der freien Spur und lassen sich treiben. […] Drei Kreuze, wenn der Däne die Autobahn wieder verlässt – was er natürlich ebenfalls besonders ruhig und besonnen macht: Schon viele Kilometer vor der eigentlichen Abfahrt wird abgebremst, und es geht auf die rechte Spur. Und dort tuckert man dann mit gefühlten 50 km/h bis zur Ausfahrt.“

Obwohl es kein Reiseführer per se ist, steht das Buch inzwischen auf Platz 1 in der Kategorie „Reiseführer Dänemark“* der Online-Plattform Amazon. – Vielleicht ist es kein Dänemark-Führer, aber ganz sicher ein Dänen-Führer. Er gewährt Einblicke in die Denk- und Funktionsweise von Dänen und Däninnen.

Das Buch ist ein Erfolg. „In den ersten zwei Wochen war es ständig ausverkauft. Der Verlag selbst war vom Erfolg überrascht“, berichtet die frisch gebackene Bestsellerin. Aber die zweite Auflage sei schon unterwegs, wie wir außerdem erfahren.

Den Erfolg bemisst und spürt die Autorin jedoch vor allem anhand von Kriterien, die jenseits der Verkaufszahlen liegen.

„Als das Buch in den Bestsellerlisten war, da dachte ich, das ist das, was mich happy macht. Komischerweise war es das gar nicht. Es ist die Post der Leser – für mich gibt’s gerade nichts Cooleres als zu sehen, dass sie das Buch fotografieren, egal wo sie gerade sind, in Deutschland oder in Dänemark, dich auf Instagram verlinken und schreiben: ‚So, es ist jetzt da, ich fang an zu lesen.'“

„Die Vorstellung, dass sie in ihrem dänischen Ferienhäuschen sitzen und ‚mein‘ Buch lesen, finde ich großartig! Da bin ich auch neidisch, ich würde mich gern daneben setzen“, so die Autorin gut gelaunt.

Da sich die NORDISCH-Redaktion in einigen Wochen zu Recherche- und Inspirationszwecken eh auf den Weg nach Dänemark machen will, steht nach der Lektüre fest: Auch wir nehmen Kristinas Buch mit auf die Reise. Denn wir sind gespannt, ob wir ihre Erfahrungen – zumindest ein paar davon – auch machen werden.

Inzwischen hat es Kristina vom Dorf übrigens nach Zypern verschlagen. Die bekennende Vollblutautorin will weiter schreiben, das stehe fest, sagt sie uns. Ein Roman wird es wohl sein, vielleicht ein Krimi, wenn die Zeit reif dafür ist.

Danke, Kristina, für das Gespräch mit dir! Und viel Erfolg mit deinem Buch und allen Projekten, die da folgen werden!

Unser QUIZ zum Thema DÄNEMARK

*Partnerlink

Sie wollen diesen Beitrag teilen?

Facebooktwitterredditpinterestmail
Subscribe
Benachrichtige mich zu:
guest

0 Comments
älteste
neuste
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen