Spannende Forschungsergebnisse
Ältestes Schiffsgrab in Norwegen identifiziert – mit enger Verbindung nach England
Fotos: NTNU University Museum
Archäologen haben das monumentale Hügelgrab Herlaugshaugen auf der norwegischen Insel Leka als das älteste bekannte Schiffsgrab des Landes identifiziert. Die neuen Datierungen belegen, dass die Bestattung bereits um das Jahr 700 stattfand und somit der eigentlichen Wikingerzeit vorausging.
Der Grabhügel Herlaugshaugen prägt seit Jahrhunderten die Landschaft auf der Insel Leka im zentralen Norwegen. Archäologe Geir Grønnesby vom NTNU Universitätsmuseum erklärt gegenüber Science Norway, dass es sich um einen der größten Grabhügel des Landes handelt.
Lange Zeit war unklar, ob sich im Inneren tatsächlich ein Schiff befand. Jüngste Untersuchungen von Eisennieten und Holzplanken bestätigen nun jedoch zweifelsfrei eine Schiffsbestattung dieses monumentalen Ausmaßes.
Verbindung zu Sutton Hoo
Die Datierung auf das Jahr 700 ordnet den Fund in die Merowingerzeit ein, die der Wikingerzeit unmittelbar vorausging. Damit schließt der Fund eine wichtige chronologische Lücke zu dem berühmten angelsächsischen Schiffsgrab von Sutton Hoo in England.
Wie Science Norway berichtet, weisen Forscher auf eine weit verbreitete kulturelle Tradition im Nordseeraum hin. „Es beginnt sich ein klareres Bild abzuzeichnen, wie sich diese Schiffsbestattungstraditionen verbreiteten“, erläutert Archäologe Geir Grønnesby die Bedeutung der Ergebnisse.
Rätsel um verlorene Artefakte
Bereits im späten 18. Jahrhundert wurde der Hügel erstmals durch eine Militäreinheit geöffnet. Damals wurden laut historischen Berichten ein Skelett und ein Schwert gefunden, die jedoch im Laufe der Zeit verloren gingen.
Experten vermuten, dass der Hügel in der Vergangenheit geplündert wurde oder wertvolle Beigaben nicht dokumentiert wurden. „Es kann sein, dass sie wertvolle Dinge fanden, die sie nicht meldeten, aber das ist nur Spekulation meinerseits“, gibt Grønnesby zu bedenken.
Suche nach weiteren Vorläufern
Archäologe Frans-Arne Stylegar zeigt sich überzeugt, dass noch weitere unentdeckte Schiffsgräber entlang der norwegischen Küste existieren. Er betont, dass bisher nur sehr wenige dieser Anlagen von professionellen Archäologen nach modernen Standards untersucht wurden.
Die Forschung hofft nun auf präzisere Datierungsmethoden wie die Dendrochronologie für zukünftige Funde. Solche exakten Daten könnten die Verbindungen zwischen den skandinavischen und angelsächsischen Eliten noch deutlicher untermauern.
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