Spektakulärer Wrack-Fund

Luxus „Made in Germany“: 300 Jahre alte Kronleuchter in 600 Metern Tiefe entdeckt

Kronleuchter Wrack
Sündhaft teure Kronleuchter am Meeresgrund. (Foto: Espen Saastad / Norwegisches Meeresmuseum)

Vor der norwegischen Küste haben Archäologen des Norwegischen Maritimen Museums außergewöhnliche Luxusgüter aus einem vor Jahrhunderten gesunkenen Schiff geborgen. In einer Tiefe von etwa 600 Metern entdeckten die Forscher neben intaktem chinesischem Porzellan auch Fragmente kostbarer Kronleuchter.

Das Schiff sank bereits Mitte des 18. Jahrhunderts in den offenen Gewässern des Skagerraks. Erst im September des vergangenen Jahres wurde das Wrack durch Zufall entdeckt.

Bisher konnten die Experten einen einzelnen, geschwungenen Arm aus Kristallglas an die Oberfläche bringen. Unterwasseraufnahmen zeigen jedoch deutlich, dass noch weitere dieser Bauteile im Schlamm des Meeresbodens verborgen liegen.

Baukasten für den gehobenen Adel

Torgeir Kjos, Konservator am Norwegischen Museum für Kulturgeschichte, erklärt, dass es sich wahrscheinlich um Teile eines Armleuchters handelt. Solche Luxusobjekte wurden damals oft als eine Art Bausatz verkauft, den die Käufer nach eigenem Geschmack zusammensetzen konnten.

Neben den Armen, die die Kerzen hielten, verfügten diese Leuchter über dekorative Glaselemente und Ornamente. Es ist laut Kjos allerdings nicht völlig auszuschließen, dass das Teil zu einem prunkvollen Tischaufsatz gehörte.

Im 18. Jahrhundert stellten solche Glasleuchter ein Statussymbol dar, das nur der wohlhabenden Oberschicht vorbehalten war. Nur sehr wenige Menschen konnten sich derartige Luxusartikel in ihren privaten Wohnräumen leisten.

Herkunft und Handelswege im Fokus

Wie das Fachmagazin ScienceNorway berichtet, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Glas aus Deutschland stammt. Der Kunsthistoriker Geir Thomas Risåsen betont dabei die außergewöhnlich hohe Qualität und Reinheit des Materials.

Auch die mitgeführten Weingläser deuten auf eine deutsche Herkunft hin. Diese Funde könnten entscheidende Hinweise auf den Heimathafen und die Handelsroute des Schiffes liefern.

Die Archäologen planen bereits eine weitere Expedition, um gezielt nach Porzellanfiguren in Pflanzenform zu suchen. Sven Ahrens, Forschungsleiter am Norwegischen Maritimen Museum, hofft, dadurch die Identität des Schiffes endgültig klären zu können.

„Es ist durchaus möglich, dass das Rätsel um dieses Schiff während der Voruntersuchung ungelöst bleibt“, sagt Sven Ahrens im Interview. Für präzisere Antworten müssten die Forscher tiefer in die Sedimentschichten und die Ladungskisten vordringen.

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