Fehlannahme wegen falscher Tests
Prima gehalten: E-Auto-Akkus viel langlebiger als gedacht – aus simplem Grund

Lange Zeit galt die Sorge um die Lebensdauer der Antriebsbatterie als eines der größten Hindernisse für den Kauf eines Elektroautos. Neue Forschungsergebnisse belegen nun jedoch, dass moderne Akkus deutlich robuster sind als von Wissenschaftlern und Verbrauchern ursprünglich angenommen.
Wenn ein Elektrofahrzeug ein Alter von zehn Jahren erreicht, verfügt es in der Regel noch über etwa 80 Prozent seiner ursprünglichen Batteriekapazität. Diese Erkenntnis widerlegt frühere Befürchtungen, dass die teuren Energiespeicher bereits nach wenigen Jahren kostspielig ersetzt werden müssten.
Ein wesentlicher Grund für die Fehleinschätzung liegt in der Art der bisherigen Belastungstests. Forscher stellten fest, dass Batterien unter realen Bedingungen bis zu 40 Prozent länger halten können als in standardisierten Laborumgebungen.
Der Unterschied zwischen Labor und Straße
In Laboren wurden Akkus oft einer stetigen und kontinuierlichen Belastung ausgesetzt, um den Verschleiß zu simulieren. Im echten Straßenverkehr sorgen jedoch ständiges Beschleunigen, Bremsen und vor allem lange Standzeiten für notwendige Ruhephasen des chemischen Systems.
Diese unregelmäßige Nutzung schont die Zellen weitaus mehr als ein dauerhafter Betrieb unter Volllast. Die Wissenschaftlerin Simona Onori erklärte gegenüber dem Stanford Report, dass man Batterien schlichtweg nicht auf die richtige Art und Weise getestet habe.
Neben dem Nutzungsverhalten spielt auch die technologische Weiterentwicklung eine entscheidende Rolle für die Langlebigkeit. Moderne Fertigungsprozesse garantieren eine deutlich höhere und gleichmäßigere Qualität der einzelnen Batteriezellen.
Fortschritte im Batteriemanagement
Professor Odne Burheim von der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU) betont zudem die Relevanz moderner Steuerungssysteme. Die Hersteller sind heute wesentlich besser darin, die Betriebszustände der Zellmodule präzise zu überwachen und zu steuern.
Ein interessantes Phänomen zeigt sich laut Untersuchungen des norwegischen Automobilverbands (NAF) oft zu Beginn der Laufzeit. Nach den ersten umgerechnet etwa 30.000 Kilometern sinkt die Kapazität häufig um rund 5 Prozent ab, bevor der Verschleiß über viele Jahre fast stagniert.
Wie Science Norway berichtet, zeigen aktuelle Daten aus Großbritannien, dass selbst Fahrzeuge mit über 160.000 Kilometern Laufleistung meist noch 88 bis 95 Prozent ihrer Kapazität besitzen. Dies deutet darauf hin, dass die Batterie oft länger hält als andere mechanische Komponenten des Fahrzeugs.
Tipps für eine maximale Lebensdauer
Um die Haltbarkeit weiter zu optimieren, empfehlen Experten, den Ladestand idealerweise zwischen 10 und 90 Prozent zu halten. Das vollständige Aufladen auf 100 Prozent sollte nur dann erfolgen, wenn die volle Reichweite für lange Strecken unmittelbar benötigt wird.
Besondere Vorsicht ist in kalten Klimazonen beim Thema Schnellladen geboten, da kalte Batterien empfindlich auf hohe Stromstärken reagieren. Eine Vorwärmung des Akkus vor dem Ladevorgang kann hier signifikant dazu beitragen, chemische Stressfaktoren zu minimieren.
Letztlich zeigt die Datenlage von rund 8.000 untersuchten Fahrzeugen verschiedenster Marken ein konsistentes Bild. Die Angst vor einem plötzlichen Batterietod scheint unbegründet, da die meisten Akkus selbst nach einem Jahrzehnt noch voll einsatzfähig sind.
https://www.nordisch.info/laenderwissen/geographie-quiz-norwegen/
