Hochspezialisierte Techniken nachgewiesen
Sagenhafter Fund: So trickreich war – vor 5.000 Jahren – Walfang in Norwegen

Archäologen haben an der norwegischen Küste beeindruckende Beweise für einen frühen Walfang entdeckt, der rund 5.000 Jahre zurückreicht. Die Funde zeigen, dass die damaligen Jäger bereits hochspezialisierte Techniken nutzten, um große Meeressäuger wie Orcas zu erbeuten.
Lange Zeit herrschte in der Wissenschaft die Annahme vor, dass steinzeitliche Gemeinschaften primär von der Jagd auf Großwild an Land abhängig waren. Der Archäologe Dr. Svein Vatsvåg Nielsen vom Schifffahrtsmuseum Stavanger erklärt jedoch, dass sich wachsende Populationen nach der Eiszeit massiv an marine Ressourcen anpassten.
Die neuesten Untersuchungen am sogenannten Jortveit-Hof belegen, dass die Bewohner zwischen 3500 und 2500 v. Chr. gezielt den Ozean als Nahrungsquelle erschlossen. Neben zahlreichen Fischgräten stießen die Forscher auf einen Orca-Kiefer mit deutlichen Schnittspuren sowie Wirbel von Rotem Thun.
Innovative Jagdtechniken in der Lagune
Vor rund 5.000 Jahren war das heutige Moorgebiet bei Jortveit eine Salzwasserlagune, in der Tiere bei Ebbe gefangen werden konnten. Die Archäologen vermuten, dass Schwertwale und Thunfische den Heringen in das flache Wasser folgten und dort festsaßen.
In diesem Moment schlugen die Jäger zu, indem sie die Tiere mit Harpunen angriffen und ausbluten ließen. Wie ScienceNorway berichtet, wurden die Skelette von Tieren gefunden, die ursprünglich entkommen konnten, aber später ihren Verletzungen erlagen.
„Die Idee war, die Orcas und Thunfische zu harpunieren und sie am Entkommen zu hindern“, erläutert Dr. Svein Vatsvåg Nielsen die damalige Vorgehensweise. Neben den Tierknochen wurden auch Angelhaken und Harpunen aus Knochen und Geweih entdeckt, die diese Theorie stützen.
Vom Jäger zum sesshaften Fischer
Der Übergang zur Nutzung maritimer Ressourcen markierte einen bedeutenden kulturellen Wandel in der frühen Geschichte Skandinaviens. Während die ersten Siedler vor etwa 11.500 Jahren noch Rentierherden folgten, entwickelten spätere Gruppen komplexe Fischfanggeräte wie Netze und V-förmige Zäune.
Diese Zäune konnten eine Länge von bis zu 100 Metern erreichen und nutzten die Gezeiten, um Fische effektiv in Fallen zu leiten. Die Funde aus der Steinzeit zeigen eindrucksvoll, wie tief verwurzelt die maritime Tradition in der norwegischen Geschichte ist.
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