Innenhof im Zentrum von Tallinn

Sensationeller Fund: 700 Jahre altes Papst-Siegel bei Ausgrabungen entdeckt


Fotos: Mihkel Tammet / Ragnar Nurk

Archäologen haben in einem Innenhof im Zentrum von Tallinn eine extrem seltene päpstliche Bulla aus dem 14. Jahrhundert entdeckt. Das Siegel, das Papst Clemens V. (verstorben 1314) zugeordnet wird, gilt als der erste archäologische Fund dieser Art in Estland.

Die Ausgrabungen begannen bereits im vergangenen Jahr im Innenhof eines Bürogebäudes aus der Sowjetzeit. Am Dienstag stießen die Experten schließlich auf das historische Bleisiegel, das einst wichtige päpstliche Dokumente beglaubigte.

Der Archäologe Mihkel Tammet bezeichnete die Entdeckung als geradezu sensationell für den estnischen Kontext. Das Objekt fügt sich hervorragend in die mittelalterlichen Funde von Keramiken und anderen Einzelstücken ein, die an diesem Ort gesichert wurden.

Das Siegel stammt aus einer dunklen mittelalterlichen Erdschicht, die dort über Jahrhunderte abgelagert wurde. Mihkel Tammet vermutet, dass die Bulle durch Abfälle oder Erdaushub aus der Altstadt an ihren Fundort gelangte.

Einzigartiger Kontext in der estnischen Geschichte

Früher wurde solcher Boden oft zur Düngung von Feldern und Gärten außerhalb des Stadtkerns verwendet. Auf diese Weise könnten wertvolle Artefakte unbemerkt in Randbereiche Tallinns transportiert worden sein.

Der Historiker Ivar Leimus erklärte, dass im Mittelalter nur sehr wenige päpstliche Briefe Estland überhaupt erreichten. Zudem ist von den eingegangenen Dokumenten nur ein Bruchteil bis in die heutige Zeit erhalten geblieben.

Bisher waren in Estland lediglich drei päpstliche Bullen bekannt, die jedoch alle an Dokumenten im Stadtarchiv von Tallinn befestigt sind. Wie ERR News berichtet, handelt es sich bei dem aktuellen Fund um das erste Exemplar, das direkt bei einer Ausgrabung entdeckt wurde.

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