Antike Siedlung Irchester
Massive römische Stadtmauer bei Ausgrabungen in England freigelegt
Fotos: University of Leicester
Archäologen haben bei Ausgrabungen in der antiken Siedlung Irchester in England eine beeindruckende römische Kalksteinmauer freigelegt, die einst der Befestigung diente. Der Fund auf dem Gelände des Chester House Estate gewährt neue Einblicke in die Architektur und den hohen Status der einstigen römischen Stadt.
Ein Team aus Experten der Universität Leicester und zahlreichen Freiwilligen arbeitete mehrere Wochen lang an der Freilegung des Bauwerks. Die Archäologen konzentrierten sich dabei auf die südwestliche Ecke der befestigten Stadt, um die Bauweise der antiken Anlagen besser zu verstehen.
Die Entdeckung der Mauer aus hellem Kalkstein überraschte die Forscher, da sie ursprünglich mit lokalem Eisenstein gerechnet hatten. Das Bauwerk befindet sich in einem hervorragenden Zustand und zeigt deutlich die Fundamente.
Professorin Dr. Sarah Scott von der Universität Leicester betonte die nationale Bedeutung der Fundstelle für die Erforschung der römischen Besiedlung. Sie erklärte, dass dieser Bereich der befestigten Stadt zum ersten Mal systematisch archäologisch untersucht wurde.
Einblicke in das antike Stadtbild
Die Ausgrabungen halfen den Experten dabei, die Ursprünge der Siedlung in der Eisenzeit und ihre spätere Entwicklung unter römischer Herrschaft zu rekonstruieren. Durch die Funde lässt sich nun genauer bestimmen, wie die massiven Mauern im Verhältnis zu den Gebäuden im Inneren der Stadt standen.
Laut den beteiligten Forschern hätte die Stadtmauer entlang des Nene Valley einen äußerst dramatischen und imposanten Anblick geboten. Die weithin sichtbare Befestigung unterstrich die Bedeutung Irchesters als zentralen Ort in einer damals sehr dicht besiedelten Landschaft.
Neben der Mauer entdeckte das Team auch steinerne Strukturen sowie Gebäude mit gepflasterten Innenhöfen. Wie die BBC berichtet, nahmen insgesamt 45 Personen sowie rund 1.200 Schulkinder an dem Projekt teil.
Kostbare Funde aus dem römischen Alltag
Zusätzlich zu den baulichen Überresten förderte die Grabung Hunderte kleinerer Objekte zutage, die Aufschluss über das tägliche Leben geben. Zu den Fundstücken gehören unter anderem Fibeln, ein Knochenkamm, Haarnadeln, Glasperlen und ein kunstvoll gefertigter Löffel.
Besonders hervorzuheben ist ein Armreif aus einer Kupferlegierung, der auf das späte 4. oder 5. Jahrhundert datiert werden konnte. Auch hochwertige Keramik wurde gefunden, was darauf hindeutet, dass die Bewohner bereits in der frühen römischen Kaiserzeit Zugang zu Luxusgütern hatten.
Professorin Dr. Sarah Scott zeigte sich von der Unmittelbarkeit der Funde tief beeindruckt. Sie sagte: „Es ist erstaunlich, eine Perle in die Hand zu nehmen und sich vorzustellen, dass sie vor fast 2.000 Jahren um den Hals von jemandem hing.“
https://www.nordisch.info/laenderwissen/wie-gut-kennen-sie-england/
