Norwegisches Forschungsinstitut der Verteidigung (FFI)
Was tun mit U-864? Spannende Risikoanalyse zu deutschem Wrack vorgestellt

Das norwegische Forschungsinstitut der Verteidigung (FFI) hat eine umfassende Risikoanalyse zum Wrack des im Zweiten Weltkrieg versenkten U-Boots U-864 vorgelegt. Die neuen Daten sollen eine fundierte Entscheidungsgrundlage für den künftigen Umgang mit den gefährlichen Überresten am Meeresboden schaffen.
Die Experten des FFI untersuchten detailliert, wie die im Wrack verbliebenen Torpedos auf äußere Einflüsse wie Druck, Verformungen oder Bewegungen reagieren könnten. Dabei kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass die Wahrscheinlichkeit einer spontanen Detonation der Sprengköpfe sowohl kurz- als auch langfristig als sehr gering einzustufen ist.
Laut den Analysen sind die verwendeten Sprengstoffe äußerst stabil und reagieren unempfindlich auf langsame Belastungen, wie sie durch das Absinken von Sedimenten entstehen. Selbst seismische Aktivitäten wie Erdbeben stellen keine unmittelbare Gefahr dar, solange die Munition sicher in Schlamm oder Wasser eingebettet bleibt.
Sicherheit bei Bergungsarbeiten
Trotz der allgemeinen Stabilität warnt der Bericht vor unvorsichtigen Eingriffen bei möglichen Inspektionen oder einer späteren Abdeckung des Wracks. Direkte, heftige Stöße auf die Torpedorohre müssen unter allen Umständen vermieden werden, um keine Kettenreaktion auszulösen.
Im schlimmsten Fall könnte eine Detonation während einer Hebeoperation katastrophale Folgen haben und sogar Bergungsschiffe versenken. Wie die staatliche Küstenverwaltung Kystverket berichtet, steht der Schutz von Menschenleben bei allen weiteren Planungen an oberster Stelle.
Hans Petter Mortensholm, Direktor für Umweltbereitschaft bei Kystverket, betont die Bedeutung der neuen Datenlage für künftige Maßnahmen. „Dies gibt uns eine bessere Grundlage für die Bewertung verschiedener Schritte und für das Verständnis, wie sich das Risiko bei Eingriffen oder einer Abdeckung entwickelt“, erklärt der Direktor für Umweltbereitschaft Hans Petter Mortensholm.
Begrenzte Umweltschäden bei Explosion
Ein weiterer Fokus der Untersuchung lag auf der möglichen Ausbreitung von Schadstoffen im Falle einer unbeabsichtigten Explosion unter Wasser. Berechnungen zeigen, dass selbst bei einer gleichzeitigen Detonation mehrerer Torpedos nur minimale Mengen an Quecksilber in höhere Wasserschichten gelangen würden.
Die aufgewirbelten, kontaminierten Sedimente würden sich in der Regel innerhalb eines Radius von etwa zehn Metern um die Explosionsstelle schnell wieder absetzen. Diese Auswirkungen werden als weitaus geringer eingestuft als die ursprüngliche Verschmutzung, die durch die Torpedierung des U-Boots im Jahr 1945 verursacht wurde.
Die norwegische Küstenverwaltung wird diese Ergebnisse nun nutzen, um eine abschließende Empfehlung an das Ministerium für Wirtschaft und Fischerei zu erarbeiten. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse des FFI bilden dabei das zentrale Element für die Entscheidung über die endgültige Sicherung des historischen Wracks.
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