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Aber örtliche Polizei zeigte ihm den Vogel

Wales: Amateurfunker hörte die SOS-Rufe der sinkenden Titanic – über 3.000 km entfernt

Nachdem die Titanic am 14. April 1912 bei der Überquerung des Atlantiks einen Eisberg gerammt hatte, sendeten die Telegrafisten an Bord verzweifelt Notrufe hinaus in die Nacht. Ihre Hoffnung auf rechtzeitige Hilfe sollte sich bekanntermaßen nicht erfüllen, was über 1500 Menschen mit dem Leben bezahlten.


Sehr beeindruckend: Die neu veröffentlichten 3D-Scans der Titanic (BBC – Atlantic Productions/Magellan)

Zwar hätte auch Arthur Moore vom südwalisischen Caerphilly aus die Tragödie unter keinen Umständen verhindern können. Dennoch ging er, zumindest im Kleinen, in die Geschichte jener Unglücksnacht ein.

Der Grund: Moore war der mit Sicherheit entfernteste Mensch auf Erden, der quasi live Anteil am Schicksal des für unsinkbar gehaltenen Luxusliners nahm. Dazu kam es, weil der passionierte Tüftler und Erfinder seiner Zeit in einigen Bereichen weit voraus war.

Besser gesagt: Um viele Kilometer voraus, da es ihm in jener Nacht tatsächlich gelungen war, mit seiner ultra-leistungsfähigen Amateurfunkanlage Kontakt zur Titanic aufzunehmen – aus dem Gartenschuppen, rund 3.200 Kilometern vom Unglücksort entfernt.

Aber Moore galt in seiner Heimat als Sonderling, um es freundlich auszudrücken. Daher auch zeigte man ihm bei der örtlichen Polizei den Vogel, als er mit seiner Geschichte von der angeblich in höchster Seenot befindlichen Titanic herbeigeradelt war. Tief in der Nacht.

„Die Leute müssen ihn für verrückt gehalten haben“, sagt ein in London lebender Funkexperte, den die BBC zu der Geschichte befragt hat. Überliefert ist, dass man ihn auf der Wache mit Hohn und Spott bedachte, statt der Sache irgendwelchen Glauben zu schenken.

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Mit dieser Selfmade-Funkanlage im Schuppen seines Gartens hörte Moore die SOS-Signale der Titanic – aus gut 3.200 Kilometern Entfernung. (Bild: National Library of Wales)

Erst verspottet, dann Held: Moores Pionierarbeit half 1985 dabei, die Titanic zu finden

Wenig später machten dann die ersten Zeitungsberichte die Runde, in denen sich das vermeintlich wirre Zeug aus Moores Mund quasi 1-zu-1 wiederfand. „Für diejenigen, die die Technologie kannten und verstanden, war die drahtlose Telegrafie dagegen das Internet ihrer Zeit“, schildert der Experte.

Und weiter: „Moore hat all diese Antennen aus dünnem Kupferdraht über einen Fluss gespannt und zwischen Bäumen den Hang hinauf zu einer alten Scheune verlegt.“ Erst dieser enorme Aufwand ermöglichte es Moore, Funksprüche auch aus größter Entfernung zu empfangen.

Interessanterweise war „Artie“, wie er von den Einheimischen genannt wurde, bereits 1911 ein echter Coup geglückt, als er die Kriegserklärung der italienischen Regierung an Libyen abgefangen hatte. Man hätte also ahnen können, dass die Sache mit der Titanic nicht ganz abwegig war.

In Fachkreisen blieb Moores technisches Genie freilich nicht unerkannt. Guglielmo Marconi, ein Erfinder der Radiotelegrafie, nahm den 1887 geborenen Waliser als Lehrling in den Kreis seiner Funkgesellschaft auf.

Und Moore lieferte: Während des Ersten Weltkriegs entwickelte er die ersten Funkverbindungen zwischen Großbritannien und den Tausende von Meilen entfernten Falklandinseln. Im Zweiten Weltkrieg leistete er dann Pionierarbeit bei der Entwicklung des Sonars, das den U-Boot-Krieg auf den Kopf stellte.

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Erst Sonderling, dann gefeierter Technik-Pionier: Arthur „Artie“ Moore vor seiner Funkstation. (Bild: National Library of Wales)

Vor allem aber war es auch Moores Pionierarbeit zu verdanken, dass im Jahr 1985 das Wrack der Titanic in knapp 4.000 Metern Tiefe geortet werden konnte. Hier schloss sich ein historischer Kreis, wenngleich Moore die Entdeckung nicht mehr miterlebte. Er war bereits 1949 an einer Leukämieerkrankung verstorben.

Hintergund: Die erstaunliche Geschichte des Technik-Pioniers aus Wales ist gerade deshalb hoch aktuell, weil es dem auf die Tiefsee spezialisierten Kartografie-Unternehmen Magellan jüngst gelungen ist, hoch auflösende 3D-Bilder vom Wrack der Titanic anzufertigen.

Die aus 700.000 Einzelfotos entstandenen Scans sind vor wenigen Tagen veröffentlicht worden. Sie bieten einen in dieser Detailliertheit und Schärfe bislang nicht annähernd dagewesenen Blick auf den Stahltorso am Grund des Atlantiks (s. BBC-Beitrag oben im Artikel).

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