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„Absolut bemerkenswert“

England: Wohl 1.400 Jahre alter Tempel von König Rædwald auf Bauernhof in Suffolk entdeckt

Bei einer groß angelegten Ausgrabung in Rendlesham in der englischen Grafschaft Suffolk stießen die Archäologen vor Wochen auf ein Fundament, das Teil eines etwa 1.400 Jahre alten Königstempels in der historischen Region Ostanglien (East Anglia) gewesen sein dürfte.


Bilder 1 bis 3: Impressionen von der aktuellen Ausgrabung. (Suffolk County Council)
Bild 4: Der bereits 1939 entdeckte „Helm von Sutton Hoo“ gehörte wahrscheinlich König Rædwald. (Mark Ramsay / CC BY 2.0)

Prof. Christopher Scull von der Cardiff University bezeichnete den Fund in einem Interview als „absolut bemerkenswert“. Er sagt, die Ergebnisse würden von der „Macht und dem Reichtum der ostanglischen Könige zeugen.“ Und von der Kultiviertheit der Gesellschaft, die sie regierten.

Es wird vermutet, dass der Tempel Teil des Machtbereichs von König Rædwald war, der 625 nach Christus verstarb und vermutlich in Sutton Hoo begraben wurde. Bereits vor rund einem Jahr sind auf dem Areal die Überreste einer großen königlichen Versammlungshalle freigelegt worden.

Alten Quellen zufolge soll König Rædwald einen Tempel besessen haben, in dem sich neben einem Altar für Christus auch Altäre für vorchristliche Götter befanden. Nur war eben der Standort völlig unbekannt – bislang, wie es scheint.

Die Ausgrabungen des Jahres 2023 haben gezeigt, dass das königliche Areal in Rendlesham mit einer Fläche von 15 Hektar – etwa 20 Fußballfelder – weitaus größer war, als es die Experten im Vorfeld für möglich gehalten haben. Auch das spricht für die Besonderheit der Stätte.

Die Gebäude waren vermutlich von einem etwa 1,5 Kilometer langen Schutzgraben umgeben und Teil einer wesentlich größeren Siedlung. Die beteiligten Archäologen gehen von insgesamt 50 Hektar aus, was in puncto Größe als recht einzigartig für das 5. bis 8. Jahrhundert angesehen wird.

Der Tempel war mit einer Länge von 10 Metern und einer Breite von 5 Metern ungewöhnlich groß

„Der Tempel liefert uns seltene und bemerkenswerte Beweise dafür, dass an einem königlichen Ort zu jener Zeit auch der vorchristliche Glaube praktiziert wurde, der ja im Grunde die Basis für die frühe englische Gesellschaft bildete“, teilte Scull gegenüber der BBC mit.

EastAnglia
Historische Region: Das nordöstlich an London angrenzende East Anglia. (Darstellung: Morwen / CC BY-SA 3.0)

Die markanten Fundamente deuten darauf hin, dass der Tempel mit einer Länge von 10 Metern und einer Breite von 5 Metern für seine rituellen Zwecke ungewöhnlich groß und auch robust gebaut war. Stilistisch passend zu anderen Funden, die sich als Tempel oder Kultgebäude entpuppt haben.

Mehr als 200 Freiwillige, darunter auch Grundschulkinder, waren über den gesamten Sommer an den Ausgrabungen beteiligt. Dabei konnten auch die Fundamente von drei neuen Holzgebäuden freigelegt werden, deren frühere Bedeutung noch unklar zu sein scheint.

Außerdem wurden Beweise für Metallverarbeitung aus dem 7. Jahrhundert, zwei Gräber unbekannten Datums sowie Belege für frühere Siedlungen und Aktivitäten aus der Jungsteinzeit, der Bronzezeit, der Eisenzeit und der Römerzeit gefunden.

Man darf gespannt sein, was die Nachforschungen noch alles ergeben. Fürs Erste soll es das mit den Ausgrabungen in Rendlesham jedenfalls gewesen sein. Gefunden wurden die Reste des Tempels übrigens auf dem Gelände eines Bauernhofs.

Hintergrund: Ostanglien (East Anglia) ist die historische Bezeichnung einer Gegend im Osten Englands, die im Wesentlichen die Grafschaften Cambridgeshire, Suffolk und Norfolk umfasst. Die kleinen Dörfer der Region sind heute beliebte Urlaubsziele der Londoner Großstädter.

Rædwald, der von 599 bis 625 regierte, war der wohl bedeutendste Herrscher des angelsächsischen Königreichs East Anglia. Historiker vermuten, dass ihm ein prachtvolles Grab bei Sutton Hoo gewidmet war. Es enthielt einige der größten Schätze der angelsächsischen Epoche (s. Bildergalerie).

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