Drei Fibeln, zwei Gräber, ein Handwerker
Wikingerschmuck kehrt nach 1200 Jahren zurück nach Norwegen
In Bronze oder Messing gegossene Ovalfibeln waren in der Wikingerzeit der häufigste Trachtenschmuck der Frauen. Dieser Typ jedoch ist nur aus diesen beiden Gräbern bekannt. (Fotos: Irisches Nationalmuseum / Terje Tvedt und Cora Oschmann, Archäologisches Museum, Universität Stavanger)
Wir schreiben die Mitte des 9. Jahrhunderts, ein paar Jahrzehnte vor der Schlacht am Hafrsfjord. In Finglas bei Dublin – die Stadt ist zu dieser Zeit ein Handelsplatz der Wikinger – soll eine Frau bestattet werden. Sie ist zwischen 25 und 34 Jahre alt und für damalige Verhältnisse groß gewachsen: ganze 172 Zentimeter.
Die Gegenstände, die man ihr mit ins Grab gibt, zeigen, dass sie in der irischen Wikingerkolonie hohes Ansehen genoss. Unter anderem bekommt sie zwei vergoldete Ovalfibeln mit, verziert mit kleinen Bären aus Silber.
Einige Jahre zuvor ist eine andere Frau bestattet worden – in Norwegen, genauer in Klepp auf Jæren, auf dem Gelände des heutigen Hofs Friestad. Auch in ihr Grab wird eine vergoldete Ovalfibel gelegt, verziert mit kleinen Bären aus Silber.
Rund 1200 Jahre später sind die drei Schmuckstücke nun zum ersten Mal vereint – in Norwegen.
Schwesterfibeln aus zwei Ländern
„Das ist ein ganz besonderes Ereignis. Die Fibeln werfen ein Licht auf die Rolle der Frauen und geben einen Einblick in das Leben in den norwegischen Kolonien der Wikingerzeit“, sagt Kristin Armstrong-Oma, Professorin für Archäologie und Direktorin des Archäologischen Museums der Universität Stavanger.
„Es ist auch etwas Besonderes, nach 1200 Jahren drei Frauenschmuckstücke wieder am selben Ort zu haben, die vermutlich derselbe Handwerker aus Rogaland gefertigt hat.“, sagt Armstrong-Oma.
Ein Schmucktyp, der nur zweimal existiert
In Bronze oder Messing gegossene Ovalfibeln waren in der Wikingerzeit der häufigste Trachtschmuck der Frauen. Dieser Typ jedoch – mit kleinen Bären und einem viereckigen Feld mit Silberspiralen an der Oberseite – ist nur aus diesen beiden Gräbern bekannt.
„Die Fibeln aus Finglas haben viele Details, die der Fibel von Friestad ähneln. Sie teilen auch Merkmale mit anderen Schmuckstücken aus Rogaland. Das deutet darauf hin, dass sie in Rogaland gefertigt wurden. Das Besondere ist, dass sie in einem Frauengrab in Irland gefunden wurden“, sagt der Archäologe Håkon Reiersen vom Archäologischen Museum der Universität Stavanger.
Ob sich die beiden Frauen kannten, lässt sich nicht sagen. „Aber die DNA-Analyse der Frau aus Finglas zeigt, dass sie norwegische Gene hatte, und der Schmuck am Gewand der beiden Frauen stammte eben von demselben Handwerker“, sagt Reiersen.
Frauen reisten mit – und stiegen auf
Archäologische Funde deuten auf enge Kontakte zwischen Rogaland und Irland in der Wikingerzeit hin. Das Archäologische Museum der Universität Stavanger besitzt Skandinaviens größte Sammlung von Gegenständen aus dem Irland der Wikingerzeit.
Die Fibeln erzählen dabei auch etwas über die Frauen selbst:
„Der Fund der beiden Fibeln in Irland zeigt, dass Frauen in der Wikingerzeit nicht nur passive Empfängerinnen von Schmuck aus Raubzügen waren. Sie nahmen auch selbst an der Reise nach Westen teil und konnten in den Kolonien hohes Ansehen erlangen“, betont Reiersen.
Die Schwesterfibeln aus Friestad und Finglas sind in der neuen Wikingerzeit-Ausstellung „World of the Vikings“ zu sehen, die am 3. Juni 2026 am Archäologischen Museum der Universität Stavanger eröffnet wurde.
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