Ursachen für den wirtschaftlichen Rückgang
Brexit kostet Großbritannien 6 Prozent der Wirtschaftsleistung

Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union hat die britische Wirtschaft massiv belastet. Aktuelle Analysen interner Daten der Bank of England kommen zu dem Schluss, dass das Bruttoinlandsprodukt um etwa sechs Prozent niedriger ausfällt, als es ohne den Brexit der Fall wäre.
Die Untersuchung stützt sich auf Finanzdaten und Einschätzungen von Tausenden britischer Unternehmen, die über das letzte Jahrzehnt gesammelt wurden. Ökonomen rekonstruierten dabei das potenzielle Wachstum des Landes, um einen direkten Vergleich zur tatsächlichen Entwicklung nach dem Referendum zu ermöglichen.
Ursachen für den wirtschaftlichen Rückgang
Etwa die Hälfte des wirtschaftlichen Schadens lässt sich laut der Studie auf die große Unsicherheit unmittelbar nach der Abstimmung zurückführen. Die restlichen Einbußen resultieren primär aus den steigenden Handelsbarrieren, die seit dem Verlassen der Zollunion und des Binnenmarktes im Jahr 2021 bestehen.
Kritiker der Untersuchung geben jedoch zu bedenken, dass globale Faktoren wie der Erfolg der US-Technologiebranche nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Auch die europäische Energiekrise vor vier Jahren könnte die Ergebnisse der Modellrechnung beeinflusst haben.
Expertenmeinungen und offizielle Daten
Professor Nick Bloom von der Stanford University, einer der Mitautoren der Studie, betonte die hohe Wachstumsgeschwindigkeit des Landes vor dem Austritt. Ohne die Verwerfungen des Brexit hätte das Vereinigte Königreich zumindest teilweise mit der wirtschaftlichen Entwicklung der USA mithalten können, so Bloom.
Wie die BBC berichtet, äußern sich mittlerweile auch hochrangige Vertreter der Bank of England zunehmend deutlicher zu den negativen Konsequenzen. Gouverneur Andrew Bailey erklärte gegenüber Journalisten, dass das Niveau der wirtschaftlichen Aktivität und des Wachstums spürbar gesunken sei.
Bailey begründete dies damit, dass eine Verkleinerung der Exportmärkte zwangsläufig negative Auswirkungen auf die Produktivität und das Gesamtwachstum habe.
Ausblick auf zukünftige Handelsbeziehungen
Trotz der kritischen Bilanz merkte der Gouverneur an, dass die Folgen für den Finanzsektor weniger verheerend ausfielen als ursprünglich befürchtet. Die britische Regierung plant für Juli ein Treffen mit EU-Vertretern, um neue Abkommen für Agrarexporte und den Emissionshandel zu schließen.
https://www.nordisch.info/laenderwissen/wie-gut-kennen-sie-england/
