Schleppausrüstung revolutioniert
Früher 1.000 kg – heute 75 kg: Neue Technik „erleichtert“ Seenotrettung massiv

Forscher des Instituts SINTEF haben in Zusammenarbeit mit nationalen Partnern eine neuartige Notfall-Schleppausrüstung entwickelt, die Rettungseinsätze auf hoher See grundlegend vereinfacht. Das System ist deutlich leichter als bisherige Modelle und erlaubt es Hubschraubern, selbst bei widrigen Wetterbedingungen größere Distanzen zu überbrücken.
Bisher wogen herkömmliche Vorrichtungen für Notfallschlepps bis zu eine Tonne, was den Transport an Bord von Hubschraubern unmöglich machte. Diese schweren Lasten mussten außen am Fluggerät befestigt werden, wodurch die Reichweite und Flugstabilität bei Sturm stark eingeschränkt waren.
Das neue System wiegt hingegen nur noch 75 Kilogramm und kann problemlos im Inneren der Kabine mitgeführt werden. Seniorberater Ørjan Selvik von SINTEF Ocean betont, dass die Ausrüstung einfach zu handhaben sein muss, während sie gleichzeitig extremen Kräften standhalten muss.
Erfolgreiche Tests vor den Lofoten
Bei einer großangelegten Übung vor den Lofoten im März wurde das System erstmals unter realistischen Bedingungen mit dem Kreuzfahrtschiff M/S Spitsbergen getestet. Ein Rettungshubschrauber des Typs SAR Queen setzte dabei Spezialkräfte und die neue Ausrüstung in weniger als zehn Minuten auf dem Deck ab.
Kjetil Aasabø von der norwegischen Küstenverwaltung erklärte, dass man nun Personal gezielt darin ausbilde, verlassene Schiffe zu betreten und Schleppleinen zu befestigen. Diese Expertise sei ein entscheidender Fortschritt für die nationale Sicherheit in norwegischen Gewässern.
Wie das Portal ScienceNorway berichtet, kam es während der Übung sogar zu einem echten Notfall. Ein Massengutfrachter trieb manövrierunfähig im Nordmeer, woraufhin die zuvor trainierten Abläufe unmittelbar in der Praxis angewendet werden konnten.
Strenge Regeln ab 2028
Die Dringlichkeit dieser Innovation wird durch kommende gesetzliche Änderungen unterstrichen, die ab dem Jahr 2028 in Kraft treten. Große Schiffe mit einer Vermessung von über umgerechnet etwa 20.000 Bruttoraumzahlen müssen dann über eigene dedizierte Notfall-Schleppsysteme verfügen.
Das Projekt EMTOW, das von SINTEF geleitet wird, zielt darauf ab, auch für kleinere Schiffe effiziente Lösungen bereitzustellen. „Wir können sehen, wie wertvoll die neue Ausrüstung wirklich ist“, resümiert Aasabø in Bezug auf die Handhabung des modularen Systems.
Die modulare Bauweise der Schleppleine ermöglicht es dem Team, die Ausrüstung in handlichen Taschen, sogenannten Helibags, über das Deck zu transportieren. Dies spart in kritischen Situationen wertvolle Minuten, in denen ein Schiff auf die Küste zuzutreiben droht.
„Die besten Innovationen sind meist intuitiv“, sagt der Forscher Ørjan Selvik über das Design. Zukünftige Trainingseinheiten sollen sicherstellen, dass alle Rettungskräfte mit den neuen Methoden vertraut sind.
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